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Gut gebrüllt, Pitt.

Landtag in Hessen

Gelbwesten im Landtag

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Aus dem Parlament gibt es Alarmierendes zu berichten. Die Kolumne aus dem hessischen Landtag.

Alarm im hessischen Landtag! Alle müssen das Haus verlassen, Abgeordnete, Mitarbeiter, Köche und Küchenhilfen, Journalisten und Pressesprecher.

Was ist geschehen? Ein Putsch gegen die Regierung? Ein Aufstand? Der Verdacht wächst, denn Gelbwesten sind unterwegs. Wollen sie in Hessen französische Verhältnisse herstellen, Unruhen, und das direkt im Parlament?

Nichts dergleichen. Eine defekte Sprinkleranlage hat den Alarm ausgelöst. Die gelben und orangenen Westen tragen Aufschriften wie „Brandschutzhelfer“ und „Einsatzleiter“. Die Feuerwehr braust mit Tatütata heran. Sie stellt aber nur fest, dass es in der Lobby aus der Decke tropft, aus den Sprinkleranlagen. Dann dürfen alle wieder ins Gebäude hinein, auch wenn manche lieber draußen auf dem Sternschnuppenmarkt geblieben wären.

Hätten gerade Abgeordnete mit Lobbyisten in den Sesseln neben dem Kaffeeausschank gesessen, dann wären sie jetzt ziemlich durchnässt. Doch der Defekt hat einen gemächlichen Donnerstag erwischt, ohne Plenar-, Fraktions- und Ausschusssitzungen. Am Mittwoch hätte das ganz anders ausgesehen, als der Landtag zum letzten Mal in dieser Wahlperiode zusammenkam. Da wäre es ungemütlich geworden.

34 von 110 Abgeordneten nicht mehr vertreten

So aber konnte das Parlament ungestört tagen und mal wieder Abschied nehmen. Schon im September, in der bisher letzten Plenarsitzung, hatten viele ausscheidende Abgeordnete die Gelegenheit genutzt, sich mit warmen Worten zu verabschieden. Jetzt erhielten durch die zusätzliche Sitzung weitere Politiker die Gelegenheit dazu.

Immerhin 34 von 110 Abgeordneten sind im neuen Parlament vom Januar an nicht mehr vertreten. Der scheidende Landtagspräsident Norbert Kartmann rief ihnen zwar „ein herzliches Auf Wiedersehen“ zu, verzichtete aber darauf, die Namen vorzulesen und gab die Liste ganz schmucklos zu Protokoll.

Da hatte es schon emotionalere Momente gegeben. Etwa die letzte Rede der früheren Kultusministerin Karin Wolff (CDU). Sie hatte im September noch nicht ahnen können, dass sie dem neuen Landtag nicht mehr angehören würde, doch bei der Wahl im Oktober büßte sie ihr Mandat ein.

In den vergangenen Jahren hatte sie sich für die Hochschulen und die Kultur engagiert – und galt manchem als einflussreicher als der zuständige Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU). Der Grünen-Hochschulpolitiker Daniel May bedankte sich bei Wolff für die enge Zusammenarbeit – nicht ohne daran zu erinnern, dass er einst als Kreisschulsprecher und Sprecher der Grünen Jugend Hessen gegen Wolffs Schulpolitik protestiert hatte.

Auch Minister Rhein nutzte die Gelegenheit für Abschiedsworte. Er attestierte Wolff, sie habe ihn „mit liebevoller Strenge“ behandelt und gelegentlich wieder auf den Boden geholt.

Wo Abschied ist, beginnt auch etwas Neues. Die SPD-Abgeordnete Lisa Gnadl, die auch dem neuen Landtag angehört, war zur letzten Sitzung des alten Parlaments nicht erschienen. Landtags-Vizepräsident Frank Lortz (CDU) nannte den Grund: Gnadl war zum dritten Mal Mutter geworden. Ihre Kinder Ronka und Mira bekamen einen Bruder namens Ragnar.

Pitt von Bebenburg berichtet über Abschied und Neubeginn im Landtag. @PvBebenburg

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