Bad Homburg/Oberursel

Gefeilscht wird nicht

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Der Frauenring organisiert Benefiz-Basare. Gefeilscht wird nicht, das würde Chaos beim Abrechnen bringen, Flohmarkt-Atmosphäre ist nicht gewollt.

Man spürt den Respekt und den Dank auch nach vielen Jahren noch, wenn Ute Schmitz-Sinn von „Mrs. McCloy“ spricht. Von Ellen McCloy, der Ehefrau des amerikanischen Hochkommissars John McCloy, die in den ersten Jahren der Nachkriegszeit „all ihre Mittel und ihre Beziehungen“ den Menschen in Bad Homburg zur Verfügung gestellt habe. Eine erste Tauschbörse fand 1947 statt, es war das Gründungsjahr des Frauenrings. Unter dem Protektorat der Amerikanerin wurde zwei Jahre später der erste Weihnachtsbasar in der Alten Bibliothek ein großer Erfolg. Im Jahr darauf stellte Mrs. McCloy sogar ihr Haus für den Basar zur Verfügung.

Ute Schmitz-Sinn ist seit 1969 beim alljährlichen Wohltätigkeitsbasar der Ortsgruppe Bad Homburg des Deutschen Frauenrings dabei. „Und glücklich, dass wir jetzt hier sein dürfen.“ Gemeint ist der Veranstaltungsort im großen Kurhaussaal, die Stadt überlässt ihn über die Kur dem Frauenring kostenlos. Damit möglichst viel Geld übrig bleibt, um alle Jahre wieder bedürftige Frauen in der Kurstadt unterstützen zu können. Rund 6500 Euro waren das im vergangenen Jahr, am Wochenende ist es wieder gut gelaufen, weil auch der Spendentisch gut gefüllt war.

Die Kronleuchter im Kursaal strahlen, beim Basar geht alles seinen geordneten Gang nach klar vorgegebenen Regeln. Dafür sorgen rund 25 Damen des Frauenrings. Mit Namensschild, aber diskret, umsichtig, perfekt vorbereitet. Jeder Anbieter ist auf einer Karteikarte unter einer „Bürger Nummer XY“ ohne Namen mit seinem Angebot und dem erwarteten Erlös erfasst, ein Extravermerk zeigt an, ob am Ende zu reduziertem Preis verkauft werden kann.

Gefeilscht wird nicht, das würde Chaos beim Abrechnen bringen, Flohmarkt-Atmosphäre ist nicht gewollt. Die zwei Dutzend Damen nehmen die Ware am Vorabend  an, sind das komplette Wochenende auf den Beinen, bei der Abholung der Reste wird abgerechnet. 20 Prozent vom Verkaufserlös bleiben in der Frauenring-Kasse, von den Spendentischen sogar 100 Prozent.

Elisabeth Ratte, die Vorsitzende des Sozialausschusses, hat die Oberaufsicht. „Frau Fleige, können sie nicht die Bilder machen?“ So kam die Stadträtin aus den Reihen der Bürgerliste Bad Homburg (BLB) zu ihrem Wohltätigkeitsjob auf und vor der Bühne. Im Frauenring ist sie Mitglied, am Samstag durfte sie Bilder schleppen. Bühne rauf, Bühne runter, zum Verpacken am anderen Ende des Saals, bezahlt wird gegen Quittung am Hauptschalter am Eingang, wo fünf Damen die Ordnung im Blick haben.

Ungewollte Gleichzeitigkeit

In der Nachbarstadt Oberursel, wo die Frauenring-Ortsgruppe parallel ihren 35. Wohltätigkeitsbasar mit ähnlichem Angebot ausrichtet, stehen die Bilder unter der Galerie der Bundespräsidenten im Rathaussaal. Ein nachdenklicher Trinker mit Weinglas und Gottvertrauen im Blick unter Frank Steinmeier, ein Sonnenblumenstrauß unter dem glücklosen Christian Wulff. Auch hier Jacken, Blazer für Damen und Herren, Mäntel, Pelze, jede Menge Taschen, Schmuck und gut erhaltene Küchenutensilien.

Verkauft wird nach den gleichen Regeln, die Gleichzeitigkeit der beiden Basare nennt Annegret Hagenbring vom Teamvorstand „ein Pech“, weil man sich die potenzielle Kundschaft natürlich nicht gegenseitig abspenstig machen wolle. Die Räume vergeben die Kommunen, da muss man nehmen was man kriegt und darf nicht wählerisch sein, auch was den Zeitpunkt des Basars betrifft. 2017 hat Oberursel 5400 Euro Gewinn erwirtschaftet, profitiert hat die Caritas. Dieses Jahr geht der Erlös an das Kinderhaus im Camp King.

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