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Schulen in Hessen

Theater vor allem an Gymnasien

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    Peter Hanack
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Hessen bildet mehr als 500 Lehrer für das Unterrichtsfach Darstellendes Spiel weiter, doch es fehlt an einem Studiengang.

Theater-Unterricht macht Schule: Mehr als 500 Lehrerinnen und Lehrer sind seit 2005 in Hessen für das Unterrichtsfach Darstellendes Spiel weitergebildet worden. Das hat das Kultusministerium auf Anfrage der Frankfurter Rundschau mitgeteilt.

Der mit Abstand größte Teil der Lehrkräfte, nämlich fast 450, unterrichte an Gymnasien. „Das hessische Kultusministerium hat weiterhin großes Interesse, Lehrerinnen und Lehrer in Theater und Darstellendem Spiel auszubilden und tut dies erfolgreich im Weiterbildungskurs für alle Schulformen“, ließ ein Sprecher von Minister Alexander Lorz (CDU) wissen.

Bei den Weiterbildungen sollen Lehrerinnen und Lehrer befähigt werden, neben ihren beiden Fächern noch Theater als drittes Fach zu unterrichten. Dagegen gibt es in Hessen kein Angebot, bei dem Lehramtsstudierende Theater als zweites Fach an der Uni erlernen können.

Bis 2014 hatte es so ausgesehen, als ob ein solcher Studiengang an der Universität Gießen entstehen würde. Die schwarz-grüne Landesregierung hatte sich bereit gezeigt, das zu unterstützen. Doch daraus wurde nichts.

Die Überlegungen seien „zugunsten anderer Prioritäten in der Lehramtsausbildung zurückgestellt worden“, bestätigt die Justus-Liebig-Universität auf Anfrage. Eine Sprecherin nennt die Ausweitung von Studienplätzen für Grund- und Förderschullehrer sowie das neue Unterrichtsfach Islamische Religion für Grundschulen. Auch „die stärkere Berücksichtigung von Deutsch als Zweitsprache und Inklusion in den Lehramtsstudiengängen“ besitze derzeit Vorrang vor dem Theater-Studiengang.

Der Landesverband Schultheater in Hessen bedauert diese Entwicklung. Er ist an den Weiterbildungsangeboten beteiligt, wünscht sich aber darüber hinaus ein Studienfach Darstellendes Spiel. Dort wäre es möglich, die künstlerische Dimension weit über das hinauszuentwickeln, was in der Weiterbildung möglich sei, sagt die Verbandsvorsitzende Ruth Kockelmann aus Darmstadt.

Möglich werde ein solches Angebot aber erst, wenn eine Hochschule die Initiative ergreife. Kockelmann würde sich das etwa von der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst wünschen. Ein solcher Studiengang hätte dann auf dem Kulturcampus auf dem alten Uni-Gelände im Stadtteil Bockenheim einen geeigneten Ort, findet die Verbandschefin.

Ihre Kollegen vom Bundesverband Theater in Schulen vertreten die Auffassung, dass Theater als Schulfach viel stärker als bisher in den Stundentafeln verankert werden sollte. Bislang gelte dies fast ausschließlich für die gymnasialen Oberstufen. In der Mittelstufe oder auch in den Grundschulen aber, sei Theater im Stundenplan in aller Regel nicht verbindlich vorgeschrieben. Lediglich Hamburg habe entsprechende Vorgaben für die Stundentafel gemacht, schreibt der Bundesverband in einem jetzt vorgelegten Positionspapier.

Unterstützt wird der Aufruf unter anderem vom Deutschen Bühnenverein, der Dramaturgischen Gesellschaft, dem Bund Deutscher Amateurtheater und dem Bundesverband Freie Darstellende Künste.

Theaterspielen könne Kindern und Jugendlichen auf vielfältige Weise Bildungschancen eröffnen. Alle Schülerinnen und Schüler, nicht nur jene an den Gymnasien, sollten die Möglichkeit zur kulturellen Teilhabe bekommen, unabhängig von ihrer Herkunft oder der besuchten Schulform, fordert der Bundesverband. Ausgebaut werden müsse deshalb auch die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften, wie es sie zurzeit nur an wenigen Universitäten gebe.

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