+
Hessen wirbt um junge Hausärzte. (Symbolbild)

Ärzte in Hessen

Starthilfe für junge Hausärzte

  • schließen

Um die medizinische Versorgung flächendeckend sicherzustellen, wirbt Hessen um junge Hausärzte. Jungmedizinern macht das Land besondere Angebote.

Bei Esther Dorsch war es „das tolle Praktikum bei einer Ärztin in Kelkheim“. Das überzeugte die 31-Jährige, Allgemeinmedizinerin zu werden. Elke Schneider wählte die Fachrichtung wegen der vielen Abwechslung. „Man hat Patienten vom Säugling bis zum 100-Jährigen.“ Die Beziehungen seien sehr persönlich, und sie lerne die ganze Familie kennen.

Hessen braucht junge Hausärzte. „Wir müssen doppelt so viele ausbilden, wie wir es zur Zeit tun“, sagt Ferdinand Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Goethe-Uni Frankfurt. Das Durchschnittsalter liege bei 54 Jahren, und der zu 70 Prozent weibliche Nachwuchs wolle sich auch um seine Familie kümmern. „Wir brauchen drei junge Ärzte, um zwei alte zu ersetzen.“ Um ihnen den Weg zu ebnen, hat das Land vor sechs Jahren das Kompetenzzentrum Weiterbildung Allgemeinmedizin gegründet.

Das hat neue Projekte zur Nachwuchsgewinnung aufgelegt, über die Gerlach und Hessens Gesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU) im Beisein der jungen Ärztinnen am Mittwoch informierten. Sie reichen über das Studium hinaus in die ersten Berufsjahre, damit der Start sanfter wird. So gibt es regelmäßige Treffen, bei denen sich die Anfänger austauschen und vernetzen können, „Spezialtage“, an denen sie sich auf Notfälle vorbereiten können, oder sie trainieren interkulturelle Kompetenz für den Umgang mit Patienten oder Kollegen aus anderen Kulturkreisen. Ein weiteres Projekt nennt sich „Hessische Landtage“. Sechs unterversorgte Landkreise stellen sich dabei den jungen Leuten vor – vom Landrat über die Gemeindeschwester bis zum niedergelassenen Hausarzt auf Nachfolger-Suche. 179 Seminarteilnehmer nutzten im vergangenen Jahr die Angebote. Ob diese Förderungen wirken, wird wissenschaftlich untersucht.

Sechs Jahre Studium, fünf bis acht Jahre Weiterbildung: Der Weg zum Facharzt für Allgemeinmedizin ist lang. Und dann die Entscheidung, Hausarzt zu werden. „Wir nehmen die Ängste vor dem Sprung ins kalte Wasser“, sagt Gerlach. Und: „Hessen ist auf einem guten Weg.“ 31 Weiterbildungsverbünde gebe es inzwischen landesweit, ergänzt Stefan Bösner, der in Marburg am Institut für Allgemeinmedizin lehrt. Früher habe jeder Kollege sich selbst seine Stationen in Klinik und Praxen für die Weiterbildung zusammensuchen müssen. Jetzt gebe es das „Rundum-Sorglos-Paket“, wie es in Großbritannien oder den Niederlanden schon lange Standard ist.

Für Minister Grüttner ist das gezielte Gewinnen von Nachwuchs nur eine Antwort auf den drohenden Hausarztmangel, speziell auf dem Land. Telemedizin sei ein weiterer Baustein, um eine gute Gesundheitsversorgung auch künftig zu gewährleisten. Und der verstärkte Einsatz von nicht-ärztlichem Personal.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare