Rocker in Hessen

Razzia bei Osmanen

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Die Polizei durchsucht in Hessen neun Objekte der "Osmanen" und stellt bei der rockerähnlichen Gruppierung 125.000 Euro Bargeld sicher.

Bei einer bundesweiten Razzia gegen die rockerähnliche Vereinigung Osmanen haben die Ermittler insgesamt 125 000 Euro Bargeld sichergestellt. Darüber hinaus beschlagnahmten die Beamten Firmenunterlagen, Datenträger, geringe Mengen Marihuana sowie Softair-Waffen, wie das Landeskriminalamt (LKA) und die Staatsanwaltschaft Darmstadt mitteilten.

Am Dienstagmorgen ab 6 Uhr hatten mehr als 350 Beamte Firmen und Wohnungen in fünf Bundesländern durchsucht. Die Ermittler suchten Hinweise auf Geldwäsche, Urkundenfälschung, Erpressung und Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Die Durchsuchungsmaßnahmen richteten sich gegen zehn Beschuldigte im Alter zwischen 29 und 56 Jahren. Schwerpunkt der Razzia war Hessen, wo sich neun der insgesamt 17 durchsuchten Objekte befinden. Neben zwei Firmen in Limburg und Biebertal (Kreis Gießen) wurden in Hessen Wohnungen in Münster, Eppertshausen, Babenhausen (alle Kreis Darmstadt-Dieburg), Bad Homburg und Limburg durchsucht. Die Maßnahmen, an denen auch Spezialeinheiten beteiligt waren, verliefen nach Angaben der Behörden „störungsfrei“. Festgenommen wurde zunächst niemand. Durchsucht wurden auch Objekte in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Weitere Angaben machten die Behörden im Hinblick auf die andauernden Ermittlungen nicht.

Erst im November vergangenen Jahres hatten bundesweit rund 1500 Beamte 50 Wohnungen und Büros der Osmanen durchsucht, auch damals lag der Schwerpunkt in Hessen. Die Zentrale der Rocker ist in Dietzenbach. Seinerzeit hatten die Ermittler Schusswaffen, Munition, Drogen und Bargeld in Höhe von 53 000 Euro sichergestellt. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) sprach von einem „sorgfältig geplanten Schlag gegen die organisierte Kriminalität“.

Neben dem Kampf gegen organisierte Kriminalität bereitet der Polizei vor allem das massierte Auftreten der Rocker in der Öffentlichkeit Sorge. Im Oktober vergangenen Jahres errichtete die Polizei rund um Dietzenbach Straßensperren und nahm intensive Fahrzeugkontrollen vor, weil sich rund 140 Mitglieder der Osmanen aus dem gesamten Bundesgebiet versammelten. Die Osmanen verstehen sich als türkisch-nationalistisch und stehen daher in großer Rivalität zu der kurdischen Rockergruppe Bahoz. Im vergangenen Sommer hatte die Polizei mehrfach Mühe, die beiden Gruppierungen voneinander zu trennen. Im Juni wurden 50 Osmanen vor der Frankfurter Eissporthalle gestoppt. In den angrenzenden Gebüschen fand die Polizei zahlreiche Waffen. Bei der Razzia im vergangenen November waren drei Osmanen festgenommen worden. Zwei von ihnen sollen an einem Handgranatenanschlag auf ein Shisha-Café in Saarbrücken beteiligt gewesen sein, der den Bahoz galt.

Die Osmanen sind sich auch untereinander nicht einig und haben sich daher im Januar 2015 geteilt. Die Osmanen Germania habe Chapter in Dietzenbach, Frankfurt, Hanau und Dillenburg, die Osmanen Frankfurt haben Chapter in Frankfurt und Kassel. Die Mitgliederzahlen galten zunächst als stark steigend, stagnieren laut LKA aber seit Sommer 2016 bei einer hohen Fluktuation der Mitglieder.

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