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Flugzeuglärm überm Wohnhaus, wie hier in Flörsheim, kann demnächst in bare Münze umgewandelt werden. Fraport macht Angebote.

Fraport kauft Häuser in der Einflugschneise

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Flughafenbetreiberin stellt Immobilienprogramm für Nordwestbahn vor / Wer kassiert, bekommt GrundbucheintragWer in Flörsheim, Raunheim oder Kelsterbach Eigentümer einer Wohnimmobilie ist, die nach Inbetriebnahme der Nordwestbahn in weniger als 350 Meter Höhe überflogen wird, kann sie Fraport zum Kauf anbieten oder Ausgleichszahlungen beantragen. Dossier: Wächst der Flughafen weiter?

Frankfurt · 24. Januar · Mit dem Immobilienprogramm reagiere der Flughafenbetreiber freiwillig auf die Auswirkungen des Ausbaus, weltweit gäbe es kein Vorbild für ein derartiges Ausgleichsprogramm, sagte der hessische Finanzminister und Fraport-Aufsichtsratsvorsitzende, Karlheinz Weimar (CDU), am Montag bei der Vorstellung von Fraport Casa. Das Ausgleichsprogramm soll in Flörsheim für mehr als 520 Häuser, vor allem im Neubaugebiet, gelten, die nach dem Bau der Landebahn im Kelsterbacher Wald mit erhöhten Belastungen rechnen müssen. In Kelsterbach sind ein halbes Dutzend Wohnhäuser im Taubengrund betroffen. 710 Haus- und Wohnungseigentümer können in Raunheim, wo es schon heute entsprechend niedrige Überflughöhen gibt, mit Ausgleichszahlungen rechnen. Voraussetzung ist allerdings, dass das Haus oder die Wohnung vor Juni 2002 gekauft bzw. der Bauantrag dafür gstellt wurde, also noch ehe die Ausbaupläne der Fraport im Nordwesten des Flughafens bekannt waren.

Das von Fraport definierte "Fördergebiet" gilt für Immobilien in der Einfluglinie der Nordwestbahn, die künftig in 350 Meter Höhe oder weniger überflogen werden. In seiner Mitte liegt eine 180 Meter breite Kernzone, rechts und links schließen sich jeweils zwei 60 Meter breite Übergangszonen an. Nur Häuser, die in der Kernzone liegen, können Fraport zum Kauf angeboten werden. Als Basis der Preisberechnung diene der Verkehrswert, den ein vom Flughafenbetreiber ausgewählter vereidigter Sachverständiger ermittle, erklärte der für den Flughafenausbau zuständige Vorstandsvize, Manfred Schölch. Die Landebahn Nordwest werde bei der Wertermittlung nicht berücksichtigt. Die solcherart erworbenen Immobilien wolle Fraport weiterverkaufen oder an Mitarbeiter vermieten.

50 Millionen oder mehr

Wahlweise könnten Immobilienbesitzer in der Kernzone auch eine einmalige Ausgleichszahlung von 150 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche erhalten. Per Eintrag im Grundbuch müssten sie sich verpflichten, fortan die Belastungen des Flughafens zu dulden. Für die Randzonen sind Ausgleichszahlungen zwischen 50 und 100 Euro pro Quadratmeter vorgesehen.

Wie viel Geld sich Fraport das Immobilienprogramm kosten lassen wird, steht nicht fest. Zurzeit gehe man von 40 bis 50 Millionen Euro aus, sagte Vorstandsvorsitzender Wilhelm Bender. Die Summe sei nach oben hin nicht gedeckelt. Ausgleichszahlungen für die Raunheimer Hausbesitzer fließen, sobald der Antrag bei Fraport bearbeitet ist, Anträge können ab sofort bis 2007 gestellt werden. Flörsheimer und Kelsterbacher Hausbesitzer bekommen erst Geld von Fraport, wenn die neue Landebahn in Betrieb ist, dafür haben sie auch bis ein Jahr nach Inbetriebnahme Zeit, das Angebot zu nutzen.

Fachanwalt Matthias Möller-Meinecke, der Gemeinden und Privatpersonen im Ausbauverfahren vertritt, rät davon ab. Hauseigentümer würden mit einem Handgeld abgespeist, sagt der Jurist. Eine günstigere Verhandlungsposition habe, wer Einwendungen formuliere, als Kläger vor Gericht ziehe oder per Eilantrag gegen die Planfeststellung vorgehe.

Von Mitte dieser Woche an will Fraport die Antragsunterlagen zum Casa-Programm an alle Hausbesitzer verschicken, die das Immobilienausgleichspprogramm nutzen können. Informationen gibt es auch unter Tel. 08 00 / 2 34 56 79.

Dossier: Wächst der Flughafen weiter?

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