Gut Gebrüllt: Aus dem hessischen Landtag

Feiertage auf Hessisch

  • Pitt v. Bebenburg
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Ein Land feiert Geburtstag, wann es will und wie es will. Dann kommen auch Ritter Rost und der Regenbogenfisch.

Man kann streiten, ob Ritter Rost als typischer Repräsentant Hessens gelten darf. Oder ob der Regenbogenfisch in Main und Nidda heimisch ist.

Nun wollen wir nicht kleinlich sein, denn beide haben es ins offizielle Programm zur 70-Jahr-Feier Hessens geschafft. Der Fisch tritt in Rimbach auf, der Ritter im Bürgerhaus Nieder-Roden. Also sind sie Hessen – punktum. Wie sagte schon der frühere Ministerpräsident Georg August Zinn? „Hesse ist, wer Hesse sein will.“

Das dicke Heft heißt zwar „Programm“ und erscheint zum Hessen-Jubiläum. Doch da finden sich Traditionsveranstaltungen wie das Frankfurter Museumsuferfest, die Poetikvorlesungen an der Goethe-Uni, das Darmstädter Weinfest und der Arolser Kram- und Viehmarkt. Den gibt es zum 285. Mal und damit weit länger, als das Land Hessen existiert.

Es ist daher recht mutig, wenn Staatskanzlei-Chef Axel Wintermeyer (CDU) erklärt, das Landesjubiläum werde mit 150 Programmpunkten begangen. Denn die wenigsten davon haben etwas mit dem Jahrestag zu tun. Das ist ein gutes Zeichen dafür, dass in Hessen immer musiziert, aufgeführt, vorgetragen und gefeiert wird, als wäre gerade Jubiläum.

Da kommt es auch nicht darauf an, ob 2016 wirklich Jubiläumsjahr ist oder nicht. Eigentlich wurde Hessen schon 1945 gegründet, mit der Proklamation Nr. 2 der Amerikaner vom 19. September. Im vergangenen Jahr hatte Hessen aber beim besten Willen keine Zeit, sich um ein solches Jubiläum zu kümmern – denn da wurden 25 Jahre deutsche Vereinigung begangen.

Jetzt kommt also das Festjahr für die Hessen. Mit Festakt am 1. Dezember, genau 70 Jahre nach dem Inkrafttreten der hessischen Landesverfassung in Wiesbaden, und einer „Geburtstagsparty“ am Abend davor mit Musikern wie Bill Ramsey und Madeline Bell, die Jazz und Soul ins Nachkriegs-Deutschland brachten. Und mit einem Feuerwerk für alle.

Zudem können Schulen mehr oder weniger bekannte Hessinnen und Hessen einladen, damit sie etwas über ihr Bundesland erzählen. Auch das organisiert die Staatskanzlei. Im Angebot sind Gesprächspartner wie der ehemalige Arbeitsminister Norbert Blüm, Adelsspross Prinz Donatus von Hessen oder Eintracht-Fußballlegende Karl-Heinz Körbel.

Was wollen sie da erzählen über Hessen? Charly Körbel überlegt. Sein aufregendstes Erlebnis – neben der Feier von Pokalsiegen auf dem Balkon des Frankfurter Römers – war, dass er als junger Kicker im Zoo einen Pinguin taufen durfte und dabei den Zoodirektor Bernhard Grzimek traf. „Das war für mich das Größte!“

Also feiern wir das Beste aus Hessen: Ritter Rost, den Regenbogenfisch und Pinguin Charly.

Pitt von Bebenburg schreibt aus dem Herzen von Europa und aus dem hessischen Landtag. Und er twittert: @PvBebenburg

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