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Luise 34 in Offenbach

Billig und besonders

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Das Sozialkaufhaus Luise 34 in Offenbach dient seit zehn Jahren der Qualifizierung, Begegnung und dem günstigen Einkaufen.

„Das Luise 34“ ist ein Kaufhaus, aber es ist noch viel mehr. Kommt man rein, gibt es ein kleines Café, im Verkaufsraum sind Esstische, Sofagarnituren, Schränke, Regale und Beistelltische präsentiert. Gleich daneben gibt es eine Abteilung mit fein sortierter Bekleidung. Außerdem gibt es Gläsersets, Lampen und andere kleinere Gegenstände. Und es werden vor Ort genähte Taschen und Deko-Artikel verkauft. Die Preise sind vergleichsweise günstig, die Waren aus zweiter Hand.

Pro Tag kommen rund 250 Menschen in das Geschäft, sagt Leiterin Michelle Serret. Nicht alle kaufen etwas. Aber darauf kommt es hier nicht an. Das Luise ist auch ein Ort der Begegnung, eine erste Arbeitsstelle nach langer Arbeitslosigkeit.

Manche Kunden kämen auch eine Weile lang jeden Tag, um zu schauen, ob etwas Passendes dabei ist, weiß Serret. Denn das Angebot ändert sich alle paar Tage – je nachdem was gespendet wird. „Der Bedarf ist sehr groß“, sagt die Sozialpädagogin, die das Haus seit einem Jahr führt. „Vor allem Küchen, denn die sind natürlich sehr teuer.“ Aber auch andere Möbel kommen gut an. Wer etwas spenden möchte, kann im Kaufhaus anrufen. Nach einer Begutachtung per Foto oder persönlich, bauen die Mitarbeiter die Möbel ab und nehmen sie mit. „Zu Spendern in Stadt und Kreis Offenbach und Frankfurt fahren wir eigentlich immer“, sagt sie. Wohnt jemand weiter weg, käme es auf das Angebot an. Im Kaufhaus-Lager werden die Möbel wieder aufgebaut und dann schön präsentiert. Später bringen die Mitarbeiter die Waren dann zu den Kunden nach Hause und bauen sie dort auf.

Möglich machen das rund 45 Personen. Neben der Leiterin gibt es einen Fahrer, drei Fachanleiter für Lager, Verkauf und Verwaltung und den Kleiderladen. Den Anleitern zugeteilt sind 39 Personen, die das Jobcenter schickt. Für 30 von ihnen bietet das Luise eine Arbeitsgelegenheit, mit denen sie sich als so genannter Ein-Euro-Job etwas zur Grundsicherung hinzuverdienen können.

Neun von ihnen haben über das Bundesprogramm soziale Teilhabe einen Arbeitsvertrag mit Mindestlohn, der aus Bundesmitteln bezahlt wird. Neben dem Verkauf der Waren wird das Projekt aus Mitteln des Jobcenters Mainarbeit und über Kirchensteuer finanziert.

„Offenbach bemüht sich, niemanden am Rand stehen zu lassen“, sagte der Chef des Jobcenters, Matthias Schulze-Böing beim Festakt zum zehnjährigen Bestehen des Sozialkaufhauses gestern. Einrichtungen wie Luise oder deren Trägerunternehmen Carijob seien dafür wichtige „Knotenpunkte“.

Mehr als 1100 Langzeitarbeitslose seien in den vergangenen Jahren in verschiedenen Maßnahmen des Sozialkaufhauses beschäftigte gewesen, resümiert der Direktor der Caritas Offenbach, Bernd Bleines. „Manche davon nur wenige Wochen, andere hingegen mehrere Jahre.“ Mehrere 100 Wohnung seien dank der Möbel aus dem Kaufhaus eingerichtet worden „und wir haben es geschafft, die Müllberge etwas zu reduzieren“.

Rund 80 Prozent der Kunden leben laut Anette Bacher, die bei der Caritas für das Projekt zuständig ist, von Grundsicherung. Zuletzt seien viele Rumänen, Bulgaren und Ungarn dazu gekommen. Rund fünf Prozent kauften dort ohne Not ein oder um das Projekt zu unterstützen.

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