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Ein dichtbesiedelter Ballungsraum mit großem Flughafen - da bleibt nicht viel Raum für Windenergie.

Energiewende

Südhessen verfehlt Ausbauziel

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Nur 1,7 Prozent der Fläche - und damit weniger als geplant - ist im Regierungsbezirk Südhessen für Windkraft reserviert. Denn: Der Flughafen ist im Weg.

Im Regierungsbezirk Südhessen stehen künftig 1,7 Prozent der Fläche für den Ausbau der Windkraft zur Verfügung. Die Landesregierung hatte als Ziel ausgegeben, zwei Prozent der Landesfläche dafür zu reservieren. Auch nach jahrelangem Bemühen hat Südhessen damit ein wichtiges Ziel der Energiewende verfehlt. Im engeren Rhein-Main-Gebiet sind es sogar nur 0,6 Prozent der Fläche geworden.

„Wir dürfen nicht vergessen, dass wir hier in einem sehr dicht besiedelten Ballungsraum leben“, führt Thomas Horn (CDU), Direktor des Regionalverbands Frankfurt-Rhein-Main, als Erklärung an. Zudem liege in dem Gebiet einer der größten Flughäfen Europas mit all seiner Infrastruktur wie etwa Funkfeueranlagen, so Horn weiter. In deren Umfeld können keine Vorrangflächen ausgewiesen werden. 

Ursprünglich waren noch etwas mehr Areale für den Bau von Windrädern vorgesehen. Die Offenlage der Pläne erfolgte von April bis Mitte Mai 2017. Damals gingen rund 5350 Stellungnahmen zu den vorgesehenen Vorranggebieten ein. 5250 davon stammten von Privatpersonen, etwa 100 Stellungnahmen kamen von Gemeinden, Behörden und sonstigen Trägern öffentlicher Belange. Daraus ergaben sich rund 1100 Änderungsvorschläge. 

In der Folge sind von den 29 vorgeschlagenen Gebieten neun weggefallen. Die ursprünglich ausgewiesene Fläche verringerte sich dadurch von den angestrebten zwei auf die nun 1,7 Prozent. Im Ballungsraum sank der Flächenanteil von 0,8 auf nur noch 0,6 Prozent. 

Die größte Fläche, die gestrichen wurde, war 191 Hektar groß und lag auf den Gemarkungen von Wölfersheim, Münzenberg und Rockenberg. Dort gab es Proteste, unter anderem, weil befürchtet wurde, die Rotoren könnten das Erscheinungsbild der Burg Münzenberg - auch unter dem Namen Wetterauer Tintenfass bekannt - mit ihren zwei markanten runden Bergfrieden beeinträchtigen. Eine 175 Hektar große Fläche in Friedrichsdorf fiel ebenfalls aus den Plänen hinaus. Auch hier waren Belange der Denkmalpflege berührt. Auf dem Kleinen Feldberg wurde eine gut 40 Hektar große Fläche gestrichen, weil dort eine Erdbebenmessstation steht. Die Schwingungen der Windräder hätten zu Verfälschungen der Messungen führen können. Bei Florstadt, Ronneburg und Rosbach machte der Artenschutz der Windkraft einen Strich durch die Rechnung. 

Große Windvorranggebiete gibt es in Weilrod und Grävenwiesbach, bei Ober-Mörlen und Rosbach, zwischen Bad Nauheim und Wölfersheim sowie zwischen Schöneck und Maintal. Kleinere Areale liegen bei Ronneburg, Hammersbach, Rodenbach, Wehrheim, Karben und am nördlichen Rand von Frankfurt. 

Die Verbandskammer des Regionalverbands sowie die Regionalversammlung Südhessen werden Mitte Dezember über die Vorranggebiete abstimmen. Dann gehen sie in den Flächennutzungsplan ein. 

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