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Ein Arzt trägt ein Stethoskop um den Hals.

Ärzte in Hessen

Schneller zum Arzttermin

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Berlin will die Wartezeiten für Patienten weiter verkürzen, doch der Widerstand in der Ärzteschaft in Hessen ist groß.

Gesetzlich Versicherte sollen schneller einen Arzttermin bekommen. Das ist Ziel des Terminservice- und Versorgungsgesetzes, das der Gesundheitsausschuss in Berlin am gestrigen Mittwoch in einer Anhörung behandelte. Geht es nach Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), sollen die Änderungen zum 1. April in Kraft treten. Doch der Gegenwind aus der Ärzteschaft ist heftig. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen sieht offenbar keinen Anlass, sich in irgendeiner Weise vorzubereiten: Sie gehe davon aus, dass das Gesetz „angemessene Fristen“ enthalte und werde sich erst damit beschäftigen, wenn es verabschiedet sei, teilt die KV auf FR-Anfrage mit. „Wie kritisch und falsch wir als KV Hessen die generelle Ausrichtung des Gesetzes sehen, haben wir ja immer wieder betont.“

Auf die KV wird einige Mehrarbeit zukommen. Findet Spahns Entwurf Zustimmung, muss sie ihre Terminservicesstelle rund um die Uhr besetzen. Das geht nicht ohne zusätzliches Personal. Bislang sind es neun Mitarbeiter, die bei der Terminservicestelle unter der Rufnummer 069/400 5000-0 erreichbar sind. Und zwar montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr, freitags nur bis 14 Uhr. Zudem soll ihre Zuständigkeit erweitert werden: Künftig soll die Servicestelle auch Termine für Haus- und Kinderärzte vermitteln.

Es gäbe demnach allen Grund, sich auf die Neuerungen vorzubereiten. Doch von Aktionismus bei der KV keine Spur. Das wundert nicht. Die Vertretung der Kassenärzte ist der Auffassung, dass es keiner gesetzlichen Regeln bedarf. In akuten Fällen werde Patienten umgehend geholfen. Ist es weniger dringlich, seien die Wartezeiten vertretbar. Ärzte seien ein knappes Gut und arbeiteten schon jetzt bis zur Erschöpfung. Spahn sieht das anders. Der Minister will die Sprechstunden pro Arzt auf mindestens 25 pro Woche erhöhen.

Nach KV-Angaben gehen derzeit bei der Terminservicestelle pro Tag rund 231 Anfragen ein. Die Hälfte davon habe den Anspruch auf Vermittlung – sprich: eine vom Hausarzt ausgestellte, dringend eingestufte Überweisung zu einem Facharzt. Für Augenarzt, Frauenarzt oder das Erstgespräch beim Psychotherapeuten ist die nicht notwendig. Am gefragtesten, so die KV, sind Psychotherapeuten, gefolgt von Neurologen, Radiologen, Orthopäden und Psychiatern. Je nach Fachrichtung müssten die Patienten bis zu einer Stunde fahren. „Die durchschnittliche Dauer bis zum Termin pro Vermittlung beträgt 16 Kalendertage.“

Anders als bei den Ärzten stößt das im September vom Kabinett in Berlin beschlossene Gesetz bei den Krankenkassen übrigens auf Zustimmung: Es verbessere den Zugang zur ärztlichen Versorgung, urteilte etwa der Verband der Ersatzkassen. Das leidige Thema Wartezeit werde entschärft.

Die Änderungen im Überblick: Die Terminservicestellen sollen künftig auch Termine bei Haus- und Kinderärzten vermitteln. Auch sollen sie rund um die Uhr erreichbar sein.

Ärzte müssen ihre Sprechstundenzeiten für gesetzlich Versicherte auf 25 Stunden pro Woche erhöhen und Sprechstunden ohne Termin einführen.

Die Telefonnummer für den ärztlichen Bereitschaftsdienst und die Terminvermittlung ist bundesweit einheitlich die 116 117. jur 

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