+
Isaac Roosevelt sorgt in der Peppers Lounge mit Funk & Soul für Stimmung.

Bad Homburg

Im Glanz der britischen Popgötter

  • schließen

Die Musiknacht bei Vollmond reizt zum Springen von Bar zu Bar in Bad Homburg.

Die Englische Kirche als Startpunkt für eine „very british“ angehauchte Musiknacht scheint der richtige Ort für solcherart Vergnügen. Längst ist die einst auf Wunsch vieler Kurgäste von der Insel gebaute anglikanische Kirche am Ferdinandsplatz kein Sakralbau mehr. Eher ein Ort der Künste, bewacht von der Büste der englischen Landgräfin Elisabeth auf dem Vorplatz, der Bad Homburg auch den Bau des Gotischen Hauses zu verdanken hat.

Die Bühne mit dem angestrahlten weinroten Vorhang im Hintergrund gehört an diesem Abend den Verehrern der britischen Popmusik, die ihren Göttern ewig huldigen werden.

Ein passender Ort, die Verbindung zum Göttlichen zu suchen, eine passende Location für den Britpop, der so viele wundervolle musikalische Geschichten geschrieben hat.

Neun Musiker, die sich stündlich in neuer Zusammenstellung formieren, um ihre Ikonen ins rechte Licht zu setzen – das hat auch eine besondere Note in dieser britischen Nacht. Sting, Eric Clapton und Paul McCartney gemeinsam auf der Bühne, das ist mal eine Ansage, auch wenn wir hier „nur“ von Tribute Bands sprechen. Der Ruf der Fab Four und ihrer Epigonen zieht auch Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) und sein Gefolge an, das Musikereignis – „1 Nacht, 17 Locations, 21 Bands & DJs“ – animiert Musikfreunde in Scharen, in der milden Herbstnacht von Bar zu Bar zu ziehen. Immer auf der Suche nach einer neuen musikalischen Sensation oder einen neuen Begegnung im Schein von Vollmond und der englischen Soundwolke.

Doppeldecker als „Meetpoint“

Auf dem Marktplatz ist ein roter englischer Doppeldecker als „Meetpoint“ stationiert, am Rathausplatz findet die Party des Jungvolks eher draußen und eher wenig british statt, im „Irish Pub“ tummeln sich gleichzeitig textfeste Fans der legendären Band Pink Floyd in überschaubarer Menge. Klar, dass sie der Schulchor sein wollen, wenn Macys Mob aus der ersten Liga der deutschen Coverbands aus dem Album „The Wall“ zitiert. Und natürlich wird den beiden älteren Herren an der E-Gitarre verziehen, die in Ernestos Espressobar im Schwedenpfad auf mexikanische Pfade abweichen. Zu gut bringen sie den Klassiker „Oye como va“ von Carlos Santana und versöhnen die britischen Puristen direkt danach ebenso perfekt mit „Black Night“ von Deep Purple.

Ein paar Meter um die Ecke entwickelt sich die Audenstraße eine Stunde vor Mitternacht zu einem Hotspot mit drei möglichen Varianten. In Steve’s Bar hängen Girlanden mit Union Jack, aber Depeche Mode, und das auch noch „unplugged“, das muss man mögen. Oder eben so ein krasser Fan von Depeche Mode sein, dass man gar keine Wahl hat. Dann ist es ja vielleicht wirklich so, als sitze man mit Dave Gahan und Martin Gore in der Kneipe und der Strom fällt aus.

Im Fähnchenschmuck auch der Vorbau der Schreinerei Pfeiffer gegenüber, schon immer ein Kulttreffpunkt in Partynächten, wo alleinreisende Damen auch mal zu fünft nebeneinander gut sichtbar auf Bankrücken hocken und unter Hobeln und Fuchsschwänzen mitswingen. „Perfektewelt-Lieblingslieder“ spielt dort Sven Ruppert mit seiner Band laut Programmheft. In der Englischen Kirche gehen die musikalischen Lichter derweil langsam aus. Die Nacht geht irgendwo weiter, very british vielleicht oder auch urdeutsch, ganz nach Geschmack. Der volle Mond schaut gnädig vom Himmel.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare