+
Die Uniklinik in Frankfurt.

Uniklinik Frankfurt

Klinikdirektor weist Kritik zurück

  • schließen

Jürgen Graf, der Ärztliche Direktor der Frankfurter Universitätsklinik, verteidigt seine Kollegen im Hessischen Landtag gegen die Vorwürfe wegen Organtransplantationen.

Die Frankfurter Universitätsklinik bestreitet den Vorwurf, sie habe bei der Auswahl von Patienten für Organtransplantationen gegen Richtlinien verstoßen. Der Ärztliche Direktor des Klinikums, Jürgen Graf, sagte am Donnerstag im Sozialausschuss des Hessischen Landtags, er könne „nach den mir vorliegenden Informationen ausschließen“, dass im Frankfurter Leberzentrum gegen die Richtlinien verstoßen worden sei. Es gehe lediglich um Meinungsverschiedenheiten bei der „Auslegung von Richtlinien“. 

Die Prüfungskommission der Bundesärztekammer hatte die Auswahl von Patienten für 22 Lebertransplantationen beanstandet, die an der Frankfurter Uniklinik in den Jahren 2012 bis 2015 vorgenommen worden waren. Die Kontrolleure schreiben in ihrem Bericht von „systematischen Unregelmäßigkeiten“ am Klinikum. Allerdings heißt es in dem Bericht auch, es habe „nicht abschließend“ geklärt werden können, „inwieweit hierbei in einzelnen Fällen auch ein falsches Verständnis der Richtlinien“ eine Rolle gespielt habe. 

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft prüft, ob ein Anfangsverdacht vorliegt. Es geht um die Frage, welche Patienten mit Leberkrebs Vorrang für eine Lebertransplantation erhalten. Nach Angaben von Direktor Graf sieht die Richtlinie vor, dass dafür „drei Herde“ mit Tumoren von höchstens drei Zentimetern Größe vorliegen müssten. 

Die Größe der Tumoren

Im Jahr 2016 sei als zusätzliches Kriterium aufgenommen worden, dass die Tumoren mindestens einen Zentimeter groß sein müssten. Dies habe aber von 2012 bis 2015 noch nicht gegolten, betonte Graf. Damit könne es auch kein Kriterium für einen möglichen Verstoß in diesem Zeitraum sein. Dies sei „ein Diskussionsgegenstand“ im Gespräch mit der Prüfungskommission.
Deren Bericht mit den Vorwürfen gegen die Frankfurter Klinik war in der vergangenen Woche bekanntgeworden. Die SPD-Abgeordnete Daniela Sommer hatte das Thema daraufhin für die Sitzung des Sozialausschusses angemeldet. Daran nahmen Vertreter des Wissenschaftsministeriums sowie der Klinik teil, darunter der seit Mitte 2016 verantwortliche Ärztliche Direktor Graf. Die Fragen wurden allesamt von ihm beantwortet und nicht von dem anwesenden Regierungsvertreter, Sozial-Staatssekretär Wolfgang Dippel (CDU). 

Sozialdemokratin Sommer fragte Graf, ob er ausschließen könne, dass Privatpatienten oder andere Patienten „warum auch immer“ bevorzugt worden seien. Graf antwortete: „Nach meinem Kenntnisstand haben die Kollegen des Lebertransplantationszentrums die gültigen Richtlinien immer voll umfänglich erfüllt.“ Neben Sommer hakten auch andere Abgeordnete nach. Hessen habe ein Interesse daran, „dass die Bevölkerung und die betroffenen Patienten und potenziellen Spender größtes Vertrauen in die Transplantationszentren haben“, betonte der CDU-Gesundheitspolitiker Ralf-Norbert Bartelt. Wenn Fehler passierten, etwa bei der Dokumentation, könne dies „das Vertrauen beeinträchtigen“. 

Der Grünen-Abgeordnete Marcus Bocklet sagte, notwendig sei ein „transparentes und gerechtes Verfahren“. Ihm leuchte aber Grafs Erklärung ein, dass Verstöße gegen eine Richtlinie nicht beanstandet werden könnten, die erst nach den Transplantationen in dieser Form in Kraft getreten sei. 

Bocklet fragte den Arzt, wie sich die Lage nach der Präzisierung der Richtlinie darstelle: „Gibt es noch Spielräume bei der Frage, wer wann drankommt?“ Graf wollte das nicht ausschließen. Es handele sich um ein Thema, bei dem Prognosen über Krankheiten und über die Wahrscheinlichkeit von Behandlungserfolgen eine Rolle spielten. Daher werde man „immer eine Unsicherheit haben“. 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare