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Wiesbadener Wahlalternative am Kreisel Parkstraße/Aukammallee.

Wiesbaden

Ingmar Jung gewinnt

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Der Neffe des früheren Bundesministers Franz-Josef Jung gewinnt das Direktmandat in Wiesbaden. Freude herrscht auch bei der FDP.

Der Jubel im CDU-Fraktionszimmer war gewaltig. Wiesbaden wird wieder von einem christdemokratischen Direktkandidaten in Berlin vertreten. Der 38-jährige Ingmar Jung aus Eltville hat mit Abstand den Kampf um die Erststimmen gewonnen. Der Neffe des früheren Bundesministers Franz-Josef Jung (CDU) wird zum ersten Mal im Bundestag sitzen.

Der Jurist war bislang als Staatssekretär im hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst tätig. Die Wiesbadener CDU hat somit seit 2008 alle Wahlkreise auf Landes- und Bundesebene gewonnen, sagte die scheidende CDU-Bundestagsabgeordnete Kristina Schröder.

Der Sozialdemokrat Simon Rottloff hat somit sein Ziel verfehlt, das Mandat für die SPD zu holen. Der 40-jährige Bürokaufmann war zum zweiten Mal bei einer Bundestagswahl angetreten und hatte intensiv für das Ticket nach Berlin gearbeitet.

Er erreichte zwar sechs, sieben Prozentpunkte mehr als seine Partei mit der Zweitstimme, aber den bundesweiten Abwärtstrend der SPD habe er auch nicht stoppen können, sagte er erschöpft.

Drittstärkste Kraft wird die FDP. Mehr als 13 Prozent der Wähler votierten für die Freidemokraten, etwa doppelt so viele wie bei der Bundestagswahl 2013. Entsprechend euphorisch war die Stimmung. „Wir lassen uns diesen Tag nicht von der AfD verderben“, rief der FDP-Kandidat Lucas Schwalbach, 25, seinen Parteifreunden zu, die ausgelassen das Comeback der Freien Demokraten nach ihrer vierjährigen Auszeit im Bund feierten.

Möglicherweise kommt die AfD in Wiesbaden nur auf den fünften Platz. Bis 22 Uhr sah es nach Auszählung der großen Mehrheit der Wahlkreise so aus, als lägen die Grünen mit etwas mehr als elf Prozent Wählerzustimmung mit hauchdünnem Vorsprung vor der AfD. Die Grünen haben somit ihr Ergebnis von 2013 in etwa gehalten. Der AfD-Kandidat Michael Horst Goebel erreichte bei den Erststimmen ein zweistelliges Ergebnis, an das der Grünen-Kandidat Felix Möller nicht herankam. Die Linken konnten ihr Ergebnis um drei Prozentpunkte steigern und legten mehr als die Hälfte zu.

Ingmar Jung bedankte sich nicht nur bei seinem Wahlkampfteam für die große Unterstützung. Um eine Lanze für die Demokratie zu brechen, sagte er auch den Kandidaten und Wahlkämpfern der anderen Parteien Dank für ihren intensiven Einsatz. Der Wahlkampf sei in der Sache hart gewesen, aber der Umgang miteinander fair. Bei der ersten Begegnung der beiden Spitzenkandidaten Jung und Rottloff zeigte sich das gute Miteinander in herzlichen Umarmungen und Schulterklopfen.

Schröder hält das Ende der großen Koalition für eine Chance auf einen Aufbruch in der Bundespolitik. Weitere vier Jahre wären eine „bleierne Zeit“ geworden. Sie sprach der SPD ihren Respekt dafür aus, das diese die Oppositionsrolle annehme. Die Verantwortlichen in CDU, FDP und Grünen müssten sich nun zusammenraufen.

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