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In Hessen ein „Listenhund“: Ein junger Staffordshire Terrier tollt über eine Wiese.

Hundeverordnung in Hessen

500 Hunde eingeschläfert

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Rund 500 gefährliche Hunde wurden seit der Einführung der umstrittenen Hundeverordnung in Hessen eingeschläfert - weit mehr, als Minister Beuth zugibt.

In Hessen sind weit mehr Hunde getötet worden, als Innenminister Peter Beuth (CDU) zugibt. Das geht aus Unterlagen hervor, die der Frankfurter Rundschau vorliegen.

Demnach sind seit Einführung der umstrittenen Hundeverordnung im Jahr 2000 vermutlich rund 500 Hunde getötet worden, weil sie als gefährlich galten. Beuth hatte im August lediglich 69 Tötungen angegeben.

Die Linken-Abgeordnete Barbara Cárdenas äußert daher den Verdacht, die Landesregierung versuche, die Zahl der getöteten Hunde „herunterzuspielen“. Dabei geht es vor allem um die hohe Zahl von Tötungen in der ersten Zeit, nachdem der damalige Innenminister und heutige Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) die Verordnung im August 2000 in Kraft gesetzt hatte.

Beuth behauptet in seiner Antwort: „In den Jahren 2000 bis 2002 erfolgte noch keine statistische Erfassung der getöteten Hunde.“ Daher könne er nur Zahlen ab 2003 liefern.

Tatsächlich gibt es aber Zahlen des Innenministeriums aus jener Zeit. So geht aus einem Meldebogen hervor, dass allein in den ersten 16 Monaten, seit die Hundeverordnung in Kraft getreten war, 209 Hunde getötet wurden.

Zwei Jahre später war in einem Vermerk des Ministeriums vom Oktober 2003, aus dem der Verwaltungsgerichtshof zitierte, bereits von 399 getöteten Hunden bis Ende Juni 2003 die Rede – wenngleich das Gericht bei dieser Angabe auf Ungereimtheiten stieß. Die Bundestierärztekammer sprach sogar von 456 getöteten Hunden vom Inkrafttreten der Verordnung bis September 2003 und berief sich dabei ebenfalls auf Zahlen des Ministeriums.

Unvollständig waren in Beuths Antwort aber nicht nur die Angaben zu länger zurückliegenden Zahlen, sondern auch für die Zeit seit 2003. Obwohl die Abgeordnete Cárdenas nach allen „aufgrund der Hundeverordnung“ getöteten Tieren gefragt hatte, gab der Minister nur die getöteten „Listenhunde“ an. In der Verordnung ist eine „Rasseliste“ angelegt. Die dort aufgeführten Hunde wie Pitbull-Terrier, Staffordshire-Terrier oder Bullterrier dürfen nur gehalten werden, wenn sie eine „Wesensprüfung“ bestehen. Fallen sie dabei durch, müssen sie eingeschläfert werden.

Neben diesen „Listenhunden“ werden aber auch „Vorfallshunde“ eingeschläfert. Das sind Schäferhunde und andere, die nicht auf der Liste stehen. Sie werden ebenfalls getötet, wenn sie zugebissen haben und deshalb als gefährlich eingestuft werden.

Während Beuth lediglich die 69 getöteten „Listenhunde“ der Jahre 2003 bis 2015 aufführte, verschwieg er, dass in diesem Zeitraum außerdem 47 andere Hunde aufgrund der Verordnung getötet wurden. Sein Ministerium führte in einem Schreiben an die Tierschutz-Organisation Tasso 116 getötete Hunde seit 2003 auf. Dabei nahmen die Zahlen immer weiter ab. Seit 2008 wurden nach diesen Angaben nie mehr als drei Hunde im Jahr eingeschläfert.

Umstrittene Rasseliste

„Anscheinend ist dem Innenministerium nichts zu peinlich, um die unsägliche, von Anbeginn auch bei Experten umstrittene Rasseliste aus der öffentlichen Diskussion zu halten“, folgerte die Linken-Abgeordnete Cárdenas.

Tierschützer Mike Ruckelshaus vom Verein Tasso bekräftigte seine Kritik an der Verordnung. Die Gefährlichkeit eines Hundes lasse sich nicht anhand seiner Rasse festlegen, sagte Ruckelshaus. In der Beißstatistik tauchten die sogenannten Kampfhunde nur in geringem Umfang auf. Die „unsägliche Rasseliste“ müsse daher abgeschafft werden.

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