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Auch beim Fußball spielt Plastik eine Rolle.

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BUND zieht rote Karte wegen Mikroplastik

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Altenstadt will zwei Spielfelder mit Kunstrasen ausstatten. Die Umweltorganisation fordert einen völligen Verzicht.

Der BUND Wetterau fordert einen sofortigen Planungsstopp für den Bau zweier Fußballfelder mit Kunstrasen. Der Sportplatzbelag trage erheblich dazu bei, dass Mikroplastik in die Umwelt und damit auch in Gewässer gelange. Der Gemeinde Altenstadt sind mittlerweile auch Bedenken gekommen. Gesucht wird nun nach einer Alternative mit geringstmöglichen Schaden für die Umwelt.

„Das große Spielfeld ist ein Tennenplatz, der im Sommer hart wie Beton ist“, erklärt Bürgermeister Norbert Syguda (SPD) die Investition von rund einer Million Euro. Mit dem Betrag soll zudem ein kleines Spielfeld für die Jugend-Kicker entstehen. Wegen der täglichen Belastung scheidet jedoch ein Naturrasen aus, so Syguda. „Im Jugendbereich hat der Spielbetrieb deutlich zugenommen“, heißt es. „Klar hat auch die grüne Kunststofffaser einen Abrieb, aber das Problem ist das Granulat, in dem die grüne Faser wie ein Grashalm steckt“, sagt Syguda. Früher seien für das Granulat Altreifen recycelt worden. Altpneus war gestern, heute wird neuer Kunststoff verwendet. „Über dessen Größenordnung des Abriebs könne man sich streiten“. Syguda sieht in diesem Material ein erheblich kleineres Umweltübel.

So etwas gibt es beim BUND nicht. „Mikroplastik gehört nicht in unsere Umwelt“, steht für Werner Neumann, Vorsitzender des Kreisverbands Wetterau, fest. Für die Gemeinde könnte sich der Kunstrasen zudem möglicherweise schon bald als Fehlinvestition erweisen, wenn in wenigen Jahren dieser Belag verboten werde und für viel Geld wieder entsorgt werden müsse.

Laut Berechnungen des Fraunhofer-Instituts Umsicht in Oberhausen stellen Sportplätze die drittgrößte Quelle für Mikroplastik in Deutschland dar, weit etwa vor Kosmetika. Den Forschern zufolge gelangen aus Sportplätzen pro Jahr rund 11 000 Tonnen Mikroplastik in die Umwelt. Die Folgen finden sich nicht allein in den Meeren wieder. In Titting im Altmühltal hat sich jüngst ein Fußballverein gegen einen Kunstrasen mit Kunststoffgranulat entschieden, meldet der Bayerische Rundfunk. Die örtliche Brauerei, ein Sponsor des Vereins, hatte Bedenken geäußert, weil der Platz neben einem Wasserschutzgebiet liegt.

Einen Kunstrasen mit nahezu keinem Umweltmakel, diese Option will die Gemeinde Altenstadt demnächst in Abtsteinach im Odenwald unter die Lupe nehmen. Der dortige Kunstfaserhersteller MET hat mit seinem Partner Field Turf, einem der größten Hersteller von Sportbelägen, einen Kunstrasen entwickelt, der ohne Mikroplastik auskommt. „Der Halm wird nicht mehr von einem Granulat, sondern von einer zweiten Faser gestützt“, erklärt Juniorchef und Betriebsleiter Christian Morton von MET. Die Dämpfungsfunktion übernehme eine Sandschicht. Seit zwei Jahren laufe die Erprobungsphase etwa bei der TSG Hoffenheim mit einer Indoor-Trainingsfläche. Es sei bislang kein stärkerer Verschleiß im Vergleich zu bisherigen Kunstrasenkonstruktionen festzustellen.

Auch im Bergstraßendorf Abtsteinach liegt seit Sommer 2018 ein Referenzfeld, das noch unter ständiger Kontrolle des Herstellers steht. Bürgermeisterin Angelika Beckenbach sind bislang keine Beschwerden von der SG Unter-Abtsteinach zu Ohren gekommen. Vereinschef Hans-Josef Arnold sagt: „Wir haben jeden Tag Spielbetrieb.“ Der Verein zählt mehr als 70 Fußballer und ist in der Verbandsliga Süd sowie in der Kreisliga A Bergstraße vertreten. „Das Ballverhalten auf dem neuen Kunstrasen ist top“, sagt Arnold.

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