+
Die Aartalbahn verkehrt nur noch als Museumsbahn.

Wiesbaden

Aartalbahn als Zwischenlösung

  • schließen

Ein Interessensvertreter legt neue Vorschläge zur Reaktivierung der Strecke zusätzlich zur Citybahn vor. Demnach könnten die Bahnen auch parallel fahren. Fahrzeuge mit Brennstoffzellen garantierten saubere Luft.

Klaus Wagner wittert Morgenluft. Das Bemühen der Landeshauptstadt, das Diesel-Fahrverbot für Wiesbaden zu verhindern, könnte der bereits für tot erklärten Aartalbahn wieder Leben einhauchen, hofft er. Wagner ist Geschäftsführer der Aartalbahn Infrastruktur Gesellschaft, deren Aufgabe es ist, die seit 2009 stillgelegte Strecke in Schuss zu halten und für den Betrieb der Museumseisenbahn zu sichern. Mit dem Aus für die Aartalbahn, eine Eisenbahn zwischen Wiesbaden und Diez, mochte er sich nie abfinden.

„Die Aartalbahn könnte eine Zwischenlösung sein, bis die Citybahn kommt, oder ein Plan B sein, falls das Bürgerbegehren die Citybahn kippt“, sagt Wagner, der seine Ideen dazu vor wenigen Tagen dem Wiesbadener Verkehrsdezernenten Andreas Kowol (Grüne) und dem Taunussteiner Bürgermeister Sandro Zehner (CDU) schickte und die der Frankfurter Rundschau vorliegen.

Er geht davon aus, dass die Eisenbahn innerhalb von drei Jahren Fahrt aufnehmen kann, sollte das Projekt grünes Licht bekommen. Bis die Citybahn nach Bad Schwalbach geführt werde, würden noch einige Jahre mehr ins Land gehen. Für Wagner ist auch vorstellbar, Citybahn und Aartalbahn im Parallelbetrieb auf der gleichen Strecke fahren zu lassen. Anlass zu Optimismus gibt ihm, dass das Verkehrsministerium Rheinland-Pfalz an das Land Hessen herantreten wolle, um im Zusammenhang mit der Citybahn einen Eisenbahnverkehr von Diez bis Bad Schwalbach zu prüfen. Ohne Citybahn war der Strecke mangelnde Rentabilität bescheinigt worden.

Um die Luft nicht mit Dieselabgasen zu verpesten, schlägt Wagner Lokomotiven mit Brennstoffzellen vor, wie sie auf der Eisenbahnmesse Innotrans vorgestellt wurden. „Der Vorteil ist, dass gerade eine Ausschreibung des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) läuft, die man nutzen kann, um Fahrzeuge zu ordern“, schreibt Wagner.

„Der RMV arbeitet auf anderen Strecken in Hessen über seine Tochter Fahma bereits eng mit Alstom zusammen“, heißt es weiter. So ließe sich eine Lösung finden, wenn die Fahrzeuge nur übergangsweise gebraucht würden. Einige Brücken und Übergänge seien reparaturbedürftig oder neu zu bauen, ebenso ein Gleisstück zum Wiesbadener Hauptbahnhof. Alles in allem sei die Instandsetzung aber kostengünstig. Eine Studie von 2016 über die Verkehrstüchtigkeit der Anlagen liegt vor, weil damals der Betrieb der Touristikbahn untersucht wurde.

Kowol, der die Reaktivierung der Aartalbahn zur Verhinderung des Diesel-Fahrverbots im Februar selbst ins Gespräch gebracht hatte, erklärt durchaus Interesse an einer Übergangslösung oder einem Parallelbetrieb mit der Aartalbahn. Allerdings sei dieser nur mittelfristig ins Auge zu fassen, und es gebe noch zahlreiche Unwägbarkeiten wie juristische, technische und finanzielle Fragen. Die Ergebnisse eines Gutachtens, wie die Citybahn die Aartalbahnstrecke nutzen könne, werde bald erwartet. Wie ein Betrieb der Citybahn und der Aartalbahn verbunden werden könne, werde ebenfalls untersucht.

Für die Stadt steht jedoch fest, dass der Bau der Citybahn absolute Priorität habe, lässt Kowol ausrichten. „Es wird nichts unternommen, was die Citybahn gefährden könne.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare