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„Aufstehen“ wollen sie, eine soziale Sammlungsbewegung werden.

Bewegung

200 „Buntwesten“ stehen in Wiesbaden auf

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Beim „Familientreffen“ auf dem Schlossplatz werden erste Kontakte geknüpft

Noch kommen sie daher wie eine kleine Familie, in der sich die Mitglieder zwar nicht kennen, sich aber in der Grundeinstellung einig sind. Rund 200 Männer und Frauen, ihr Erkennungszeichen meist eine gelbe oder orangefarbene Weste, haben sich am Samstag um die Mittagsstunde auf dem Wiesbadener Schlossplatz versammelt, um Teil eines Netzwerkes zu werden. Gefolgt sind sie dem Aufruf der Bewegung „Aufstehen“, die 2018 von der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht gegründet wurde. Ein großes buntes Netz quer und längs durch die Republik wollen sie bilden.

Am Samstag wollten die Buntwesten in möglichst allen Landeshauptstädten gleichzeitig auftreten, um zu zeigen, wie viele und wie vielfältig sie schon sind. Einig im Geiste, dass es Zeit ist aufzustehen für gute und gerecht bezahlte Pflege, für Klimaschutz, für gute Bildung, gegen Krieg und Ausbeutung, gegen Altersarmut, für Menschenwürde statt sozialen Abstieg, gegen Lobbyismus, gegen Hartz IV, für Hilfe statt Hass, für Solidarität statt Ausbeutung. So steht es auf den vielen mitgebrachten Tafeln, die von den friedlichen Demonstranten mitgeführt werden. Ein buntes Bild in der Vorfrühlingssonne, die den Optimismus der Protestanten sichtlich beflügelt.

Vom „Familientreffen“ hat der Wiesbadener Organisator gesprochen, einem Ort zum Kennenlernen und Knüpfen von ersten Netzwerkfäden. Ans Mikro darf jeder, um für seine Gruppe Ziele zu definieren und Treffpunkte und -zeiten zu bewerben. Die Eva vom Hochtaunus-Verband, der Dieter aus Darmstadt, die Monika aus Frankfurt und unter besonderem Beifall der Chris aus Mainz als Vertreter der benachbarten Landeshauptstadt, die keine eigene Demo organisiert hatte. Aber: „Wir wollen mit euch in Rhein-Main zusammenarbeiten“, verkündet Chris Kunst unter Beifall und Trillerpfeifengeräuschen.

Noch sind es überall kleine Grüppchen, die Frankfurter Aktivistengruppe wird mit 60 Mitgliedern schon als „riesig“ bezeichnet. Immerhin schon knapp 200 Ortsgruppen sind registriert, aber die Aktivistenzahlen sind noch meilenweit entfernt von den 170 000, die sich auf der Internetseite der „Aufstehen“-Bewegung als Sympathisanten bezeichnet haben.

„Wir sind am Anfang eines Marathons bei Kilometer 0,5“, sagt ein Gewerkschafter in gelber Weste mit mahnender Stimme. Unter Jubel werden Grußbotschaften mit Solidaritätsbekundungen aus Frankreich verlesen, gemeinsam singen sie den Refrain „Wir sind aufgestanden“ zur stampfenden Melodie von Queens „We will rock you“ als Bekräftigung ihrer Ziele. Sie müssen gegen die Mittagsglocken der Marktkirche ansingen, aber in diesem Moment sind sie fast ein bisschen lauter. Es ist eine friedliche Mittagsstunde, Gegenprotest rührt sich nicht, die Stadtpolizei kann sich entspannt im Hintergrund halten.

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