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Volker Bouffier (CDU, r.) legt nach seiner Wiederwahl den Amtseid ab: Im Landtag klappte alles, beim HR nicht.

Hessischer Rundfunk

HR sendet lieber das Rassehuhn statt Ministerpräsident Bouffier

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Der Hessische Rundfunk sendet stundenlang die Eröffnung des Landtags. Bei der Wahl des Ministerpräsidenten jedoch schaltet der HR ab.

Die verpatzte Live-Übertragung der Ministerpräsidenten-Wahl vom Freitag sorgt im Hessischen Landtag für Unverständnis. Bereits beim Empfang der Frankfurter Industrie- und Handelskammer am Dienstagabend musste der Intendant des Hessischen Rundfunks (HR), Manfred Krupp, mehreren Politikern erklären, was schiefgegangen war.

Das HR-Fernsehen hatte die Eröffnungssitzung des Landtags am Freitag fünf Stunden lang live übertragen, aber dann den entscheidenden Moment um wenige Minuten verpasst. Als die Wiederwahl von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) kurz nach 16 Uhr feststand und der Regierungschef seine Dankesrede hielt, war der HR nicht mehr auf Sendung. Stattdessen lief seit 16 Uhr die aktuelle Ausgabe des Magazins „Hallo Hessen“. So präsentierte Moderator Jens Kölker ein Rassehuhn des Geflügelzuchtvereins Dudenhofen, während die Zuschauer vergeblich auf das Ergebnis der Ministerpräsidenten-Wahl warteten. 

Zuschauer warten vergebens 

Eigentlich war vorgesehen, dass während der Sendung live in den Landtag zurückgeschaltet werden sollte, wenn Entscheidendes passieren würde. Tatsächlich sagte Moderator Kölker auch in der laufenden Sendung, er höre gerade, dass die Wahl gelaufen sei. Doch die Verbindung zu der im Hessischen Landtag wartenden Leiterin des HR-Fernsehstudios, Ute Wellstein, wurde nicht geschaltet.

Darüber seien „sämtliche Beteiligte zerknirscht“, berichtete HR-Pressesprecher Christoph Hammerschmidt auf Nachfrage. „Fehler passieren. Wir sind diejenigen, die sich am meisten geärgert haben.“ Nach Angaben des Senders hatten rund 10 000 Zuschauer die Übertragung aus dem Landtag verfolgt, ein überschaubarer Marktanteil von 1,1 Prozent der Fernsehzuschauer. 

Beim HR verpasst man das Wichtigste 

In Wiesbaden hatte sich das Parlament konstituiert. Der Fernsehsender war live dabei, als Alterspräsident Rolf Kahnt (AfD) und der neue Landtagspräsident Boris Rhein (CDU) Ansprachen hielten, ehe in einem langen Prozedere fünf Vizepräsidenten gewählt wurden und der AfD-Kandidat drei Mal durchfiel. All dies zeigte das HR-Fernsehen, aber nicht mehr die Bekanntgabe des Wahlergebnisses für Bouffier.

Auf seiner Homepage und in den sozialen Netzwerken entschuldigte sich der Sender „nachdrücklich für diesen Fehler“. Das HR-Fernsehen habe die Sondersendung beendet, „als noch nicht klar war, wann die Auszählung der Stimmen erfolgen würde, und wollte nach dem Start von ,Hallo Hessen‘ eigentlich rechtzeitig zurück nach Wiesbaden schalten“, hieß es in dem Text. Der Zeitpunkt sei aber „leider verpasst“ worden.

In der nächsten Sitzung des Rundfunkrats werde Krupp von sich aus auf das Missgeschick eingehen, kündigte HR-Pressesprecher Christoph Hammerschmidt auf Nachfrage an. Es gebe „im HR eine sehr transparente Fehlerkultur“, und die wolle man auch nach diesem Vorgang pflegen.

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