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So idyllisch wie an der Bergstraße ist es nicht in Weiterstadt, dafür gibt es viele Arbeitsplätze und Einkaufsmöglichkeiten gleich am Ort.

Natur und doch eine gute Infrastruktur

Weiterstadt, Bensheim und Erbach buhlen um die FR-FamilieDie Bürgermeister der Städte Weiterstadt, Bensheim und Erbach können alle gute Gründe nennen, warum Familie Mustermann ausgerechnet bei ihnen ansässig werden sollte. Die FR untersucht, was die vier dafür hinblättern müssten und vor allem, was die Mieten kosten.

Von CHRISTINE VATERNAHM

Südhessen · 20. Juli · Einen Mietspiegel gibt es weder in Weiterstadt, noch in Erbach oder Bensheim. Erbachs Einwohnerzahl liege unterhalb der Grenze, ab der einer erstellt werden müsse, sagt Hauptamtsleiter Heinrich Glisic. "Außer der Presse hat noch nie jemand nach einem gefragt", sagt Weiterstadts Bürgermeister Peter Rohrbach (parteilos). "Der Aufwand, einen zu erstellen, wäre viel zu groß", ergänzt Verwaltungsangestellter Peter Herbers aus dem Liegenschaftsamt der Stadt. Wer sich einen Überblick verschaffen wolle, könne sich an den Mieten orientieren, die in den Stadtteilen Darmstadts verlangt werden, rät er. "Die Preise, die in Kranichstein oder Arheilgen gezahlt werden müssen, gelten in etwa auch für Weiterstadt."

Mit 25 000 Einwohnern sei Weiterstadt eine "relativ kleine Kommune", sagt Rohrbach. Daher sei ein Mietspiegel nicht unbedingt vonnöten. An Miete könne im Prinzip jeder Vermieter nehmen, so viel er wolle. "Aber der Markt setzt Grenzen und wenn jemand zehn Euro für den Quadratmeter verlangt, wird er die Wohnung eben nicht los." Daher bewege sich der Preis zwischen sechs und acht Euro pro Quadratmeter.

Warum Familie Mustermann nach Weiterstadt ziehen sollte, ist für Rohrbach klar. "Weil man rucki-zucki am Arbeitsplatz ist und wir eine liebenswerte Kommune sind", sagt er. Von Vorteil seien die Nähe zu Darmstadt, die gut entwickelte Infrastruktur, die flexibel nutzbare Kinderbetreuung und die verkehrsgünstige Lage. "Außerdem gibt es hier 7000 Arbeitsplätze", sagt Rohrbach. Daher kämen viele Pendler in die Stadt.

Eine Wohnung würden die Mustermanns ohne Probleme finden, versichert der Rathauschef. Lediglich für Sozialwohnungen existiere eine Warteliste. Wollten sie ruhiger und ein wenig günstiger wohnen, müssten sie nach Schnepenhausen oder Braunshardt ziehen. Gräfenhausen wäre nur dann etwas, wenn sie gegen Fluglärm unempfindlich sind. Viel Platz, um Neubaugebiete für Wohnungen zu erschließen, hat Weiterstadt nicht mehr. "Die Startbahn 18-West schränkt uns ein", sagt Rohrbach. Doch für die kommenden 20 bis 30 Jahre sei dafür gesorgt, dass Neubürger nach Weiterstadt kommen und dort auch Wohnraum finden könnten.

Doch Mustermanns sind noch nicht entschieden. Viel Natur und gute Luft hätten ja auch etwas für sich. Die könnten sie in Erbach tanken. Die Stadt mit ihren 14 000 Einwohnern gehöre zu den zuzugsträchtigsten Kommunen in Hessen, sagt Bürgermeister Harald Buschmann (parteilos), der geradezu ins Schwärmen gerät, wenn er die Vorzüge Erbachs schildern soll.

Kleinstädtisches Leben würden die vierköpfige FR-Familie und der Hund dort vorfinden, gleichzeitig die Nähe zu Wald und Natur. Ärzte, Kreiskrankenhaus, Schulen, Freibad, Museen, ein Sportzentrum, das sich sehen lassen könne und als Bürgerpark auch ohne Vereinszugehörigkeit nutzbar sei. Dazu eine Bücherei, die vom Büchereiverband gelobt werde, ein funktionierendes Citybusnetz und "ein tolles Kiga-Angebot. Bei uns hat jedes Kind einen Platz", sagt Buschmann.

Wollten die Mustermanns ins Neubaugebiet in Erbachs Osten ziehen, auf den "Sonnenhügel", hätten sie einen freien Blick über Feld und Wald und müssten "normale Preise" bezahlen. Die bewegen sich nach Angaben des Finanzamts in Michelstadt um 610 Euro für eine 90-Quadratmeter-Wohnung. Im Stadtteil Bullau könne man eine gleichwertige Wohnung schon für 400 Euro finden. "In der Stadt braucht man nicht unbedingt ein Auto, in den Vororten schon", sagt der Rathauschef. Ausreichend Platz, um ein eigenes Häuschen zu bauen, wäre auch vorhanden. "Wir haben genügend Bauflächen, vor allem für Familien."

Auch Bensheims Bürgermeister Thorsten Herrmann (CDU) ist überzeugt, dass Mustermanns sich in seiner Stadt wohlfühlen würden. "In Bensheim ist sehr früh Frühling und es leben wunderbar nette Menschen hier", sagt er. Die Stadt profitiere von der Nähe zu Mannheim und Frankfurt, der Flughafen ist nicht weit, ein dichtes Verkehrsnetz um die Stadt sorgt für rasches Vorwärtskommen. "Wir sind eine der wenigen Kommunen mit einem Nettozuwachs: Im vergangenen Jahr haben wir 346 Einwohner dazubekommen, Bensheim wächst permanent."

Rund 39 000 Menschen haben sich entschieden, zu diesem Wachstum beizutragen, wobei dieses lediglich in der Qualität liegen könne, nicht mehr in der Quantität, sagt Herrmann. Auf einigen Brachflächen könnten noch Wohnungen gebaut werden und auch sie würden nachgefragt, "obwohl die Lage nicht ganz optimal ist". In einem der neun Ortsteile zu wohnen, würde die Familie weniger Miete kosten, als in der Innenstadt. Dort müssten sie mit Quadratmeterpreisen zwischen sieben und acht Euro rechnen.

Es sei denn, Andrea und Paul Mustermann würden Mitglieder bei der Genossenschaft Wohnbau Bergstraße. Dort könnten sie in einem modernisierten Haus ein innenstadtnahes Domizil finden, dessen Ausstattung sie mitbestimmen könnten. An Miete müssten sie nach Angaben von Wohnbau-Vorsitzendem Gernot Jakobi 5,50 Euro pro Quadratmeter zahlen. Einen Mietvertrag würden sie nicht erhalten, "sondern lebenslanges Nutzungsrecht", sagt Jakobi.

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