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Eine Engelsfigur aus erinnert an einer improvisierten Gedenkstätte an die getötete Susanna.

Mordfall Susanna

Mordprozess im Fall Susanna beginnt voraussichtlich 2019

Ein Mord in Wiesbaden beschäftigt im Sommer 2018 ganz Deutschland: Die vermisste Susanna aus Mainz wird tot in einem Gebüsch gefunden. Tatverdächtig ist ein Flüchtling. Für 2019 wird der Prozessbeginn erwartet.

Am Rande einer Schnellstraße im Wiesbadener Stadtteil Erbenheim erinnern am Wegesrand zwei schlichte Holzkreuze an die 14-jährige Susanna. Teils mit Laub bedeckt stehen abgebrannte Kerzen dazwischen, umgekippte Engelsfiguren und fleckige Plüschtiere. Die provisorische Gedenkstätte liegt wenige hundert Meter vom Fundort der Leiche entfernt, ein Gebüsch am Rande einer Bahnstrecke. Inzwischen lassen nur noch ein Netz von Trampelpfaden und einige gestutzte Bäume vermuten, dass dort im Sommer 2018 dutzende Polizisten im Einsatz waren.

Der Mordfall kommt voraussichtlich 2019 vor das Wiesbadener Landgericht, der Tatverdächtige Ali B. sitzt seit mehreren Monaten in Untersuchungshaft. Der irakische Flüchtling hatte gestanden, in der Nacht zum 23. Mai 2018 Susanna getötet zu haben. Seit dem Abend galt das Mädchen als vermisst. Die Leiche wurde erst am 6. Juni gefunden. Die Ermittlungen gegen Ali B. brachten schrittchenweise immer neue Erkenntnisse über sein Leben in Wiesbaden und sein Straftatenregister ans Tageslicht.

Waren es zunächst Fälle von Raub, Körperverletzung und Widerstand gegen die Polizei, steht inzwischen ein weiterer massiver Vorwürfe im Raum: Er soll vor dem Mord an Susanna ein elfjähriges Mädchen vergewaltigt haben. In diesem Fall erging ein zweiter Haftbefehl gegen ihn. Ali B. bestreitet beide Vergewaltigungen. Die Fälle werden aller Voraussicht nach in einem gemeinsamen Verfahren vor Gericht kommen. Zum Tatzeitpunkt war der junge Mann den Ermittlungen zufolge 21 Jahre alt - für ihn kommt somit kein Jugendstrafrecht in Betracht.

Der Fall hatte auch wegen der Umstände rund um die Festnahme des Verdächtigen bundesweit für Aufsehen gesorgt. Wenige Tage nach der Tat war der junge Iraker zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern in den kurdisch kontrollieren Nordirak ausgereist.

Festnahme im Nordirak

Doch die Flucht half ihm nicht. Die kurdischen Sicherheitsbehörden nahmen ihn dort fest und übergaben ihn der Bundespolizei, die Ali B. zurück nach Hessen brachte. Dazu flog der Chef der Bundespolizei, Dieter Romann, im Juni persönlich in den Nordirak. Die Reise brachte ihm Ärger mit der Frankfurter Staatsanwaltschaft ein: Sie ermittelt wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung. Romann soll den Verdächtigen womöglich auf illegalem Weg nach Deutschland gebracht haben.

Die Abschiebung aus dem Nordirak stieß auf Skepsis von Rechtsexperten und auf Kritik der irakischen Zentralregierung, da es laut Bagdad kein Auslieferungsabkommen zwischen dem Irak und Deutschland gebe.

Der Mordfall Susanna war mehr als ein grausames Verbrechen, er wurde zum Politikum. Rechtspopulisten benutzten die Tat, um gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung ins Feld zu ziehen - wie bei ähnlichen Verbrechen in Freiburg oder Kandel. In Wiesbaden und Mainz gab es Kundgebungen, aber auch Gegendemonstrationen. Zum Prozessauftakt in Wiesbaden könnte die Debatte um kriminelle Flüchtlinge wieder Fahrt aufnehmen. (Andrea Löbbecke, dpa)

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