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Ein Mann sitzt in einer Wahlkabine.

Wiesbaden

Junge Frauen wählen grün

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Das Amt für Statistik legt seine Analyse zu den Ergebnissen der Landtagswahl vor. Demnach sind CDU-Wähler überwiegend alte Menschen und AFD-Wähler männlich.

Jung, mobil und urban – so sieht sie aus, die durchschnittliche Wiesbadener Wählerin, die den eigentlichen Gewinnern dieser Landtagswahl 2018, den Bündnisgrünen, zum Erfolg verhalf. Wahrscheinlich wohnt sie in Wiesbaden-Mitte, im Rheingauviertel oder im Westend, wohl eher nicht in den Außenbezirken und schon gar nicht in Frauenstein, Naurod-Nord und Breckenheim, denn das sind reine CDU-Hochburgen. Wahrscheinlich zieht sie bald wieder um, und wenn sie sich ansiedelt, wohnt sie gerne in einem Reihenhaus.

Wie das Amt für Statistik in seiner Wahlanalyse feststellt, sind in der Landeshauptstadt ungewöhnlich viele junge Frauen zur Wahl gegangen. Das ist ein Trend, der sich seit ein paar Jahren feststellen lässt: Mehr junge Frauen als junge Männer machen von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Bei den 18- bis 40-Jährigen liegt der Unterschied bei einem bis zu vier Prozentpunkten. Unter den 21- bis 25-Jährigen ist er mit acht Prozentpunkten besonders stark. Insgesamt machen zwar mehr Männer von ihrem Wahlrecht Gebrauch als Frauen; das jedoch liegt an den älteren Jahrgängen, vor allen Dingen an den über 70-Jährigen, bei denen traditionell der Mann sich über Politik informiert und nicht die Frau.

Das Kreuzchen bei den Grünen machten mehr junge Frauen als junge Männer. Von den 18- bis 25-Jährigen stimmten 27 Prozent der Männer und 32 Prozent der Frauen für die Partei von Tarek Al-Wazir. Bei den 25- bis 35-Jährigen liegt der Unterschied sogar bei acht Prozentpunkten, bei den bis 45-Jährigen bei vier. Auch die etwas reiferen Frauen (45 bis 59 Jahre) votierten zu 27 Prozent für die Grünen, während die gleichaltrigen Männer dies nur zu 22,9 Prozent machten.

Ganz anders sieht dies bei der AfD aus. Der typische AfD-Wähler ist männlich – doppelt so viele Männer wie Frauen stimmen für die Rechtspopulisten – und eher alt als jung. Nur vier Prozent der AfD-Wähler sind Erstwähler, 36 Prozent hingegen 45 bis 59 Jahre alt. Die meisten leben in Klarenthal und im Schelmengraben, aber auch quer durch alle Viertel.

Rund 7000 Menschen, die bei der Landtagswahl 2013 CDU wählten, wechselten 2018 zur AfD. Das Besondere daran: „Sie hat seitdem ihre Anhängerschaft fast komplett ausgetauscht“, erklärt der stellvertretende Leiter des Statistikamts, Ersin Özsahin. Wegen der veränderten Inhalte – 2013 war die AfD vor allem Euro-kritisch – spreche sie heute eine ganz andere Klientel an.

Auch die CDU-Wähler sind fortgeschrittenen Alters. Bei den über 70-Jährigen ist dies besonders gravierend: 28 Prozent der Stimmen für die CDU stammen aus dieser Altersgruppe. Keine andere Partei kommt hier an diesen Wert heran.

Die CDU fuhr ihr schlechtestes Ergebnis seit 1966 ein. Die Sozialdemokraten erlebten das totale Desaster, sie schnitten in Wiesbaden so schlecht ab wie noch nie in ihrer Geschichte und liegen 2,1 Prozentpunkte unter dem Hessenergebnis.

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