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Selbst die Welt entdecken: Kinder beim Spinnen-Projekt in der Uhland-Straße.

Maintal

Auf dem Weg zur besten Tagesstätte

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Das Familienzentrum Bischofsheim steht im Finale des Wettbewerbs "Deutsche Kita des Jahres".

Das Kind steht als Individuum im Mittelpunkt, an seinen Interessen, Fähigkeiten, Stärken und Themen richtet sich das pädagogische Konzept aus. Nur so werden Lernkompetenz und damit Bildungschancen eröffnet: Mit einem einzigartigen Konzept hat sich das Familienzentrum Ludwig-Uhland-Straße in Maintal-Bischofsheim für den Deutschen Kita-Preis „Kita des Jahres“ beworben, den die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung und das Bundesfamilienministerium erstmals ausgelobt haben. Die Maintaler Einrichtung ist die einzige aus Hessen und ins Finale der letzten 30 vorgedrungen – 1400 Kindertagesstätten hatten sich von Mai bis Juli beworben.

„Die Karg-Stiftung aus Frankfurt hatte uns die Bewerbung ans Herz gelegt“, erzählt Leiterin Gabi Steltner-Merz. Seit etwa zehn Jahren arbeite man daran, eine „exzellente Bildungsbegleitung für Kinder“ auf die Beine zu stellen. Dabei gucke man über den Tellerrand. Immer wieder schaue sich das Team bei Inforeisen etwa nach Finnland oder Italien pädagogische Konzepte ab: „Was machen die anders, wie können wir es umsetzten?“ So werde das sogenannte neuseeländische Dokumentationsverfahren für Bildungs- und Lerngeschichten angewandt.

Nicht nur die Kinder entwickelten sich hier, auch das Team lerne ständig dazu, arbeite interdisziplinär, erklärt die stellvertretende Leiterin Tina Knorr. Die Kinder bekämen kein vorgefertigtes Programm geliefert, sondern würden ermuntert, sich aufgrund ihrer Interessen und Stärken die Welt selbst zu erschließen und dadurch wie von selbst Lernkompetenz zu entwickeln. „Projektarbeit“ heißt das Zauberwort.

„Das schafft auch einen viel positiveren Blick der Eltern auf ihre Kinder, die sonst meist darauf hinweisen, was der oder die Kleine noch nicht kann“, sagt Steltner-Merz. „Die wertfreie Beobachtung wurde zum Ausgangspunkt unseres Handelns. Wir haben uns aus der Sicherheit von Wochenplänen verabschiedet und uns an den Lernstrategien und Stärken der Kinder orientiert. Dann wurde klar, dass eine differenzierte und gut strukturierte Projektarbeit mit Kindern erforderlich ist“, erklärt sie das Alleinstellungsmerkmal.

Weil die Kita offen sei für die Nachbarn, die Bürger, seien natürlich auch die Eltern mit im Boot. Denn man sei nicht nur Kita, sondern auch Familien- und Elternberatungsstelle, Stadtteiltreff. Beschäftigt würden Sozial-, Tanz- und Musikpädagogin bis hin zur Wildnispädagogin für die „Waldgruppe“ und die Psychomotorikpädagogin. „Das ganze Team hat den Spirit unseres Konzepts aufgesaugt. Das motiviert auch ungemein. Nur wer zusammen dazulernt, kann zusammen etwas verändern.“ Und „Vernetzung“ sei alles: Kooperation mit Schulen, mit der Kindertagespflege und die ganz besonders enge Zusammenarbeit mit der Stadt Maintal gehören dazu.

Anfang Dezember sollen die zehn Besten feststehen. Diese bekommen Besuch von Experten, die sich jeweils zwei Tage lang umschauten. In Bischofsheim drücken sie die Daumen: „Unter die letzten Zehn zu kommen wäre eine enorme Anerkennung und Wertschätzung unserer Arbeit.“

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