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Die Doppeldecker-Busse sind in Frankfurt bei Touristen beliebt.

Doppeldecker-Busse in Frankfurt

Ärger über „Dieselstinker“

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    Ruth Herberg
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Die Doppeldecker-Busse, die Touristen durch Frankfurt fahren, sind teilweise veraltet. Der Stadtverordnete Christoph Schmitt (CDU) ärgert sich über die „Stinker“, doch der Tagestourismus hängt vom Busverkehr ab.

Der Stadtverordnete Christoph Schmitt (CDU) hat auf Facebook die Doppeldecker-Touristenbusse in Frankfurt kritisiert. Zum Foto eines roten Doppeldeckers von Gray Line Frankfurt Sightseeing schrieb er: „Gestern hinter diesem ‚Stinker‘ gefahren. Schwarzer Ruß und ein Dieselgestank, der an die 80er Jahre erinnert. Warum diskutieren wir über ein Verbot relativ moderner Euro-5-Diesel, so lange solche Dinosaurier noch in Frankfurt fahren dürfen?“

„Ich musste das Fenster zumachen, als mir die Rußwolke entgegenkam“, sagte Schmitt der Frankfurter Rundschau. „Das ist doch offensichtlich gesundheitsschädlich“.

Sieben rote Doppeldecker-Touristenbusse führen durch die Stadt, davon drei mit Euro-6-Norm, sagte Joachim Kern, der Geschäftsführer von Frankfurt Sightseeing, die zur Autobus Oberbayern Gruppe gehört. Vor etwa anderthalb Jahren habe Frankfurt Sightseeing einen Bus gekauft, der bis dahin bei einem konkurrierenden Unternehmen gefahren sei. Seitdem gibt es zwei Touristenbus-Anbieter in Frankfurt.

Der Anbieter der blauen Doppeldecker-Touristenbusse ist Green Line ETS Touristik . Das Unternehmen hat derzeit zwei Busse im Einsatz, im Frühjahr soll ein dritter dazu kommen. „Unsere Doppeldeckerbusse haben alle die Euro-6-Norm“, sagte Geschäftsführer Wolfgang Sehr. Beide seien von Mercedes und erst in den vergangenen zwei Jahren neu angeschafft worden.

Die roten Busse von Frankfurt Sightseeing sind Fahrzeuge der Marken UNVI, Volvo und MAN. Ein Bus hat nach Angaben des Unternehmens ein Leergewicht von rund 18 Tonnen und benötigt im Durchschnitt 39 Liter auf 100 Kilometer. Beim Anfahren verbrauchen sie allerdings deutlich mehr Kraftstoff - daher die Rußwolke.

Die drei Fahrzeuge mit Euro-6-Norm sind laut Kern maximal zwei Jahre alt. Zum Teil würden auch historische Fahrzeuge eingesetzt, die älter als 15 Jahre seien, so der Geschäftsführer. Aufgrund von regelmäßigen Wartungen seien sie jedoch in einem technisch einwandfreien Zustand. Die älteren roten Doppeldecker-Busse sind vom Typ MAN SD 202. Die Busse haben 200 PS und elf Liter Hubraum. Gebaut wurden die Busse in den Jahren 1982 bis 1992. Zunächst fuhren sie für die Berliner Verkehrsbetriebe, nun sind sie in mehreren Städten im Einsatz, auch in Frankfurt. Der MAN SD 202 hat laut Frankfurt Sightseeing die Abgasnorm Euro 4 und darf in der Umweltzone fahren.

Für Thomas Feda ist klar, dass die Touristenbusse weiter gebraucht werden. „Die ‚Hop on hop off‘-Busse kommen bei den Touristen schon seit Jahren sehr gut an“, sagte der Geschäftsführer der Tourismus & Congress GmbH. Der Tagestourismus in Frankfurt hänge stark vom Busverkehr ab. Mehr als 164 000 Tagestouristen kämen am Tag nach Frankfurt; jedes Jahr kämen Touristen in zehntausenden Busse in die Stadt. Für die Busanbieter sei es wichtig, die Besucher im Zentrum aus dem Bus lassen und wieder einsammeln zu können.

Während in Frankfurt die ersten Elektrobusse ab Dezember 2018 auf der Linie 75 fahren, griff Feda den Gedanken auf, auch Touristenbusse elektrisch umrüsten zu lassen. Dafür seien die Betreiber gefragt, die teils schon entsprechenden Anfragen zu einer möglichen städtische Förderung der Umrüstung an ihn gestellt hätten.

Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) hatte zuletzt angekündigt, bis Januar 2019 ein neues Elektromobilitätskonzept vorlegen zu wollen. Das Konzept soll sich mit Elektromobilität im öffentlichen Nahverkehr beschäftigen sowie bei Wohnungsbau und Quartiersentwicklung, Fuhrparks, Radverkehr, E-Carsharing, E-Taxis und Ladesäulen.

„Die alten Busse müssen auf jeden Fall schnellstmöglich ertüchtigt werden“, sagt indes Christoph Schmitt.

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