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Gedenken an das NSU-Opfer Halit Yozgat in Kassel. Peter Koeppen war als Zeuge im NSU-Ausschuss geladen.

NSU-Ermittler

Ex-Landesanwalt Koeppen gestorben

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Der Jurist war als Staatsanwalt in Thüringen für die vergebliche Suche nach dem NSU-Trio zuständig.

Der frühere hessische Landesanwalt, ehemalige thüringische Justiz-Staatssekretär und Frankfurter CDU-Politiker Arndt Peter Koeppen ist tot. Das geht aus einer Todesanzeige seiner Familie hervor. Danach starb Koeppen am 3. November im Alter von 71 Jahren nach langer, schwerer Krankheit. 

Der Jurist Koeppen hatte von 2001 bis 2004 als Staatssekretär in der thüringischen Landesregierung fungiert. In Hessen wurde er 2008 auf Vorschlag der CDU zum Landesanwalt berufen, was er lediglich bis 2009 blieb, da sich die politischen Mehrheiten änderten. Der Landesanwalt fungiert als öffentlicher Ankläger am Staatsgerichtshof. Er wird traditionell auf Vorschlag der jeweiligen Landtagsopposition berufen, als Gegengewicht zum Staatsgerichtshofspräsidenten, der von der Mehrheit vorgeschlagen wird.

Bis zu seiner Pensionierung 2012 war Koeppen als Leiter der Staatsanwaltschaft Marburg tätig. Er stand zeitweise der CDU im Frankfurter Stadtteil Bornheim vor. 

Zeuge im NSU-Ausschuss

Schlagzeilen machte Koeppen nach dem Abtauchen des rechtsextremen Terrortrios „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) 1998. Koeppen war damals als Leitender Oberstaatsanwalt in Gera für die letztlich vergebliche Suche nach den Bombenbauern Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe zuständig. Dazu wurde er 2013 im Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss befragt.

Äußerungen in einem Interview von „Spiegel TV“ wenige Wochen nach dem Verschwinden des NSU-Trios wurden ihm von Kritikern als Hinweis vorgehalten, dass er die Gefahren nicht ernstnehme. Darin sagte Koeppen, die Rechtsradikalen wollten lediglich „Zeichen“ setzen. „Ich würde nicht so weit gehen zu sagen: Wir müssen jeden Tag mit einem Sprengstoffanschlag rechnen.“ Das sei der „deutliche Unterschied zu terroristischen Organisationen, wie wir sie früher hatten“. 

Später äußerte Koeppen den Verdacht, der Verfassungsschutz habe dafür gesorgt, dass Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe trotz etlicher Hinweise auf ihren Aufenthaltsort nicht gefasst wurden. „Er sei nach wie vor der Meinung, dass die Zielfahndung wahrscheinlich sehr gut gearbeitet habe, aber verraten worden sei“, heißt es im Abschlussbericht des Thüringer Ausschusses. „Wenn die sich irgendwo angepirscht und versucht haben, jemanden festzunehmen, seien die Zielpersonen vorher offenbar gewarnt worden.“

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