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Kultur

Mehr Geld für freie Theater

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Schwarz-Grün will die Förderung der freien Theater in Hessen vereinfachen. Bisher fließen 1,3 Millionen Euro im Jahr.

Die freien Theater in Hessen experimentieren mit Klassikern und hochaktuellen Stücken, bringen die Familie Hesselbach auf die Bühne oder Rosa Luxemburg, arbeiten mit Jugendlichen und bieten Randgruppen der Gesellschaft eine Bühne. Finanziell ist das für viele Spielstätten und Ensembles ein Drahtseilakt. 

Nun hat sich Hessen vorgenommen, die freien Theater stärker zu fördern. „Die Mittel für die freie Theaterszene, und dort insbesondere für Festivals, wollen wir erhöhen“, heißt es im neuen schwarz-grünen Koalitionsvertrag. 

Nach Angaben des Kunstministeriums standen für 2018 insgesamt 1,3 Millionen Euro zur Verfügung. Die gleiche Summe ist für 2019 vorgesehen. 

Künftig planen CDU und Grüne nicht nur eine noch nicht bezifferte Aufstockung, sondern auch eine Vereinfachung. Dabei soll der Verband der freien Theater eine wichtige Rolle bei der Verteilung des Geldes spielen. Auf ähnliche Weise hat die Landesregierung in der vergangenen Wahlperiode die Unterstützung der Kulturzentren umgestellt, deren Landesförderung verdoppelt wurde.

Der Theaterverband „laProf“, dem 85 Spielstätten, Gruppen und Solisten angehören, spricht von einem „Grund zur Freude für die freien Darstellenden Künste in Hessen“. Der Verband könnte künftig in die Verteilung der Mittel eingebunden werden, ähnlich wie das Land dies seit 2016 mit der Landesarbeitsgemeinschaft der Kulturinitiativen und soziokulturellen Zentren (LAKS) geregelt hat. Es solle aber „sichergestellt werden, dass Kulturinstitutionen und -schaffende auch ohne Verbandsmitgliedschaft bei der Förderung angemessen berücksichtigt werden“, fügen die Koalitionsparteien in ihrer Vereinbarung hinzu. 

Mit der neuen Förderpolitik soll es den Theatermachern erleichtert werden, sich stärker auf ihre inhaltliche Arbeit zu konzentrieren und weniger Zeit mit der Antragsbürokratie zu verbringen. Eine aktuelle Studie der Hessen-Agentur im Auftrag des Ministeriums zeigt, dass dort erheblicher Nachholbedarf besteht. Ein Großteil der befragten Kulturschaffenden blickte bei den Möglichkeiten der Landesförderung nicht durch. Nur 18 Prozent gaben an, dass die Förderpolitik des Landes „nach meinen Erfahrungen transparent und gut nachvollziehbar“ sei. Immerhin 25 Prozent wussten, wo und wofür sie Förderung beantragen können. Teilgenommen hatten 1747 Kulturschaffende. 

CDU und Grüne wollen auf die Probleme reagieren. „Wir werden prüfen, wie Förderrichtlinien vereinfacht werden können und damit bürokratische Hürden abgebaut werden können“, heißt es im Koalitionsvertrag. Zuständig für die Umsetzung wird die neue Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) sein, die den Schritten ihres Vorgängers Boris Rhein (CDU) weitere folgen lassen will. 

Die Grünen-Kulturpolitikerin Martina Feldmayer unterstützt das. „Die Vereinfachungen von Verfahren und mehr Freiheit bei der Kulturförderung sind auch uns wichtig“, kommentierte sie die Ergebnisse der Umfrage.

Der Verband laProf zeigt sich erfreut über die neuen Aussichten. „Damit könnte sich in Hessen wie in den letzten Monaten in Nordrhein-Westfalen, Saarland und Hamburg die Situation der freien Darstellenden Künste verbessern“, stellte er fest.

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