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Gute Stimmung beim CSD in Darmstadt.

Christopher Street Day

Besucherrekord beim CSD in Darmstadt

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Bis zu 2000 Besucher feiern am Samstag den Christopher Street Day in der Innenstadt von Darmstadt.

In der Bundesversammlung im Februar hat Drag-Queen Olivia Jones den Bundespräsidenten mitgewählt, im Juni stimmte der Bundestag mit breiter Mehrheit für die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare – wer nun aber glaube, dass es für Lesben, Schwule oder Transmenschen keine Themen beim Christopher Street Day (CSD) gebe, der irre, sagt Stefan Kräh. Der Vorsitzende des ausrichtenden Vereins Vielbunt war einer der Hauptredner beim Demonstrationszug am Samstag durch die Darmstädter Innenstadt.

Seit 2011 richtet Vielbunt den CSD in Darmstadt aus, in diesem Jahr verzeichnete der Verein einen Besucherrekord. Von rund 1500 Teilnehmern an der Demo sprach die Polizei, die Veranstalter von bis zu 2000 Teilnehmern. „So viele hatten wir noch nie“, sagt Kräh. Auch Gruppen aus Frankfurt, Wiesbaden oder Karlsruhe beteiligten sich an dem Demonstrationszug, der vom Luisenplatz über die Landgraf-Georg-Straße bis zum Riegerplatz führte.

Die Regenbogenflaggen dominierten das Bild, einzelne Teilnehmer hatten sich als Drag--Queens herausgeputzt, nur wenige liefen bei strahlendem Sonnenschein in Lederkluft mit. Vor der „Krone“ hielt der bunte Demozug für eine Kundgebung an.

„Wir sind es leider gewohnt, dass unsere Demo als ‚schrille Parade‘ bezeichnet wird – klar gibt es einige schrille Figuren, aber es gibt nach wie vor ernste Themen, für die wir auf die Straße gehen“, sagt Kräh.

In die Freude über die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare mische sich die Erkenntnis, dass körperliche und verbale Gewalt gegen Homosexuelle deutlich zugenommen habe. „Ich selbst wurde dieses Jahr schon zweimal auf der Straße angepöbelt“, sagt Kräh. Die Hemmschwelle der Täter sei gesunken, inzwischen werde nicht mehr heimlich über Homosexuelle hergezogen, sondern in aller Öffentlichkeit.

„Es gibt auch Gruppierungen, die etwa beim Sexualkundeunterricht die Zeit zurückdrehen wollen“, sagt Jan Rothermel, einer der Organisatoren der CSD-Demonstration. Wanja Kilber von Quarteera, der Organisation für russischsprachige Schwule, Lesben und Transmenschen in Deutschland, erinnerte an die Situation von Russen, die vor den Diskriminierungsgesetzen aus Russland geflohen sind. „Seit drei Jahren sind wir deutschlandweit aktiv, um diese Menschen zu unterstützen“, sagt er.

Besonders schlimm stehe es um die Situation von Homosexuellen in Tschetschenien, sagt Kräh. „Dutzende Menschen wurden in illegale Gefängnisse verschleppt und gefoltert, nur weil sie schwul sind“, sagt er.

Auch Vielbunt habe das Außenministerium aufgefordert, politisch zu reagieren, doch die Antwort des Ministeriums sei unbefriedigend gewesen. „Durch Demos wie zum CSD können wir aber den Druck auf die politisch Verantwortlichen erhöhen, deshalb ist der CSD noch längst keine überholte Veranstaltung“, sagt Rothermel.

Erstmals musste Vielbunt in diesem Jahr ein Sicherheitskonzept für den Demonstrationszug und das Fest am Riegerplatz vorlegen. „Der Platz liegt aber ideal, so dass keine Betonpoller nötig sind“, sagt Rothermel. Alle 120 Helfer mussten mit Funkgeräten ausgestattet werden. „Die technische Ausrüstung haben uns die Organisatoren des Kölner CSD zur Verfügung gestellt“, sagt er, „wir besuchen uns nicht nur gegenseitig, sondern unterstützen uns natürlich auch.“

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