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Eine Grundschülerin arbeitet an einem Laptop.

Schulen in Hessen

Kultusminister: Vernünftige Lösung im Streit um Digitalpakt möglich

Die Schulen in Hessen und anderenorts müssen digitaler werden - darüber sind sich alle einig. Über die genaue Finanzierung liegen Bund und Länder im Clinch. Vor Ort wird das Geld für mehr Digitales bereits herbeigesehnt.

Im Finanzstreit zwischen Bund und Ländern um den geplanten Digitalpakt für Schulen wird es nach Ansicht von Hessens Bildungsminister Alexander Lorz (CDU) voraussichtlich eine vernünftige Lösung geben. Dies sei auch in vielen bisherigen Vermittlungsverfahren zwischen Bundestag und Bundesrat möglich gewesen. „Ich bin zuversichtlich, dass sich das auch in diesem Fall ergeben wird“, sagte Lorz im Interview der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden. Wie ein solcher Kompromiss aussehen könnte, lasse sich derzeit noch nicht sagen. „Aber das ist ja das Wesen eines solchen Vermittlungsverfahrens.“

Im Dezember hatten die Länder die vom Bund angestrebte Grundgesetzänderung für Finanzhilfen zur Schul-Digitalisierung vorerst gestoppt und den Vermittlungsausschuss angerufen. Bundesregierung und Bundestag hatten die Grundgesetzänderung als Basis des geplanten Digitalpakts angesehen. Mit dieser Bund-Länder-Vereinbarung soll geregelt werden, wie fünf Milliarden Euro vom Bund unter anderem in Tablets, Laptops und Wlan für Schulen fließen.

Der Förderschullehrer Lothar Spies von der Wiesbadener Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule berät das staatlichen Schulamt beim Thema Medienbildung. Er fordert: „Wir benötigen einen Digitalpakt, der langfristig angelegt ist und daher auch nachhaltig wirken kann.“ Die Bodelschwingh-Förderschule mit dem Schwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung nutze viele technische Hilfsmittel. Das habe dazu geführt, dass die Schule recht gut mit digitaler Hardware ausgerüstet sei. „Wir haben Computerräume und in allen Klassen auch einen Computer“, erzählte Spies.

Aber: Die Geräte müssten gewartet werden, es seien Updates nötig und andere Servicearbeiten. „Das müssen wir mit eigenen Mitteln machen. Es engagieren sich zwar viele Leute in unserer Schule, wir geraten jedoch an unsere Grenzen“, so die Erfahrungen des Lehrers. Spies wünscht sich die Expertise eines professionellen Mitarbeiters. „Eine Servicehotline der Hersteller ist für uns nicht ausreichend.“

In jeder Klasse der Bodelschwingh-Schule sind drei bis vier Tablets im Einsatz. „Sie können Ipads jedoch nur dann sinnvoll einsetzen, wenn sie flächendeckend über ein gut funktionierendes W-LAN verfügen“, gab Spies zu Bedenken. Das sei jedoch nicht in allen Klassenräumen der Fall. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Ausbildung der Lehrer. Nicht alle Pädagogen seien medienaffin. Für Spies gehört daher die kontinuierliche Weiterbildung des Kollegiums zu einem unabdingbaren Bestandteil eines erfolgreichen Digitalpakts.

Der Leiter des Wiesbadener Medienzentrums, Michael Elster, hofft darauf, dass der Digitalpakt möglichst zügig umgesetzt wird. „Es gibt zwar noch keine exakten Verteilungsschlüssel, aber wir könnten unseren Etat damit etwa verdoppeln“, sagte er und fügte an: „Wir können sofort loslegen, unsere Konzepte liegen in der Schublade.“

Elster will mit dem zusätzlichen Geld unter anderem dafür sorgen, dass der IT-Support für die Schulen besser wird. „Lehrer brauchen die Gewissheit, dass die Rechner funktionieren“, stellte er klar.

Schon heute kümmert sich das Medienzentrum um zahlreiche Schulen, spielt Software auf und wartet die Geräte. Die Möglichkeiten sind jedoch begrenzt. Das liegt auch daran, dass viele Lehrer selbst nicht ausreichend ausgebildet sind, um Soft- und Hardware optimal zu nutzen. Mit dem Digitalpakt könnten die Lehrkräfte punktgenau fortgebildet werden.

Für Elster bietet der Pakt einen weiteren Vorteil: „Dann hätten wir eine nachhaltige und planbare Finanzierung von Ausstattung und Support, das ist wichtig.“ (dpa)

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