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Im Schnitt arbeiteten niedergelassene Ärztinnen und Ärzte schon jetzt 50 Stunden pro Woche, moniert die KVH.

Terminvergabe bei Ärzten

Ärzte kritisieren "Mogelpackung"

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Bundesgesundheitsminister Spahn soll Terminservice- und Versorgungsgesetz zurücknehmen.

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) hat am Dienstag das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geradezu zerpflückt. Es sei von einer „ärztefeindlichen Diktion“ getragen und schrecke junge Mediziner ab, sich niederzulassen. Sämtliche Versorgungsprobleme würden den Ärzten in die Schuhe geschoben, so KVH-Chef Frank Dastych und Armin Beck von der KHV-Vertreterversammlung. In einer einstimmig verabschiedeten Resolution wird Spahn nun aufgefordert, das Gesetz zurückzunehmen.

Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte würden schon jetzt im Durchschnitt 50 Stunden in der Woche arbeiten. Nun verlange der Minister, dass sie noch mehr arbeiten sollten – etwa durch die Einrichtung einer „offenen Sprechstunde“, die von den Patienten ohne Anmeldung wahrgenommen werden kann. Während bei den Hausärzten offene Sprechstunden bereits üblich seien, seien sie für eine „gut organisierte“ Facharztpraxis „realitätsfern“. Es werde Chaos und Durcheinander angerichtet – etwa, wenn die offene Sprechstunde schlecht angenommen werde oder „plötzlich 20 Patienten am Tresen stehen“. Dastych und Beck befürchten, dass wegen der „Laufkundschaft“ chronisch Kranke zu kurz kommen könnten. Das Ganze sei „eine Riesenmogelpackung“. Außerdem kritisieren sie, dass Mehrarbeit nicht honoriert werde. Schließlich werde das Gesamtbudget für alle niedergelassenen Ärzte in Hessen nicht aufgestockt. 

Die geplante Aufhebung der Zulassungsbeschränkungen für Kinderärzte, Rheumatologen und Psychotherapeuten sei eine weitere „Absurdität“. Sie werde dazu führen, dass es vor allem in den Großstädten und im „Speckgürtel“ rund um Frankfurt zusätzliche Neuzulassungen gebe. Im Hintertaunus, in Limburg und Wetzlar aber gebe es schon jetzt kaum Kinderärzte. Die kinderärztliche Versorgung sei bei den Hausärzten gelandet, sagte Armin Beck, der selbst als Allgemeinmediziner in Hofheim arbeitet. 

 Der HNO-Arzt Dastych hat seine Praxis im Nordhessischen. In seinem Umfeld gebe es vier HNO-Praxen für die bisher vergeblich ein Nachfolger gesucht werde. Es sei „unstrittig“, dass es in einigen Regionen ein „massives Versorgungsproblem“ gebe. In den nächsten Jahren werde der Ärztemangel weiter zunehmen. Dennoch werde durch das TSVG den Patienten „vorgegaukelt, sie könnten alles haben“. Das Patientenverhalten müsse sich ändern – auch wenn dafür „unpopuläre Maßnahmen“ notwendig seien. In den Krankenhäusern seien die Notfallambulanzen durch „Banalerkrankungen verstopft“. Bisweilen würden gleich vier verschiedene Augenärzte im Quartal aufgesucht werden. Es fehle eine sinnvolle Steuerung der Patienten. „Und wir zahlen die Zeche.“

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