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Schwimmbäder ? hier das Frankfurter Brentanobad ? sind in diesem Sommer überfüllt.

2018 in Hessen

Der unerträgliche Sommer 2018

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Das Jahr 2018 im Rückblick. Ab April bis Juni ist keine Abkühlung in Sicht: Viele Hessen sind von der dauerhaften Hitze extrem genervt.

Als das Thermometer am 7. April in manchen Städten auf bis zu 24 Grad klettert, sind die meisten Hessen einfach nur froh. Der Temperaturanstieg kommt plötzlich und unerwartet, keine drei Wochen zuvor hat es noch heftig geschneit. Die Leute laufen im T-Shirt herum, Eisdielen vermelden für Anfang April Rekordumsätze, es wird darüber diskutiert, ob die Freibäder nicht schon früher öffnen können. Das Wetter in Hessen ist großartig. So empfinden es zumindest die allermeisten Leute. Sie können ja nicht ahnen, was ihnen noch bevorsteht.

Nur wenige Wochen später nämlich kippt die Stimmung. Denn die Temperaturen gehen nicht mehr zurück. Es gibt keinen Frühling im eigentlichen Sinne. Der Winter ist direkt in den Sommer übergegangen. In einen „Jahrhundertsommer“, wie es schnell heißt. Neu ist dieser Begriff nicht, in den vergangenen Jahren war davon schon häufiger mal die Rede. Doch 2018 ist das Jahr, in dem zumindest die Mehrheit der Menschen Hitze und permanenten Sonnenschein nicht mehr nur positiv sehen. Manche beklagen, der Klimawandel sei nun endgültig angekommen und lasse sich auch nicht mehr stoppen, für andere stehen wirtschaftliche Folgen (Stichwort: Ernteausfälle) im Mittelpunkt, die meisten sind einfach genervt, weil sie schwitzen, schwitzen, schwitzen – und nirgendwo Abkühlung in Sicht ist.

Dabei sind es gar nicht mal die ganz extremen Temperaturen, auf die das Thermometer klettert. In der Regel wird es in Hessen nicht wärmer als 35 Grad. Das war zwei Jahre zuvor anders, da ging es an die 40 Grad heran. Doch die hohen Temperaturen halten sich beständig. Und so vermeldet der Deutsche Wetterdienst am 19. September einen neuen Rekord für Hessen. An 103 Tagen war es 25 Grad oder wärmer.

Doch die Temperaturen sind nur das eine große Klimathema in diesem Sommer. Viel problematischer – gerade für die Bauern – ist die Trockenheit. Gibt es im Frühling noch einzelne Gewitter, die zum Teil heftig ausfallen (am 13. Mai werden in Frankfurt fast 100 Flüge gestrichen, im Vogelsbergkreis kämpfen Feuerwehrleute verzweifelt gegen Wasser, Schlamm und Geröll), bleibt ab Juni so gut wie jeder Regen aus. Die Bauern können ihre Felder gar nicht so intensiv bewässern, wie es nötig wäre, in Frankfurt vertrocknen die Grünflächen. Am Mainufer, wo einmal Rasen wuchs, ist nur noch braune Erde geblieben.

Wegen der Feuergefahr herrscht absolutes Grillverbot, selbst ein Theaterstück im Freien muss abgebrochen werden, weil Pyrotechnik zum Einsatz kommen sollte. Die Feuerwehr sagt, sie könne die Verantwortung dafür nicht übernehmen, ein umherfliegender Funke reiche aus, um einen Flächenbrand auszulösen. Als der Sommer seinen Höhepunkt erreicht, teilt die Stadt Frankfurt mit, sie könne die Bewässerung von Bäumen nicht mehr sicherstellen. Die Einwohner der Stadt werden aufgefordert, öffentliches Grün zu gießen.

Derweil fährt die Polizei mit Wasserwerfern durch den Günthersburgpark und spritzt die Büsche nass – die vielen Kinder, die rund um das Fahrzeug laufen, werden ebenfalls geduscht.
Zumindest halten sich die Hessen an die Tipps des Gesundheitsamts. Nur an wenigen Tagen vermelden die Notaufnahmen besonders viele Hitzeopfer, denn die Menschen trinken genug. Am 26. Juli verbrauchen die Einwohner im Rhein-Main-Gebiet 370.000 Kubikmeter Wasser. Das entspricht der Füllmenge von 100 Olympia-Schwimmbecken. Doch woher kommt das Wasser eigentlich? Frankfurt kann seinen Flüssigkeitsbedarf längst nicht mehr alleine decken und braucht Unterstützung aus dem Vogelsberg. Dort sollen die Menschen dafür mit dem Wasser haushalten. Ist das gerecht? Auch diese Frage wird in diesem Sommer diskutiert.

Die Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) sagt derweil, mit derartigen Sommermonaten sei in den kommenden Jahren wohl öfter zu rechnen. Es müsse in Zukunft deshalb ganz anders gebaut werden. Viel weniger versiegelte Flächen, viel mehr Platz für Pflanzen, etwa an Häuserwänden. Einstweilen lässt Heilig sogenannte Grüne Zimmer aufstellen – dabei handelt sich um Bänke inmitten einer Mini-Grünanlage. Die Konstruktion schafft es ins Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler. Der Popularität von Heiligs Grünen tut das keinen Abbruch. Das erfolgreiche Abschneiden der Partei bei der Landtagswahl dürfte auch mit diesem für viele so unerträglichen Sommer zu tun haben.

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