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Die Lüftungsanlage wird per Bagger demontiert.

Bad Homburg

Bunker und Penthouse verschwinden

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Der Abriss des ehemaligen Postgebäudes am Bahnhof hat begonnen. In den kommenden Jahren soll hier ein Unterhaltungskomplex mit Kino und Musik-Club entstehen.

Es ist das wohl wichtigste Bauprojekt der kommenden Jahre in Bad Homburg: In unmittelbarer Nähe zum Bahnhof soll ein Unterhaltungskomplex mit Kino und Musik-Club entstehen. Darüber hinaus ist ein Parkhaus geplant und auch die Stadtwerke sollen nach dem Willen der politischen Mehrheit mit ihrer Verwaltung aus Ober-Erlenbach an den Bahnhof umziehen.

Bevor es mit den Neubauten losgehen kann, muss allerdings erst einmal das alte Postgebäude verschwinden, das sich auf dem dafür vorgesehenen Grundstück befindet. Auch wenn von außen noch nicht viel zu sehen ist – im Inneren haben die Abrissarbeiten bereits begonnen.

Zunächst einmal hätten die beauftragten Unternehmen das lose Inventar herausgeschafft, erläutert der zuständige Projektleiter Mark-Reimar Reiffen vom Bauamt der Stadt. Derzeit geht es vor allem darum, Schadstoffe wie Asbest und PCB zu entsorgen, die in dem 70er-Jahre-Bau noch vorhanden sind.

Für die Postmitarbeiter seien die Giftstoffe unschädlich gewesen, betont Reiffen. Beim Ausbau jedoch könnten sie für die Arbeiter gefährlich werden, sollten diese den dabei entstehenden Staub einatmen. Deshalb müssen sie Sicherheitskleidung tragen und die betreffenden Bereiche sind abgesperrt.

Ohnehin werde bei einem Abriss heutzutage darauf geachtet, die verschiedenen Baumaterialien voneinander zu trennen. „Wir versuchen, möglichst viel wiederzuverwerten“, sagt Roger Wagner von der Firma Competenza, die mit der Bauleitung beauftragt ist. Das gilt etwa für die Stahlträger oder das Mauerwerk, das eventuell sogar für einen Neubau genutzt werden könne. „Je nachdem, wie sortenrein das Material ist.“ Zur Not werde es in einem Bahndamm verbaut.

Nicht auseinandergebaut wird allerdings die große Lüftungsanlage im Keller. Hier habe man lediglich das Öl abgelassen und die Mineralwolle entfernt. Um die Rohre kümmere sich dann der Bagger. „Das lässt sich auch anschließend noch sehr gut trennen“, erläutert Mark Fentroß vom Abbruch-Unternehmen Zeller.

Bis Mai soll der gesamte Abriss beendet sein. Ab Februar werde man dann auch von außen etwas mitbekommen, kündigt Reiffen an. Um die Lärmbelastung möglichst gering zu halten, soll die Fassade so lange wie möglich stehen bleiben, erläutert Roger Wagner. „Sie dient uns als Schallschutz.“ Abgerissen werde von innen nach außen. Gut dabei sei, dass das Postgebäude einen Innenhof habe. „Den können wir als Schuttlager nutzen“, erklärt Mark Fentroß.

Überrascht waren die Baufirmen, dass sie im Obergeschoss des Gebäudes keine Büros, sondern zwei Penthouse-Wohnungen vorgefunden haben. „Sie dienten wohl als Vorstandswohnungen“, vermutet Fentroß. Ebenfalls für ein Abbruchgebäude nicht alltäglich: Die Post verfügte über einen eigenen Bunker.

Im Fall der Fälle hätte hier wohl eine dreistellige Zahl an Menschen unterkommen können. „Wir wissen aber nicht genau, für wen er gedacht war“, sagt Bauamts-Mitarbeiter Mark-Reimar Reiffen. Es seien leider nicht mehr viele Unterlagen vorhanden.

Dafür kann man darin noch ein imposantes Gerät besichtigen, das für die Frischluftzufuhr sorgen sollte. Es war mit einem Elektromotor ausgestattet, aber auch mit einer Handpumpe. Das habe aber wohl nur psychologische Gründe gehabt. „Die Leute sollten etwas zu tun haben.“ Von außen ist von dem Bunker nichts zu sehen. Lediglich mehrere Metallplatten vor dem Postgebäude weisen darauf hin – hinter ihnen verbergen sich die Ausstiege.

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