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Patricia Lips aus Urberach wird wieder in den Bundestag einziehen.

Bundestagswahl

Vom Kreis Offenbach direkt nach Berlin

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Zwei CDU-Bewerber aus den Wahlkreisen 185 und 187 holen das Direktmandat und ziehen in den Bundestag ein, drei weitere Kandidaten schaffen den Einzug über die Landeslisten.

Der Kreis Offenbach ist in Berlin erneut gut vertreten. Wie in der vergangenen Legislaturperiode ziehen nun wieder fünf Bewerber, die in den Wahlkreisen 185 und 187 angetreten sind, in den Deutschen Bundestag. Neben den beiden CDU-Direktkandidaten Patricia Lips und Björn Simon schafften es auch Wolfgang Strengmann-Kuhn (Grüne), Christine Buchholz (Linke) und Jens Zimmermann (SPD) über die Landeslisten ihrer Parteien in die Reihen der insgesamt 709 Abgeordneten.

In beiden Wahlkreisen lief am Sonntagabend aber etwas schief. Im Wahlkreis 185 Offenbach waren kurz nach 22 Uhr auf der Internetseite plötzlich nur noch die Ergebnisse aus 90 Wahlbezirken zu sehen – obwohl zu diesem Zeitpunkt schon 282 ausgezählt waren. Ursache war ein Fehler beim Darmstädter Dienstleister ekom21, der die Wahl technisch betreute. Dort fiel für rund 15 Minuten ein Server aus. Im Anschluss bekam die Software aber keine aktualisierten Daten mehr für den Kreis Offenbach. Nur noch die 90 Wahlbezirke der Stadt Offenbach gingen online. „Beim Landeswahlleiter waren sämtliche Ergebnisse aber verfügbar“, so Kerstin Holzheimer von der Pressestelle der Stadt.

Im Wahlkreis 187 fehlte bis weit nach Mitternacht ein Rodgauer Wahlbezirk. „In einem Wahllokal im Stadtteil Nieder-Roden hat man sich verzählt“, erklärte Sabine Hooke, Pressesprecherin der Stadt. „Es gab einen Stimmzettel zu viel, im Wählerverzeichnis war ein Wähler weniger abgehakt.“ Die Stimmzettel wurden noch zweimal durchgezählt – mit dem gleichen Ergebnis. Dann wurde die Wahlleiterin Simone Lapointe zu Hilfe gerufen, die mit ihrem Mitarbeiter ins Wahllokal fuhr, die gestressten Wahlhelfer beruhigte, „alles auf Null setzte“, so Hooke, und erneut durchzählen ließ. „Um kurz vor 1 Uhr war das richtige Ergebnis dann endlich da“, sagte Hooke. Erst im Anschluss konnte der Landeswahlleiter das vorläufige amtliche Wahlergebnis für den Wahlkreis 187 bekanntgeben.

Einer, der sehnlichst darauf wartete, war der SPD-Kandidat Jens Zimmermann. Am Sonntag verfehlte er das Direktmandat im Wahlkreis 187 Odenwald, musste zittern, ob er über die Landesliste in den Bundestag einzieht. „Um 2 Uhr haben noch 30 Wahlkreise über ganz Deutschland verteilt gefehlt“, sagte er am Montagmittag, als er schon auf dem Weg nach Berlin war. „Um 3 Uhr nachts hat dann meine Mitarbeiterin im Büro des Bundeswahlleiters angerufen.“ So kam er an die Information, „dass es gut ausschaut für mich“. Kurz nach 5 Uhr morgens veröffentlichte der Bundeswahlleiter dann das Ergebnis. Es war knapp, aber nicht so knapp wie beim letzten Mal, als er als 631. und damit letzter Abgeordneter in den Bundestag einzog. „Es gab diesmal noch andere, bei denen es noch knapper war“, sagte er.

Für Christine Buchholz war ihr Einzug in den Bundestag dagegen keine Überraschung. „Das Feedback und die Resonanz während des Wahlkampfes war für mich deutlich positiver als beim letzten Mal“, sagte sie und freute sich besonders, dass die hessischen Linken jetzt vier statt bisher drei Abgeordnete nach Berlin entsenden.

Die Wähler im Kreis Offenbach trugen am Sonntag erheblich dazu bei, dass Lips und Simon nun direkt in den Bundestag einziehen. „Simon hat gegenüber seinem Kontrahenten Tuna Firat einen Vorsprung von 18 000 Stimmen. Davon sind 17 000 aus den Städten im Kreis Offenbach“, diagnostizierte CDU-Kreisvorsitzender Frank Lortz. „Aus dem Stand gleich das Mandat zu bekommen, freut mich sehr“, sagte Björn Simon. Er hatte erstmals für den Bundestag kandidiert. „Leicht wird es aber nicht mit sechs Fraktionen“, blickte er auf seine Arbeit voraus.

Lips errang 15 000 Stimmen mehr als Zimmermann; davon kamen allein 11 000 aus Seligenstadt, Rodgau, Rödermark, Hainburg und Mainhausen. Mit dem Bundes- und dem Landesergebnis ihrer Partei ist sie aber gar nicht zufrieden. „Ich erwarte, dass in der Union jetzt eine vernünftige Wahlanalyse gemacht wird – anders als bisher.“

Lips hat eine klare Vorstellung, wie es zum Erfolg der AfD kam: „Die AfD-Wähler haben durchgewählt.“ Heißt: Sie haben ihr Kreuzchen sowohl in der Erst- als auch in der Zweitstimme bei der AfD gesetzt. Ausgerechnet in Dreieich erhielten die Rechtspopulisten kreisweit gesehen aber die wenigsten Stimmen – obwohl man dort wegen der internationalen Fußballakademie die meisten Protestwähler vermutet hätte. Der Denkzettel für SPD und CDU, die das umstrittene Projekt durchgesetzt haben, war nicht so groß wie vermutet.

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