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Das Windrad – Symbol für die Energiediskussion.

Windräder

Bouffier und Naturschützer im Clinch

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Die Naturschutzverbände BUND und Nabu zeigen sich irritiert über Aussagen von Ministerpräsident Volker Bouffier, wonach sie den Ausbau von Windkraft behindern.

Beide Organisationen haben bereits seit langem ihre Unterstützung für mehr Windräder beschlossen. Sie fordern jedoch, Standorte in Naturschutzgebieten und Vogelflugrouten auszunehmen.

Ministerpräsident Bouffier (CDU) hatte am Wochenende in einem Zeitungsinterview behauptet: „Wenn es zum Beispiel nach dem Naturschutzbund ginge, dann könnte es bei uns keine einzige Windkraftanlage geben.“ Dass er mit dieser Aussage falsch liege, hatte ihm Hessens Nabu-Chef Gerhard Eppler aber bereits vor einer Woche beim Energiegipfel der Landesregierung in der Staatskanzlei erläutert. „Es gibt so manche Argumente, die predigt man immer wieder, auch wenn sie mit der Realität wenig zu tun haben“, kommentierte der Nabu-Vorsitzende Gerhard Eppler am Montag im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau.

Einzelne Gegner

Vor einer Woche hatte der Ministerpräsident selbst nach der Gipfel-Sitzung berichtet, sowohl Nabu als auch BUND sähen den Bau von Windrädern sogar im Wald „für möglich an“. Er selbst habe die Verbandsvertreter danach gefragt und empfinde deren positive Antwort „als deutlichen Schritt nach vorn“.

Auch damit löste Bouffier bereits Verwunderung aus. BUND-Sprecher Thomas Norgall betonte: „Wir waren nie grundsätzlich dagegen.“ Es sei aber „gut, wenn der Ministerpräsident jetzt wahrnimmt, dass wir ihn da unterstützen“. Es habe in den Naturschutz-Organisationen lediglich „Einzelmeinungen und Privatmeinungen“ gegen Windräder gegeben, formuliert Norgall.

Auch Nabu-Vertreter Eppler berichtet von Verbandsmitgliedern mit „extremen Meinungen“ in dieser Frage. Sie sprächen aber nicht für die landesweite Organisation.

Nach den Äußerungen vom Energiegipfel nahm eine weitere Naturschutz-Organisation öffentlich Stellung. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald äußerte die Befürchtung, dass die Kollegen von Nabu und BUND „eine pauschale Zustimmung für die bis zu 200 Meter hohen Windkraftanlagen“ gegeben haben könnten. Tatsächlich machen aber alle Verbände Einschränkungen.

Der Nabu macht vor allem darauf aufmerksam, dass Vögel durch Windkraftanlagen gefährdet werden, etwa seltene Schwarzstörche und Rotmilane. In seiner Grundsatzposition, die im vergangenen Oktober ohne Gegenstimme von der Nabu-Vertreterversammlung beschlossen wurde, wird der „naturverträgliche Ausbau“ der Windkraft als Ziel genannt.

Nabu verlangt Ausnahmen

Der Nabu sprach sich für „Windvorranggebiete“ aus, aber zugleich für „klar definierte Ausschlussflächen, auf denen aus naturschutzfachlichen Gründen keine Windkraftanlagen errichtet werden dürften“. Dazu zählt der Verband alle Naturschutzgebiete, den Nationalpark Kellerwald sowie Vogelflugrouten und Brutgebiete. Das lasse sich aber ohne Probleme miteinander vereinbaren, da nur zwei Prozent der Landesfläche als Vorranggebiete für Windkraftanlagen ausgewiesen werden müssten, erläutert Nabu-Chef Eppler: „Da braucht man sich nicht zu zerstreiten.“

Vom BUND kommt der Vorschlag zu erforschen, wie stark Vögel und Fledermäuse von Windkraftanlagen gefährdet werden. Die Organisation schlägt dafür ein Forschungsprojekt im Hohen Vogelsberg vor, wo besonders viele Windkraftanlagen stehen.

BUND und Nabu sehen sich in der Pflicht, den Ausbau erneuerbarer Energien zu fördern. Denn beide Organisationen haben sich für die Abschaltung der Atomkraftwerke eingesetzt. Gerhard Eppler weist jedoch darauf hin, dass jede Form der erneuerbaren Energien auch ihre „Schattenseiten“ habe. Der Nabu setzt daher einen Akzent auf mehr Energieeffizienz und Energiesparen.

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