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Die neue Moschee nutzt Sonnenenergie und Erdwärme.

Islamische Gemeinde Marburg

Die deutsche Moschee

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Kein Minarett, keine Kuppel: Die Architekten der neuen Moschee von Marburg verzichten auf alles, was provozieren könnte. Feinde hat die Gemeinde trotzdem.

"Das wird eine deutsche Moschee", sagt Bilal El-Zayat, der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde in Marburg. Sie hat kein Minarett, keine Kuppel und keinen Muezzinruf. „Wir haben auf alles verzichtet, was provozieren könnte“, sagt der Oberarzt im Uni-Klinikum. Gepredigt wird ohnehin auf Deutsch. Am 21. Juni wird der Grundstein für das islamische Gotteshaus mit seinem großen Kulturzentrum gelegt, das 1,8 Millionen Euro kosten soll. Mit dabei sind alle politischen Parteien und die großen Kirchen der Universitätsstadt.

Dafür hat die Islamische Gemeinde lange Überzeugungsarbeit geleistet: Sie war die erste in Hessen, die ihre christlichen Mitbürger zum Fastenbrechen in ein Ramadanzelt in der Marburger Innenstadt eingeladen hat. Sie hat ein hervorragendes Verhältnis zur Jüdischen Gemeinde. Und ihre alte, viel zu klein gewordene Omar-Ibn-Al-Khattab-Moschee ist ein offenes Haus, in dem Besucher willkommen sind.

Die Moscheepläne wurden im Vorfeld intensiv diskutiert. Danach verzichtete die Gemeinde auf ein islamisches Ornament, das an die Kreuzsymbolik erinnert. Auf den Rat des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Amnon Orbach, wird die Moschee einen Keller haben, den sie Orbach-Keller tauften. Zudem beherbergt der zentral gelegene Neubau an der Marburger Stadtautobahn nicht nur die Moschee, deren Treppenhaus ein wenig an ein Minarett erinnert.

In dem viergeschossigen Bau befinden sich auch ein Feinkostgeschäft, eine Cafeteria mit Blick zum Schloss, eine Bibliothek, Räume für Vorträge, Nachhilfe und Frauengruppen sowie elf Appartements, in denen Muslime und Nicht-Muslime wohnen sollen: „Das ist für die gesamte Marburger Bevölkerung gedacht“, sagt Bilal El-Zayat, der auch von einer „ökologischen Moschee“ spricht. Neben Sonnenenergie nutzt sie Erdwärme. „Die Natur wurde uns von Gott anvertraut“, erklärt der Sohn einer Preußin und eines Ägypters das Engagement.

Die meisten Kritiker sind verstummt

Trotzdem hat die Moschee auch Feinde: In den vergangenen Wochen wurden Hunderte Flugblätter in Marburg verteilt, in denen mit einer obszönen Zeichnung zur „öffentlichen Beschneidung“ des angeblich kürzlich zum Islam konvertierten Oberbürgermeisters Egon Vaupel eingeladen wurde. „So ein Dreck“, ärgert sich der Sozialdemokrat: „Das ist jemand, der Unfrieden in dieser Stadt will.“ Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln wegen übler Nachrede und Verleumdung. Ansonsten sind die früheren Kritiker schon lange verstummt.

Erste Pläne vor sechs Jahren waren nämlich an einer von der CDU im Marburger Stadtparlament angezettelten Diskussion gescheitert. Die Moslems stünden zum Teil unter dem Verdacht, Islamisten zu sein, hieß es damals. Einziger konkreter Anhaltspunkt war die Nennung des damaligen Betreibervereins Orientbrücke im Verfassungsschutzbericht. Was das bedeutet, ließ sich laut Vaupel nicht klären. „Etwas Handfestes“ sei jedoch nicht gefunden worden.

Um die Diskussion zu entschärfen, richtete der Oberbürgermeister einen „runden Tisch der Integration“ ein. Ein „Friedensweg der Religionen“ wurde eröffnet. Heute kommt Amnon Orbach als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu den hohen Festen der Moslems. Und El-Zayat ist beim Laubhüttenfest dabei. Der Weg der Integration gilt auch innerhalb der Islamischen Gemeinde, in der Schiiten und Sunniten sowie Moslems aus mehr als 40 Nationen beten, unter ihnen viele Studierende und Mediziner.

Vor wenigen Monaten wurde ein Förderverein für die Moschee gegründet, in dem alle Fraktionen der Stadt vertreten sind. Fördervereins-Vorsitzender ist der Professor für Islamwissenschaft Albrecht Fuess. Er sagt: „Wir wollen zeigen, dass die Moschee willkommen ist.“

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