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Trauer um die Opfer: Ein Mann hat in der Nähe des Absturzortes der Epic E1000 einen Strauß roter Rosen abgestellt.

Flugplatzgegner

Business-Jets über dem Wohngebiet

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Nach dem Absturz eines Flugzeugs sehen sich die Flugplatzgegner vom Betreiber des Egelsbacher Flughafens getäuscht.

Günther de las Heras, Vorsitzender der Flug-Lärm-Abwehr-Gemeinschaft Egelsbach (flag-e), ist nach dem Flugzeugabsturz bestürzt und wütend. Der Flugplatz Egelsbach, der einst für Kleinflugzeuge geplant wurde, sei für Business-Aviation „völlig ungeeignet“, sagt der Egelsbacher. Es sei unverantwortlich, dass Flugzeuge unmittelbar an der Wohnbebauung starten, landen und trainieren. Die Verantwortlichen müssten unbedingt darüber nachdenken, was wichtiger sei: Sicherheit oder Profit.

In den vergangenen Jahren habe der Betreiber den Flugplatzgegnern signalisiert, dass auf dem Flugplatz Egelsbach für erhöhte Sicherheit gesorgt worden sei. „Nach dem Absturz sind wir nun extrem verunsichert“, so de las Heras. Flag-e sei schon seit Jahren dagegen, dass Business-Jets, die man professionell fliegen muss, in Egelsbach landen. Der Pilot müsse nämlich im Landeanflug nach Sicht fliegen, weil ein Instrumentenlandesystem mit dem Großflughafen Frankfurt konkurriere, der nur zehn Kilometer entfernt ist. „Warum können die Business-Jets nicht dort landen?“, fragt er.

„Rund um den Flugplatz ist es bei uns ruhiger geworden“, sagt Tobias Wilbrand, Bürgermeister der Gemeinde Egelsbach (Grüne). Der Flugplatz stoße nach wie vor nicht auf Gegenliebe, aber es gebe keine breite Gegenwehr mehr. Die Lage habe sich vor allem entspannt, weil die Firma jetzt statt der lauten Hubschrauberflüge Simulatoren verwende.

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Dass die Proteste weniger geworden sind, bestätigt auch Brigitte Putz-Weller von den Naturfreunden Egelsbach-Erzhausen. Die Ausbaupläne für das Radarsystem seien vom Tisch, „die Fahrradkorsos gegen die Erweiterung des Flugplatzes veranstalten wir seit zwei Jahren nicht mehr.“

Die Akzeptanz sei wohl gestiegen, weil die Lärmbelästigung in den vergangenen Jahren nicht mehr gewachsen sei, sagt Wilbrand. Die sogenannte Platzrunde – ein Rundflug um das Areal – sorge zwar immer mal wieder für Beschwerden, weil man die kleinen Sportflieger mit ihrem knatternden Geräusch überall in Egelsbach hören könne. „Es gibt Bürger, denen die Jets lieber sind als die Sportflieger“, sagt der Bürgermeister. Andere würden behaupten, das Geschirr wackle in den Schränken beim Abflug der Jets. Der Egelsbacher Ortskern liegt rund einen Kilometer vom Flugplatz entfernt, einige Häuser nur 500 Meter. Auch gebe es Diskussionen, ob die Flugspur immer gehalten wird.

„Wir kriegen ihn nicht weg“, sagt Wilbrand. Deshalb müsse man auch dem Betreiber die Möglichkeit geben, „auf Null rauszukommen“. Gleichzeitig hätten die Bürger Angst, dass mal ein Flieger über dem Gewerbe- und Einkaufsgebiet abstürzt.

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