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Eine Patientin lässt sich in einer Polyklinik gegen Grippe impfen. Martin Schutt/ZB/dpa

Impfstrategie

Offensive für das Impfen

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Das Land Hessen plant eine Aufklärungskampagne bei Elternabenden, in Arztpraxen und in Betrieben.

Eine „landesweite Impfstrategie“ kündigt Hessens scheidender Gesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU) für das kommende Jahr an. „Wir werden noch breiter informieren“, sagte er am Donnerstag in Wiesbaden. Die Impfraten gegen HPV (Humane Papillomviren) seien zu niedrig, die Zahlen der Impfungen gegen Masern und Röteln rückläufig. Mitarbeiter des Gesundheitswesens sowie ältere Menschen wiesen große Impflücken auf. Das soll die auf mehrere Jahre angelegte Offensive ändern.

Im vorigen Jahr war die Zahl der Masernerkrankungen in Hessen stark gestiegen. Während das Robert-Koch-Institut (RKI) für das Jahr 2016 noch zehn Fälle verzeichnet hatte, stieg die Zahl auf 76. Allein 19 Fälle registrierte das Institut im Lahn-Dill-Kreis. An zweiter Stelle folgte Frankfurt mit 14 Erkrankungen. Für dieses Jahr sehen die Zahlen besser aus: 24 Masernfälle gab es bis Ende November.

Bundesweit am stärksten betroffen war 2017 das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl überdurchschnittlich viele Erkrankungen verzeichnete das RKI auch in Berlin, Sachsen und Hessen. Masern gehören zu den ansteckendsten Erkrankungen überhaupt. Das Infektionsschutzgesetz schreibt eine Meldepflicht vor. Gleiches gilt für Röteln. Dort gab es laut Statistik 2017 bundesweit 19 Fälle. Die Diagnosestellung gilt allerdings als schwierig.

„Masern oder Röteln sind keine harmlosen Kinderkrankheiten“, sagt Minister Grüttner und warnt vor den schweren Folgeerkrankungen. Röteln können in der Schwangerschaft das Ungeborene schädigen. Daher sei es eines der Ziele der Weltgesundheitsorganisation (WHO), diese Krankheiten auszurotten. Das gelinge nur, wenn möglichst viele Menschen geimpft sind. Das gelte auch für andere Infektionen. Die Grippeimpfung zum Beispiel müsse für Ältere und Mitarbeiter im Gesundheitswesen selbstverständlich werden.

Die angekündigte Impfstrategie setzt auf Aufklärung. Auf Elternabenden, in Arztpraxen, durch Betriebsärzte, online und auf anderen Wegen. Wie Grüttner betont, handelt es sich nicht um einen Alleingang der Landesregierung: „Wir machen uns gemeinsam mit zahlreichen wichtigen Akteuren auf den Weg, um die Impfziele, die wir uns gesteckt haben, zu erreichen.“

Dazu gehört auch die Immunisierung gegen Humane Papillomviren (HPV). Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt sie seit 2007 für Mädchen und seit Juni 2018 auch für Jungen im Alter von neun bis 14 Jahren. Die Impfung schützt wirksam gegen den Gebärmutterhalskrebs sowie gegen einige Krebsarten bei Jungs. HPV wird über direkten Kontakt übertragen, vor allem bei Geschlechtsverkehr. Die Viren dringen über Mikroverletzungen der Haut oder Schleimhaut ein und infizieren die Epithelzellen der Basalzellschicht.

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