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Solide, aber keine Vorzeigestation.
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Solide, aber keine Vorzeigestation.

Bahnhofstest Kassel-Wilhelmshöhe

Burger-Bräter statt Warteraum

  • VonJoachim F. Tornau
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In Kassel-Wilhelmshöhe spart die Bahn am Service. Je später der Abend, desto unwirtlicher. Von Joachim F. Tornau

Die Bahnhofsmission soll es richten. Am Eingang zum Reisezentrum verkündet ein Zettel die unfrohe Botschaft: Für Reisende, die in Kassel-Wilhelmshöhe auf den Zug warten und weder stehen, noch frieren wollen, fühlt sich die Deutsche Bahn nicht zuständig. "Bitte", heißt es auf dem Aushang, "nutzen Sie zum Warten die zahlreichen Sitzplätze in den gastronomischen Betrieben oder den großzügigen und beheizten Aufenthaltsbereich der Bahnhofsmission." Und auf keinen Fall das Reisezentrum.

Die ICE-Station am Rand der nordhessischen Großstadt, 1991 als bis dahin aufwändigster Bahnhofsneubau der Nachkriegszeit eröffnet, kann bald den 20. Geburtstag feiern. Mit dem Start des Hochgeschwindigkeitsverkehrs auf der Schiene wurde der futuristisch wirkende Bahnhof eröffnet - und Kassel war damit der zentrale Umsteigepunkt im Netz der Deutschen Bahn.

Das Beine-in-den-Bauch-Stehen ist in all der Zeit jedoch nicht schöner geworden: Früher hatte es wenigstens noch einen kleinen beheizten Warteraum mit Sitzplätzen gegeben. Doch der ist unterdessen der Mini-Filiale einer Fastfood-Kette gewichen. Seitdem konkurrieren zwei Pommesbräter im Bahnhof miteinander. Und wer seinen Zug nicht auf zugigen Bänken im Freien erwarten will, hat nur noch die Wahl, wo er lieber beim Frittieren zuschauen möchte. Einzige Alternative: das

Asia-Restaurant. Oder eben ein Besuch bei der Bahnhofsmission - die allerdings nur bis 18 Uhr geöffnet hat.

Je später der Abend, desto unwirtlicher der Bahnhof: Um 20 Uhr schließen die Schalter, um 21 Uhr die Geschäfte, und um 22 Uhr ist es auch mit dem Aufenthalt in der - kürzlich immerhin ansprechend renovierten - Gastronomiezone vorbei. Die letzten Züge aber verlassen Kassel-Wilhelmshöhe in der Regel erst gegen Mitternacht. Dennoch hält die Bahn ihr Angebot an Wartemöglichkeiten für "ausreichend": "Einen klassischen Warteraum", lässt ein Sprecher wissen, "wird es nicht geben."

Christliche Nächstenliebe statt eigenem Service : Auch die Golfcaddies, mit denen sich gehbehinderte und ältere Reisende zum Zug bringen lassen konnten, hat die Bahn abgeschafft. Die beiden Fahrzeuge seien "nicht mehr reparierfähig" gewesen, teilt der Bahnsprecher mit. Und auch hier

sprang die Bahnhofsmission mit einem eigens angeschafften Gefährt in die Bresche: Reisende, welche die bis zu 400 Meter langen Wege vom Empfangsgebäude zu ihrem Abteil nicht zu Fuß bewältigen können, müssen sich lediglich einen Tag vorher unter der Telefonnummer (0561) 37107 anmelden.

Rollstuhlfahrer haben allerdings auch kaum eine andere Wahl: "Die Rampen", kritisiert Helmut Ernst, Vorsitzender des Kasseler Behindertenbeirats, "sind einfach zu steil - ohne Hilfe kommt man da nicht hinauf." In punkto Barrierefreiheit stellt er dem Bahnhof generell kein gutes Zeugnis aus: Es gebe "entschieden zu wenig" Behindertenparkplätze und trotz ständigen Anmahnens immer noch kein Leitsystem für Blinde. "Das kann man auf Dauer so nicht akzeptieren," moniert Ernst.

Doch auch allzu offensichtliche Mängel, das zeigt ein anderes Beispiel, können am Bahnhof in Kassel-Wilhelmshöhe langlebig sein: Von den 400 abschließbaren Fahrradstellplätzen, die ursprünglich einmal von der Bahn versprochen worden waren, sind bis heute ganze 13 Boxen entstanden. "Ich weiß von Kunden", berichtet Alexander Luzniak, Geschäftsführer des Fahrradladens im Bahnhof, "die nicht mehr mit der Bahn fahren, weil sie hier ihr Rad nicht sicher abstellen können."

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