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Zahlreiche Berufssoldatinnen und -soldaten geben öffentlich ihr Gelöbnis vor dem Reichstagsgebäude in Berlin ab. An Masten weht die deutsche Flagge.
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Der langjährige Neonazi-Anführer in Kassel, Christian Wenzel, war als Reservist bei der Bundeswehr aktiv. Unser Archivbild zeigt Berufssoldatinnen und -soldaten bei ihrem Gelöbnis vor dem Reichstagsgebäude.

Rechtsextremismus

Skandal in Hessen: Neonazi-Anführer war Reservist bei der Bundeswehr

  • Hanning Voigts
    vonHanning Voigts
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Der langjährige Neonazi-Anführer in Kassel, Christian Wenzel, war als Reservist bei der Bundeswehr aktiv. Der Hessische Innenminister Peter Beuth soll Antworten geben.

Kassel – Die letzten Schlagzeilen über Christian Wenzel liegen noch nicht allzu lange zurück. Vor zwei Wochen hatte die Antifa-Recherchegruppe „Task“ aus Kassel aufgedeckt, dass der Lokführer aus Helsa und langjährige Neonazi-Anführer bei der Kommunalwahl im März im Landkreis Kassel für die AfD antritt. Die AfD hatte Wenzel daraufhin kurzerhand aus der Partei geworfen und behauptet, nie etwas von seiner rechtsextremen Vergangenheit gewusst zu haben. Auf dem Stimmzettel wird Wenzel am 14. März trotzdem stehen.

Nun stellt sich heraus, dass der 1977 geborene Wenzel bis vor kurzem auch in der Bundeswehr aktiv war. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau war er Reservist eines Panzergrenadierbataillons, das im Osten Mecklenburg-Vorpommerns stationiert ist. Im Januar war er etwa dabei, als Reservisten seines Bataillons in einer nahe ihrem Standort gelegenen Stadt bei der Nachverfolgung von Infektionsketten in der Coronavirus-Pandemie aushalfen. Mittlerweile wurde Wenzel als Reservist entlassen, offenbar als Reaktion auf die mediale Berichterstattung über seine Kandidatur für die AfD und seinen politischen Hintergrund. Über sein Engagement bei der Bundeswehr hatte zuerst die HR-„Hessenschau“ berichtet.

Bundeswehr: Neonazi-Anführer und Ex-AfD-Mitglied aus Helsa war Reservist

Dass Wenzels Tätigkeit bei der Bundeswehr für Wirbel sorgt, überrascht nicht. Anfang der 2000er Jahre war er Gründer der gewaltbereiten „Kameradschaft Kassel“, unterhielt enge Kontakte zu thüringischen Neonazis und zum mittlerweile verbotenen Neonazi-Netzwerk „Blood and Honour“. Wegen solcher Kontakte ins Umfeld des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) war Wenzel 2017 als Zeuge im NSU-Untersuchungsausschuss des Hessischen Landtags vernommen worden. Aus seiner Zeit in der rechten Szene ist er zudem eng mit Stephan Ernst bekannt, dem Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke*.

Ein Sprecher des Militärischen Abschirmdienstes (MAD), der für verfassungsfeindliche Tendenzen innerhalb der Bundeswehr zuständig ist, sagte der FR, bei konkreten Verdachtsmomenten für extremistisches Verhalten schalte man sich immer ein, so dass Reservist:innen „dauerhaft nicht zu Reserveübungen herangezogen werden oder ihre Reserveübung unmittelbar beenden müssen“. Die Schwelle liege dabei deutlich niedriger als bei der Entlassung aktiver Soldat:innen. Für Reservist:innen sei der MAD aber nur dann zuständig, „wenn ein Reservist aktuell Reservedienst ableistet oder er ausnahmsweise in einem aktiven Dienstverhältnis steht“.

Landtag beschäftigt sich mit dem Neonazi-Anführer und seiner Zeit bei der Bundeswehr

Die Frage, warum Wenzels Aktivitäten der Bundeswehr nicht früher bekannt wurden, wird nun den Landtag beschäftigen. Hermann Schaus, innenpolitischer Sprecher der Linksfraktion, sagte der FR, er könne sich kaum vorstellen, dass Wenzels Vergangenheit dem MAD nicht bekannt gewesen sei. „Herr Wenzel ist seit 25 Jahren in der nordhessischen Neonaziszene aktiv und wurde vom Verfassungsschutz beobachtet“, sagte Schaus. Er werde Innenminister Peter Beuth (CDU) in der Sitzung des Innenausschusses am heutigen Donnerstag (11.02.2021) fragen, ob und wann das Hessische Landesamt für Verfassungsschutz Informationen über Wenzel an den MAD weitergegeben habe. Die Zahl der rechten Vorfälle in der Polizei und in der Bundeswehr wirft die Frage nach strukturellen Problemen auf. (Hanning Voigts) *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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