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Waldfriedhof Hofheim

Waldfriedhof Hofheim

Mehr Licht zwischen den Gräbern

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Studentinnen der Hochschule Geisenheim haben die Umgestaltung des Waldfriedhofes in Hofheim geplant. 800.000 Euro hat die Stadt bisher dafür ausgegeben.

Tatjana Busch und Franziska Fertig arbeiten längst als renommierte Landschaftsarchitektinnen in Kronberg und Berlin. Doch die Pläne, die sie vor acht Jahren, damals noch als Studentinnen der Hochschule Geisenheim gezeichnet haben, werden erst jetzt auf dem Hofheimer Waldfriedhof nach und nach Realität. Die beiden jungen Frauen hatten den von der Stadt ausgeschriebenen Wettbewerb zur Umgestaltung des Friedhofs an der Vincenzstraße gewonnen. Gemeinsam mit ihrem damaligen Dozenten Andreas Paul kamen sie jetzt in die Kreisstadt, um sich anzuschauen, wie ihre Ideen umgesetzt wurden.

„Es ist nicht einfach, einen alten Friedhof umzugestalten, man muss behutsam vorgehen, und es braucht vor allem Zeit“, sagt Hofheims Erster Stadtrat Wolfgang Exner (CDU). Der Hofheimer Waldfriedhof sei in der Region einzigartig, vor allem wegen des alten Baumbestands mit Raritäten wie Mammutbäumen, die man üblicherweise nur in Parks findet. Die ältesten Gräber stammen aus den 1920er Jahren. Prominente Hofheimer, darunter die Malerin Ottilie W. Roederstein, liegen hier begraben.

Der besondere Charakter des 33 000 Quadratmeter großen Friedhofs am Rande der Hofheimer Kernstadt sollte auch nach der Umgestaltung erhalten bleiben. Dunkle Ecken im wuchernden Gebüsch allerdings sollten die Planer auflichten, außerdem neue Wegebeziehungen zwischen den einzelnen Friedhofsabschnitten schaffen sowie dem Wandel in der Bestattungskultur Rechnung tragen. „Und wir wollten Ruhe- und Aufenthaltsräume kreieren, die Angehörige und Besucher zum Verweilen, zur Besinnung und zur Trauerbewältigung einladen“, sagt Exner.

2016 mit Arbeiten begonnen

All das ist in den ersten drei Bauabschnitten bereits zu einem Gutteil gelungen. 2016 wurde mit den Arbeiten nach den Plänen der ehemaligen Geisenheimer Studentinnen begonnen, bisher hat die Kommunde dafür rund 800 000 Euro ausgegeben. Weil Gärtner den Baum- und Buschbestand reduziert haben, ist es zwischen den Grabreihen lichter geworden. 200 Wasserleitungen wurden erneuert, 300 Meter Entwässerungsrohre verlegt und 2000 Quadratmeter Wege und Platzflächen neu gepflastert.

Erst vor Kurzem ist der breite Mittelweg fertiggeworden, der bis zum oberen Ende des Friedhofs führt. Als Mittelachse und „Lebensweg“ verbindet er die Gräberfelder. Entlang des Weges gibt es neue steinerne Wasserbecken, eine Treppe und Sitzgelegenheiten. Weil mittlerweile 70 Prozent aller Bestattungen Urnenbeisetzungen sind, stehen auf dem Waldfriedhof nicht mehr nur Urnenwände, man kann auch freie Urnengräber kaufen, die Verstorbenen in Gemeinschaftsanlagen bestatten, die ein Gärtner betreut oder unter einem Baum beisetzen lassen. Die sukzessive Anpassung der Grabformen an die Bedürfnisse der Bürger habe eine Kostenexplosion der Friedhofsgebühren in Hofheim verhindert, erzählt Exner. „Darauf bin ich besonders stolz.“

Abgeschlossen ist die Umgestaltung des Waldfriedhofs noch nicht. Ein Grabfeld für totgeborene und früh verstorbene Kinder soll noch angelegt werden. Und neue Wege werden nicht mehr schnurgerade, sondern geschwungen verlaufen.

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