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Martin Heipertz (links) und Norbert Altenkamp (am Rednerpult) beim CDU-Parteitag.

Bundestagswahl

Altenkamp siegt knapp

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Bei der Abstimmung über die Nachfolge von Heinz Riesenhuber als Bundestagskandidat siegt der Bad Sodener Bürgermeister Norbert Altenkamp gegen Martin Heipertz, den Quereinsteiger aus Berlin.

Zehn Stimmen mehr für Martin Heipertz und es wäre Spitz auf Knopf gestanden beim Nominierungsparteitag der CDU am Mittwochabend in der Hofheimer Stadthalle: Bei der Abstimmung über die Nachfolge von Heinz Riesenhuber als Bundestagskandidat für den Wahlkreis 181 stimmen 104 Delegierte für den Bad Sodener Bürgermeister Norbert Altenkamp, den die Parteiführung als Kandidaten auserkoren hatte. 83 Delegierte gaben in geheimer Wahl Martin Heipertz ihre Stimme. Der Quereinsteiger aus Berlin hatte, für die örtliche CDU unerwartet, im Spätsommer eine Kampfkandidatur angekündigt. Seinen Vorwahlkampf hatte der 39-jährige gebürtige Kelkheimer vor allem über das Internet geführt – aus Zeitgründen wegen des von der Parteispitze vorverlegten Parteitages und weil ihn ein halbes Dutzend Stadtverbände gar nicht erst zur Vorstellungsrunde eingeladen hatten.

Viele CDU-Delegierte dürften Martin Heipertz deshalb am Mittwoch erstmals persönlich getroffen haben. Als Netzwerker in Berlin stellte sich der promovierte Politologe vor, der in Schäubles Finanzministerium das Referat „Grundsatzfragen der europäischen Politik“ leitet und davor bei der Europäischen Zentralbank gearbeitet hat. Er glaube an die innerparteiliche Demokratie, sagte Heipertz. Beim Rosenkranzbeten habe ihm eine innere Stimme das Wort „Vertrauen“ eingegeben. „Nun lege ich meine Person und meine Reputation in ihre Hände und bitte, dass auch Sie mir vertrauen.“ Er sei „durch und durch Schwarzer“, sagte Heipertz, wolle „das Vertrauen des Volkes in unsere Partei“ wiederherstellen. Dieses habe gelitten, unter anderem durch den Kontrollverlust an den deutschen Grenzen beim Massenzustrom von Flüchtlingen im vergangenen Jahr. „Das Thema wurde noch bei keinem Parteitag so direkt besprochen.“

Als Kandidat für die Bundestagswahl vorgeschlagen wurde Martin Heipertz von der Kelkheimer CDU-Stadtverordneten Birgit Brause, die seine Erzieherin im Kindergarten war. Nach dem Applaus zu schließen, dürften am Mittwochabend vor allem die Delegierten der Hochtaunus-Kommunen und die Kelkheimer hinter ihm gestanden haben.

Axel Wintermeyer, hessischer Staatsminister und CDU-Chef im Main-Taunus-Kreis, schlug Norbert Altenkamp, der seit über zwölf Jahren Bürgermeister der Stadt Bad Soden ist, für die Nachfolge von Heinz Riesenhuber im Bundestag vor. Die Parteispitze habe sich einstimmig für Al-tenkamp ausgesprochen, sagte Wintermeyer. „Wir machen damit ein junges, dynamisches Angebot. Norbert Altenkamp ist einer von uns, ein Mann der Basis, der in Berlin eine gewichtige Stimme für den Wahlkreis abgeben wird.“

Der "Ochsentour-Typ"

Als „bekennenden Beute-Hessen“ bezeichnet sich Altenkamp, der in Nordrhein-Westfalen geboren und aufgewachsen ist, Volkswirtschaftslehre studiert hat und seit 13 Jahren mit seiner Familie in Bad Soden lebt. Er sei der „Ochsentour-Typ“, der die CDU schon in 26 Wahlkämpfen unterstützt, selbst drei Bürgermeisterwahlen auf Anhieb gewonnen habe. Als Pragmatiker sei er gewohnt „jeden Tag Herausforderungen anzunehmen“. Im Berliner Bundestag wolle er vor allem Anwalt der „kommunalen Familie“ sein.

Das am Ende doch sehr knappe Ergebnis, bei dem Martin Heipertz nur wenige Stimmen auf den Sieg fehlten, führte Altenkamp am Tag nach der Wahl darauf zurück, „dass die Mechanismen von früher nicht mehr gelten, bei denen einer den Kurs vorgibt und alle folgen“.

Womöglich sei auch bei vielen Delegierten „der Druck im Kessel“ groß gewesen, sie hätten dann in geheimer Wahl dementsprechend ihr Kreuz gemacht. „Zur Wahl gratuliert haben mir aber am Ende alle.“ Zehn Monate Wahlkampf liegen nun vor Norbert Altenkamp. Den ersten Termin wird er Ende November in Königstein wahrnehmen.

Von „einer Kampagne, wie sie Hessen noch nicht gesehen hat“, sprach gestern Martin Heipertz, der ab Montag wieder im Bundesfinanzministerium an seinem Schreibtisch sitzen wird. Er und sein Team hätten der Demokratie und der CDU einen Dienst in schwerer Zeit erwiesen, ist er überzeugt. „Wir stehen der CDU Hessen für weitere Aufgaben zur Verfügung.“

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