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Je mehr Windkraft in Hessen, desto weniger Energieimport, sagt Al-Wazir.

Grüne Energie

Hessen soll Land der Windkraft werden

Nach fünf Runden will der hessische Energiegipfel am 10. November Ergebnisse liefern. Schon jetzt steht aber fest, dass dabei voll auf die Windkraft gesetzt wird. Bürger sollen dabei als Investoren auftreten.

- Die Windkraft soll zum Hauptträger der Energiewende in Hessen werden. Auf zwei Prozent der Landesfläche sollen vorrangig Windräder stehen, die bis zu 28 Terawattstunden und damit theoretisch 70 Prozent des hessischen Strombedarfs abdecken könnten. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom hessischen Energiegipfel eingesetzte Arbeitsgruppe, die sich unter Vorsitz von Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) und dem Grünen-Fraktionschef Tarek Al-Wazir über den künftigen Mix aus erneuerbaren und fossilen Energieträgern Gedanken machte. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) will die Ergebnisse am 10. November vorstellen.

„Je mehr Windkraft wir in Hessen haben, desto weniger sind wir auf Stromimporte angewiesen“, sagte dazu Al-Wazir der Nachrichtenagentur dpa. Umso billiger werde auch die Energiewende. „Der Windstrom an Land kostet rund acht Cent pro Kilowattstunde; vor der Küste, also offshore, aber 15 Cent pro Kilowattstunde.“

Bürger sollen sich an Windrädern bei günstiger Verzinsung des Kapitals finanziell beteiligen - das Modell gilt auch als Weg, um sich die Unterstützung der Bevölkerung für die in der Landschaft nicht immer gern gesehenen Windräder zu sichern. Al-Wazir sieht den Widerstand gegen die Windenergie ohnehin schwinden. Wichtig sei, dass auch die CDU dabei gerade eine Kehrtwende vollziehe.

Dennoch wird Hessen nach Einschätzung der Arbeitsgruppe, der neben Politikern auch Wissenschaftler und Vertreter der Energieversorger angehören, noch viele Jahre lang auf importierte Energie angewiesen bleiben - dazu gehören auch die vor der Küste gelegenen Windparks, an denen regionale hessische Energieversorger beteiligt sind. Mit Blick auf die Stromimporte sei das Papier „ehrlich“, sagte Al-Wazir. Hessen sei auch in den vergangenen Jahren stets Importland gewesen, da die inzwischen stillgelegten AKW-Blöcke von Biblis mehr „gestanden als gelaufen“ seien.

2050 die totale Wende

Die Arbeitsgruppe will bis 2050 in Hessen den Endenergieverbrauch (Strom und Wärme) möglichst zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien abdecken. Neben der Windenergie wird auch auf Biomasse gesetzt - vor allem die energetische Nutzung zum Beispiel von Abfällen aus Haushalten oder von Grünschnitt. Damit könne die aus Biomasse gewonnene Energie von sieben Terawattstunden (2008) theoretisch verdoppelt werden. Stärkeres Potenzial wird auch in der Photovoltaik und Solarthermie gesehen, deren Anteil auf sechs Terawattstunden pro Jahr gesteigert werden könne.

Um die Versorgungssicherheit in Hessen zu garantieren, werden aber fossile Energieträger auf absehbare Zeit unverzichtbarbleiben. Dafür schlägt die Arbeitsgruppe Gaskraftwerke als am besten zur Ergänzung der erneuerbaren Energien geeignete Energieerzeugung vor. Ausgeklammert ist im Papier der Arbeitsgruppe der mehr als eine Milliarde Euro teure Kohlekraftwerkblock Staudinger 6 in Großkrotzenburg. Die Grünen lehnen das Projekt ab, die CDU ist dafür.

Für dieGaskraftwerke, dessen größtes bis zu 1000 Megawatt haben könnte, werden keine Standorte genannt. Al-Wazir schlägt jedoch das nordhessische Mecklar - ein Knotenpunkt für Überlandleitungen - sowie die Ingelheimer Aue in Rheinhessen und den Industriepark in Frankfurt-Griesheim vor.

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