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In der Frankfurter Römerstadt haben Archäologen jüngst mitten im Wohngebiet spektakuläre Funde gemacht.

Tag des Offenen Denkmals

Es gibt viel zu entdecken

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Am Sonntag ist der Tag des Offenen Denkmals – und viele sonst verschlossene Privathäuser, Ausgrabungsorte und historische Monumente zeigen in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet ihre Schätze.

Wenn es um „ihr“ Denkmal geht, kommt die Frankfurterin Ursula Schmidt ins Schwärmen. Schmidt ist Vorsitzende des vor einem Jahr gegründeten, bisher 21 Köpfe starken Vereins „Waldwerk“, der sich um das alte Griesheimer Wasserwerk kümmert. „Unser Dornröschenschloss“ nennt es Schmidt.

Seit 2007 ist das 1902 in der zeittypischen Ziegelarchitektur errichtete Bauwerk stillgelegt. Der Abriss drohte, doch Bürger aus dem Frankfurter Stadtteil haben für den Erhalt gekämpft, die zugewachsenen Außenanlagen vom Gestrüpp befreit und ein Konzept für eine neue Nutzung als Station im Frankfurter Grüngürtel ausgearbeitet. Inzwischen steht das historische Wasserwerk im Niedwald unter Denkmalschutz, und der Verein wurde für die mit 10 000 Euro dotierte Walter-Möller-Plakette vorgeschlagen. Morgen kann die Anlage von 11 bis 19 Uhr besichtigt werden. Vom Zugang über die Oeserstrasse 181 gegenüber dem Ramada-Hotel sind es nur wenige Minuten zu Fuß.

Besser als mit dem bürgerlichen Engagement des Vereins Waldwerk könnte man das diesjährige Motto des Tags des offenen Denkmals, der am kommenden Sonntag, 11, September, deutschlandweit gefeiert wird, kaum illustrieren: „Gemeinsam ist man weniger alleine“ heißt es dieses Mal. „Ja, das passt wirklich gut zu uns“, sagt Schmidt.

Zu sehen sind an diesem Tag große und kleine Denkmäler, Schlösser, Kathedralen und archäologische Ausgrabungen, aber auch Arbeiterhäuschen, oder historische Industrieanlagen wie das Griesheimer Wasserwerk, ungewöhnliche und ganz alltägliche Denkmale wie Dorfkirchen oder Friedhöfe – alleine in Hessen gibt es mehr als 500 Angebote, Aktionen, Konzerte und Führungen.

„Es ist immer schwer, einen persönlichen Favoriten zu nennen, da dies den anderen großartigen Projekten nicht gerecht wird“, sagt Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes Hessen. Er nennt dann aber doch zwei Projekte, die ihn besonders beeindruckt haben, die Rettung der Dorfschmiede von Laubach-Freienseen (Kreis Gießen) und die Sanierung von Haus Speyer in Alsfeld-Angenrod (Vogelsbergkreis), das an die letzten Juden des Ortes und ihre Deportation 1942 erinnert. Dass sich an der Restaurierung auch Flüchtlinge beteiligt haben, ist für ihn ein Beispiele gelebter Integration.

Denkmale zu erhalten ist oft eine Herkulesaufgabe – so ziemlich jeder Bauherr, der nicht abreißt, sondern rettet, kann schier endlose Gruselgeschichten erzählen. Dennoch überwiegt in der Regel die Begeisterung über erstaunliche Funde und eine oft hervorragende handwerkliche Qualität im Detail.

„Wir beobachten immer wieder, dass von vorbildlich sanierten Objekten eine große Strahlkraft ausgeht und plötzlich auch in der Nachbarschaft Projekte angestoßen werden“, sagt Landesdenkmalamtspräsident Harzenetter. „Bei unserer Bereisung der zum Hessischen Denkmalschutzpreis vorgesehenen Objekte in diesem Jahr konnten wir uns davon überzeugen, dass alle Eigentümer sich jederzeit wieder den Herausforderungen stellen würden, die eine Sanierung mit sich bringt. Die stolzen Denkmaleigentümer haben sich – mit Mühen und Anstrengung – ein Haus mit Geschichte, etwas Einzigartiges angeeignet.“

Am Sonntag sind viele geglückte Rettungsgeschichten von heruntergekommenen Bauten, die mit vereinten Kräften mit neuem Leben gefüllt wurden, zu erleben. „Häufig haben die Orte einen neuen kulturellen Mittelpunkt erhalten, der weit in die Region ausstrahlt“, sagt Harzenetter. „Das gemeinschaftliche Engagement wurde zum sozialen Kitt“ für die Menschen und ihrer Identifikation mit der Geschichte des Ortes.“

Am Sonntag wird es neben viel Begeisterung wohl auch die eine oder andere Enttäuschung geben – denn der Andrang zu manchen den zum Teil limitierten Führungen ist erfahrungsgemäß groß, manchmal zu groß. Das ist dann der Preis des Erfolgs, denn die Besucherzahlen sind seit dem ersten Tag des offenen Denkmals 1993 deutlich gestiegen.

Von der Idee, bei so viel Begeisterung da doch einfach mehrere Denkmaltage im Jahr anzubieten, ist Harzenetter aber nicht begeistert. „Abgesehen von den Anstrengungen, die alle Beteiligten überfordern würden, würde sich die Idee auch abnutzen. Sie möchten doch auch nur einmal im Jahr Geburtstag, Weihnachten und Ostern feiern“, sagt er.

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