Main-Taunus / Hochtaunus

Kampfkandidatur versetzt CDU in Unruhe

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Nächste Woche wird der Bundestagsnachfolger für Heinz Riesenhuber nominiert. Ein Quereinsteiger aus Schäubles Ministerium funkt dazwischen.

Zwanzig kleine Seiten, in Computerschrift bedruckt. „Was mich bewegt“ steht auf dem blassblauen Umschlag der Broschüre, die augenscheinlich selbst hergestellt ist. Jeder der 138 Delegierten des CDU-Kreisparteitages hat das politische Grundsatzpapier von Martin Heipertz am Dienstagabend in der Liederbachhalle in die Hand gedrückt bekommen. Verteilt wurde es vom Team rund um den Quereinsteiger aus Berlin, der gegen den designierten Bundestagskandidaten Norbert Altenkamp in einer Kampfkandidatur um die Nachfolge von Heinz Riesenhuber im Wahlkreis 181 antreten möchte. Die Verteilaktion sei mit Billigung des CDU-Kreisvorstandes geschehen, sagte Vorsitzender Axel Wintermeyer der FR. Man habe sich nicht in der Lage gesehen, Heipertz’ Manifest an die Delegierten zu versenden, deshalb sei das Verteilen am Rande des Parteitages genehmigt worden.

Gelesen hat Wintermeyer das Papier nach eigenen Angaben nicht. Vermutlich hätte ihm manche der Ausführungen, die Martin Heipertz darin macht, auch alles andere als gefallen. Beispielsweise empfiehlt der 37-jährige gebürtige Kelkheimer, der seit zehn Jahren nicht mehr im Wahlkreis lebt, als Ökonom in der europäischen Zentralbank arbeitete und aktuell das Referat „Grundsatzfragen der europäischen Politik“ in Wolfgang Schäubles Finanzministerium leitet, die CDU möge aus ihrer Wagenburg herauskommen, mehr innerparteiliche Demokratie wagen und Quereinsteigern eine Chance geben. Heipertz kritisiert Merkels Flüchtlingspolitik, die „ungeschützten Grenzen“ und die „Vermengung von Massenzustrom und Zuwanderung“. Er empfiehlt den Aufbau einer europäischen Fremdenlegion und sieht darin auch ein Arbeitsangebot an Zuwanderer. Dass er sich damit AfD-Positionen annähert, nimmt er in Kauf. Man solle der Alternative für Deutschland nicht das Feld überlassen, gibt er als Devise aus.

Martin Heipertz hat sich für die CDU Main-Taunus und die Stadtverbände von Königstein, Steinbach und Kronberg, die ebenfalls zum Wahlkreis 181 zählen, im Spätsommer unerwartet in den Wahlkampf eingeschaltet. Zu einem Zeitpunkt als der Bad Sodener Bürgermeister Norbert Altenkamp als „einer von uns“ von der Parteiführung bereits als Kandidat für die Riesenhuber-Nachfolge ausgedeutet war. Seither versucht Heipertz unter dem Titel „mtk2017“ übers Internet und in den letzten Wochen auch persönlich vor Ort, für seine Kandidatur zu werben. Den Königsteiner CDU-Stadtverband hat er offenbar schon überzeugt. Der Vorstand empfiehlt seinen Delegierten, beim Parteitag für Heipertz zu stimmen.

Wie viele Stimmen er aus dem Main-Taunus-Kreis erhalten wird, weiß Heipertz selbst nicht. Immerhin werde ihn ein Delegierter aus dem Kreis beim Parteitag in der kommenden Woche zur Wahl vorschlagen, sagte er der FR. Vorgestellt habe er sich in etwa der Hälfte der Stadt- und Gemeindeverbände. Mehr Zeit blieb dem Wahl-Berliner auch nicht. Denn die CDU Main-Taunus verschob ihren zunächst für Januar 2017 angekündigten Parteitag auf den 9. November. Die Landespartei habe dies so vorgegeben, hieß es. Heipertz vermutete, man wolle ihm möglichst wenig Zeit für den Wahlkampf geben und sprach von „wenig Sportsgeist“.

Er sehe dem Parteitag am Mittwoch mit Gelassenheit entgegen, sagte Axel Wintermeyer der FR. „Eine Kampfkandidatur ist nichts Ungewöhnliches. Die Kandidaten werden sich vorstellen, dann müssen die Delegierten entscheiden, ob sie einen Politiker wählen, der geerdet in der Region ist, auf die Menschen zugeht und exzellente Politik macht oder eine Persönlichkeit, die in der Mark Brandenburg wohnt, Mitglied in der CDU Frankfurt ist und in Berlin arbeitet.“

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