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An ihren Fahnen sollt ihr sie erkennen: In diesem Fall brannten Fans des FSV Mainz 05 im Waldstadion Pyrotechnik ab.

Pyrotechnik in Fußballstadien

Koalition streitet über Bengalos

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Die Grünen in Hessen widersprechen dem Vorstoß von Innenminister Peter Beuth (CDU), das Abbrennen von Pyrotechnik in Stadien härter zu bestrafen.

Einen Tag vor dem Fußballspiel von Eintracht Frankfurt gegen Olympique Marseille in der Europa League hat der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) seinen Aufruf zu einer härteren Bestrafung von Pyrotechnik in Stadien bekräftigt. „Nach wie vor gefährden diese Chaoten durch das Abbrennen von Pyrotechnik ihre Mitmenschen. Dieses Verhalten ist nicht tolerierbar“, sagte Beuth am Mittwoch in Wiesbaden.

Notwendig sei „eine klare und unmissverständliche Sanktionierung in Form einer Gefängnisstrafe“. Ihm schwebt eine Haftstrafe von einem Jahr vor.

Beuth zielte damit auf die Innenministerkonferenz ab, die am Mittwoch in Magdeburg begann. Dort werden sich die Innenminister von Bund und Ländern unter dem Vorsitz des sachsen-anhaltinischen Ministers Holger Stahlknecht (CDU) mit dem Vorstoß aus Hessen befassen.

Dabei kann sich Minister Beuth allerdings nicht auf die Unterstützung seines Koalitionspartners stützen. Die Grünen lehnen eine Verschärfung der Strafen für das Abbrennen von Pyrotechnik in Stadien ab.

Der Grünen-Abgeordnete Jürgen Frömmrich sagte der Frankfurter Rundschau, eine angemessene Bestrafung sei „bereits mit den bestehenden Gesetzen möglich“. Wer andere Menschen gefährde oder gar verletze, müsse dafür bestraft werden, betonte Frömmrich.

Die Schwierigkeiten lägen aber nicht in der Gesetzeslage, sondern in deren Durchsetzung, „weil Pyrotechnik leicht in die Stadien einzuschmuggeln ist und konkrete Taten in der unübersichtlichen Situation auf den Tribünen schwer nachzuweisen sind“. Hier sei die Mitwirkung der Vereine gefragt, hob der innen- und sportpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion hervor. „Der öffentlichkeitswirksame Ruf nach pauschalen schärferen Strafen ändert daran aber nichts“, schob er in Beuths Richtung nach.

Derzeit verhandeln CDU und Grüne in Hessen darüber, ob sie erneut eine Koalition miteinander bilden. Die Konflikte zwischen den Regierungsparteien werden dabei in der Regel nicht öffentlich ausgetragen. Umso bemerkenswerter ist der aktuelle Zoff über die Bengalos. Die organisierten Eintracht-Fans hatten sich über Beuths Linie empört und das auf Spruchbändern im Stadion deutlich gemacht. Der Vorsitzende der in Frankfurt ansässigen Koordinationsstelle Fanprojekte, Michael Gabriel, hatte im FR-Interview gewarnt: „Die Worte von Minister Beuth werden in der Ultraszene als Kampfansage aufgefasst, und das wird die schon bestehenden Konflikte weiter verschärfen.“

Beuth legt jedoch nach. „Nur weil rücksichtslose Chaoten das Abfackeln von Pyros zu einem Kulturgut erklären, darf doch der Staat nicht ein Auge zudrücken und sie gewähren lassen“, sagte er. „Wir ziehen uns auch nicht aus kriminellen Brennpunktgegenden zurück, weil es bei einzelnen Verbrechern dort zum Alltag gehört, Straftaten zu begehen.“

Auch Frömmrich hält das Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion für gefährlich – „besonders dann, wenn Bengalos mit einer hohen Brenntemperatur in eng stehenden Menschengruppen auf den Stehplätzen gezündet werden“.

Der Grüne setzt aber nicht auf Konfrontation. „Leider ist es mit Verboten allein bisher nicht gelungen, das Risiko zu verringern“, sagte er. „Es wäre ein Fehler, die Fankultur insgesamt auf Gewalt und Randale zu reduzieren.“ Gerade in Hessen gebe es eine sehr vielfältige Fanszene, die mit ihren Ideen und Choreografien viel zur Attraktivität des Sports beitrage.

Frömmrich schlägt vor, Pyrotechnik in „besonderen Zonen in den Stadien“ zu gestatten. Die Erlaubnis könne auf sogenannte kalte Pyrotechnik beschränkt werden, die bei niedrigeren Temperaturen abbrennt. „Über die Erfahrungen, die beispielsweise Dänemark oder Österreich damit gesammelt haben, muss ein offener Dialog geführt werden“, forderte der Grünen-Politiker.

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