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Vorbild Gauland: Ein junges AfD-Mitglied mit der Krawatte, die als Markenzeichen des Bundesvorsitzenden der Partei gilt.

Junge Alternative

AfD-Jugend bemüht sich um Schadensbegrenzung

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  • Carsten Meyer
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Die Junge Alternative wirft einen rechtsextremen Burschenschafter raus, mit dem Landeschef Nolte zusammenarbeitete.

Die AfD scheint sich noch nicht entschieden zu haben, ob sie auf die drohende Beobachtung durch den Bundesverfassungsschutz lieber mit Panik oder mit Trotz reagieren möchte – oder mit beidem.

In Hessen zeigt sich das an der aktuellen Diskussion um den Landesverband der Jungen Alternative (JA) besonders deutlich. Obwohl die Parteijugend bislang nicht im Visier des hiesigen Verfassungsschutzes steht, obwohl auch im AfD-Bundesvorstand mancher die hessische Nachwuchsorganisation für hinreichend gemäßigt hält, strebt der JA-Landesvorstand sicherheitshalber die Auflösung an (die FR berichtete).

Dennoch verkündete der Landeschef der Jungalternativen, der AfD-Bundestagsabgeordnete Jan Nolte, nun via Facebook: „Die jungen Menschen in der JA Hessen sind anständige Patrioten!“ Der Verband habe „kein strukturelles Problem“, ahnde „Fehlverhalten“ (das es nur in Ausnahmefällen gegeben habe) konsequent und werde auch vom AfD-Landesvorstand als „bürgerlich-konservativ“ bezeichnet. Was denn nun? Sind die hessischen Jungalternativen nun ein Risiko für die Partei oder nicht?

Wer darauf Antworten sucht, kann bei Landeschef Jan Nolte selbst beginnen. Im Skandal um den rechtsextremen Bundeswehroffizier Franco A., der sich als syrischer Flüchtling ausgab und Mordanschläge auf Politiker geplant haben soll, stellte er einen damals noch unter Mittäterverdacht stehenden Mann demonstrativ als Referenten im Bundestag ein. Und auch im Vorstand des JA-Kreisverbands Waldeck-Frankenberg arbeitete er bis jetzt mit zwei Männern zusammen, die eher nicht unter die landläufige Definition von „bürgerlich-konservativ“ fallen.

Vorsitzender Karl Christian Emde outete sich im Internet unter anderem als Fan von „Phalanx Europa“, einem Modelabel aus dem Spektrum der vom Verfassungsschutz beobachteten „Identitären Bewegung“, und klickte bei einem Facebook-Foto des früheren NPD-Chefs Udo Pastörs auf „Gefällt mir“. Auf Anfrage der FR lässt Emde mitteilen, dass er sich von „jedweder inhaltlichen und weltanschaulichen Position“ der NPD distanziere.

Unverhohlen rechtsextrem dagegen tritt der Mann auf, der im August zu seinem Stellvertreter gewählt wurde: Tristan Lessing fiel erstmals 2010 als Besucher eines Rechtsrockkonzerts im westfälischen Warburg auf. Im Jahr darauf nahm er am Neonaziaufmarsch zum Jahrestag der Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg teil – und lief dort inmitten der braunen Kameradschaft „Freier Widerstand Kassel“.

Heute gehört er zur Aktivitas der offen neonazistischen Kasseler Burschenschaft Germania. Der Studentenbund hatte erst kürzlich wieder für Aufsehen gesorgt, als er bei Facebook ein Hitler-Zitat postete und den bekannten rechtsextremen Funktionär und Szeneanwalt Björn Clemens, Vorstandsmitglied der geschichtsrevisionistischen „Gesellschaft für freie Publizistik“, zu einem Vortrag einlud. Gegenüber der Polizei trat Lessing am Veranstaltungsabend Mitte November als verantwortlicher Ansprechpartner auf. Und auch seine Zugehörigkeit zur „Identitären Bewegung“ verhehlt er nicht: Auf einem Video, das die Identitären selbst ins Netz gestellt haben, ist der Burschenschafter gut erkennbar bei einer Aktion gegen die Documenta im Sommer 2017 zu sehen. In Flugblättern setzte die rechtsextreme Organisation damals Einwanderung mit Mord und Totschlag gleich – und hetzte gegen die Weltkunstschau als angebliche Propagandaveranstaltung für das „Blutopfer der Neuen Weltordnung“ und den „großen Bevölkerungsaustausch in Deutschland und Europa“.

Von der FR mit diesen Rechercheergebnissen konfrontiert, ist Landesvorsitzender Jan Nolte um sofortige Schadensbegrenzung bemüht: Man habe Lessing, der in der JA ohnehin „kaum aktiv“ gewesen sei und von dessen anderweitigen Aktivitäten man nichts gewusst habe, soeben ausgeschlossen, sagte er am Freitag. Die Zugehörigkeit zur Germania erklärte Nolte zwar ausdrücklich für unproblematisch; schließlich werde der Studentenbund nicht vom Verfassungsschutz beobachtet. Aber: „Eine Zusammenarbeit mit der Identitären Bewegung ist mit der Mitgliedschaft in der JA unvereinbar.“

Berichte über Verbindungen zwischen Jungalternativen und Identitären gibt es indes immer wieder, auch in Hessen. Und sie reichen nicht nur in Waldeck-Frankenberg bis in die Funktionärsebene. So sind etwa im Kasseler Kreisverband sowohl Vorsitzender Marius Deuker als auch sein Vize Carsten Dietrich ausweislich ihrer Social-Media-Profile mit etlichen Anhängern der „Identitären Bewegung“ verbandelt. Gegenüber ihrem Landeschef sollen sich beide ahnungslos gegeben haben: Sie wüssten selbst nicht so genau, mit wem sie da in Kontakt stünden.

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