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Zum Tag der Lithographie setzt Meisterdrucker Manfred Hügelow (l.) die Druckmaschine „Elisabeth“ in Gang.

Offenbach

"So bedeutsam wie Carl Benz"

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Die Senefelder-Stiftung träumt von einem eigenen Lithographie-Museum. Zunächst würde sie sich schon über eine Werkstatt im Bernardbau freuen.

Das ist schon ein eindrucksvolles Schauspiel, wie Bernhard Hügelow an seiner Elisabeth arbeitet. Mal streichelt er das Gummituch an der Walze, mal pinselt oder wischt er mit geheimnisvollen Tinkturen über die dort eingesetzte Steinplatte und rollt eine Handwalze darüber wie ein Welgerholz.

Elisabeth ist die Steindruckpresse, die der Meisterdrucker Hügelow vor Jahren zärtlich nach einer Freundin nannte. Gestern führte er die 80 Jahre alte und 4,5 Tonnen schwere Dame, an der er auch schon Werke von Karl Otto Götz druckte, der Öffentlichkeit vor. Die Offenbacher Künstlerin Katja M. Schneider hatte zuvor eine Jubelszene im Fußball auf die Solnhofer Steinplatte gemalt und Hügelow machte mit Elisabeth davon Drucke.

Die Internationale Senefelder-Stiftung hatte zum Tag der Lithografie auf das Gelände des Druckmaschinen-Herstellers Manroland Sheetfed eingeladen, wo die Stiftung eine kleine Werkstatt unterhält. Elisabeth ist zwar keine Manroland, sondern wurde von der Firma Steinmesse und Stollberg in Nürnberg gebaut. Dennoch lässt sich mit ihr die Geschichte der Lithografie erzählen. Alois Senefelder hatte den Steindruck zwar in München erfunden, aber erstmals um das Jahr 1800 in der Offenbacher Druckerei von Johann Anton André kommerziell genutzt. André konnte später mit dem neuen Verfahren Musiknoten von Wolfgang Amadeus Mozart weltweit verkaufen. Fachleuten zufolge ist die Erfindung der Lithographie ein Schritt in die Moderne. Mit ihr konnten Bilder schneller und mit verbesserter Qualität vervielfältigt werden.

Die Internationale Senefelder-Stiftung möchte die Geschichte und Bedeutung der Lithografie bekannter machen. „Das ist ein ungehobener Schatz“, sagt Stiftungsvorsitzender Gerhard Kilger, „Senefelder ist so bedeutsam wie Gutenberg oder Carl Benz und ein Alleinstellungsmerkmal für Offenbach.“ Auf lange Sicht strebt die Stiftung ein Museum in Offenbach an, wo sie nicht nur die zahlreichen Druckmaschinen und Lithografien, die zurzeit im Hessischen Landesmuseum Darmstadt lagern, ausstellen kann. Sie möchte auch eine lebendige Werkstatt einrichten, wo an den Druckmaschinen gearbeitet werden kann. Geht es nach den Stiftungsmitgliedern, würde das Museum im Bernardbau eingerichtet, nachdem für das zwischenzeitlich dort untergebrachte Bürgerbüro eine neue Bleibe gefunden sein wird. Da völlig unklar ist, wer ein Museum finanzieren könnte, geht aber niemand davon aus, dass ein Senefelder-Museum bald Wirklichkeit wird. Offenbach ist eine sehr arme Stadt.

Zunächst wäre es für die Stiftung schon ein Fortschritt, in einem Teil des Bernardbaus, dem Kesselhaus, eine Werkstatt aufzubauen, wo Künstler und Schüler die Drucktechnik ausprobieren könnten. „Das Kesselhaus könnte die Keimzelle für das Senefelder-Museum sein“, sagt Kilger. Aber die Stadt hat diesbezüglich noch nichts entschieden. Elisabeth soll daher so lange wie Manroland Sheetfed es der Stiftung ermöglicht, dort bleiben, wo heute ihre hochmodernen Vettern hergestellt werden.

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