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Die Schau "Beschaffenheit des Himmels" ist ab Dienstag im Landesmuseum Darmstadt zu sehen.

Förderung

Ganz Hessen soll Kultur genießen

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Minister Boris Rhein will über die Verteilung von Geld reden. Mit dem "Kulturatlas" legt Rhein eine Bestandsaufnahme vor.

In Hessen gibt es tolle Filmfestivals, die das Land mit Summen zwischen 8000 und 800 000 Euro fördert. Doch wenn Kunstminister Boris Rhein (CDU) auf die Landkarte schaut, wird er nachdenklich. 

21 Filmfestivals mit staatlicher Förderung sind aufgelistet. Davon werden allein 19 im Rhein-Main-Gebiet veranstaltet – vor allem in Frankfurt und Wiesbaden –, eines in Kassel und eines in Marburg. Der Rest des Landes ist ein weißer Fleck. 

„Wenn man über Landeskulturförderung redet, muss man über regionale Verteilung reden“, sagte Rhein am Donnerstag in Wiesbaden. Dort stellte er den „Kulturatlas“ vor, der die Karte mit den Filmfestivals enthält. Mit der Kinoförderung im ländlichen Raum versuche das Land einen Ausgleich zu schaffen. 

Mit dem „Kulturatlas“ legt Rhein auf 220 Seiten eine Bestandsaufnahme vor, aus der Konsequenzen für die Förderpolitik abgeleitet werden sollen. Ein „Masterplan Kultur“ war eigentlich schon für diese Legislaturperiode zwischen CDU und Grünen vereinbart. Nun soll eine umfassende Revision der Förderpolitik erst nach der Landtagswahl im Oktober kommen. Die schwarz-grüne Koalition hat sich darauf verständigt, zunächst die Kulturschaffenden und deren Institutionen umfassend an diesem Prozess zu beteiligen. Im Mai soll eine Umfrage beginnen, die bis August abgeschlossen werden soll. „Dieser partizipative Prozess ist uns ganz wichtig“, betonte die Grünen-Abgeordnete Martina Feldmayer. 

Als „ersten Schritt“ bezeichnete Rhein den „Kulturatlas“. Die CDU-Kulturpolitikerin Karin Wolff betonte, der Blick dürfe nicht „an den Flaggschiffen hängenbleiben“. Mit der Bestandsaufnahme werde klar, „welche Schätze das Land hat“. 

Aus dem Atlas geht hervor, dass Hessen seine Kultur mit rund 200 Millionen Euro pro Jahr fördert – jedenfalls im Jahr 2015, das bei der Recherche zugrundegelegt wurde. Aus Rheins Ministerium flossen gut 187 Millionen Euro. Weiteres Geld kam aus anderen Ministerien für kulturelle Zwecke, etwa 5,6 Millionen Euro aus dem Finanzministerium für den Hessenpark in Neu-Anspach und 4,5 Millionen Euro aus dem Umweltressort für den Denkmalschutz. 
Hinzu kommen erhebliche Investitionen in Kulturbauten, für die Hessen 2015 insgesamt 573 Millionen Euro ausgab. Dabei wurden die Landesmuseen für 173 Millionen Euro umgebaut und saniert. Bei den Staatstheatern waren es 165 Millionen Euro, von denen das Land 124 Millionen übernahm.

Besonders hoch waren die laufenden Aufwendungen für die Staatstheater (55 Millionen Euro) in Darmstadt, Wiesbaden und Kassel und die Landesmuseen in den gleichen Städten. 
Besucherinnen und Besucher profitieren davon, etwa wenn in der nächsten Woche die Ausstellung „Beschaffenheit des Himmels“ im Landesmuseum Darmstadt eröffnet wird. Sie zeigt mit viel Gold auf den Altarbildern, wie sich die Menschen des 13. bis 16. Jahrhunderts die göttliche Ordnung vorstellten. 

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