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Rund 200 Menschen beteiligten sich am Freitagmittag an einem „Trauerspaziergang“ entlang des Lichtwiesenwegs. 

Verkehr

Bürgerprotest gegen Baumfällungen in Darmstadt

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Das Verkehrsunternehmen Heag Mobilo lässt die Trasse für den umstrittenen Bau der Straßenbahnstrecke zum Außencampus Lichtwiese der TU Darmstadt freiräumen.

Sie kamen in Scharen zu Fuß, zum Teil mit dem Fahrrad und – wie etwa einige Stadtverordnete – auch mit dem Auto: Mehr als 200 überwiegend ältere Menschen haben am Freitagmittag an einem „Trauerspaziergang“ teilgenommen, um gegen die Fällung von mehreren Dutzend Bäumen entlang des Lichtwiesenwegs zu demonstrieren. Die Bäume stehen der umstrittenen Straßenbahntrasse im Weg, die in diesem Jahr zum Campus Lichtwiese der Technischen Universität (TU) Darmstadt gebaut werden soll.

Im Auftrag des städtischen Verkehrsunternehmens Heag Mobilo hat ein Unternehmen am Donnerstag damit begonnen, die Bäume zu fällen. Die Arbeiten müssen wegen der Brutzeit der Vögel bis zum 28. Februar erledigt sein.

Entlang der 1300 Meter langen Tramtrasse müssen nach Angaben des Verkehrsunternehmens 31 einzelne Bäume weichen. Zusätzlich werden auf einer rund 1800 Quadratmeter umfassenden Fläche, die überwiegend Gelände der TU Darmstadt ist, Gehölze, Bäume und Büsche entfernt. Die Bürgerinitiative „Pro Lichtwiese“, die auch zu dem Trauerspaziergang eingeladen hatte, sprach von „63 todgeweihten Bäumen auf der Lichtwiese“. Entsprechend den Vorgaben des Planfeststellungsverfahrens wird Heag Mobilo für die gefällten Bäume rund 75 000 Euro als Ausgleichsmaßnahme an die Stiftung Hofgut Oberfeld überweisen. Mit dem Geld wird die Stiftung auf einer Fläche von mehr als 20 000 Quadratmetern das Hofgut auf biologischen Landbau umstellen.

Am Donnerstagvormittag hatten Mitarbeiter einer Rodungsfirma aus dem Vogelsbergkreis damit begonnen, von Westen kommend in Richtung Osten die mit roten Kreuzen markierten Bäume zu fällen sowie Büsche mit Spezialmaschinen zu entfernen. Die Stämme und Äste wurden anschließend zerkleinert und abtransportiert. Bis Freitagnachmittag waren alle Bäume beseitigt.

Einige der Protestierer hatten für den Trauerspaziergang selbst gebastelte Transparente angefertigt. Auf denen standen Parolen wie „Rettet den Ostpark“, „Bienen statt Schienen“ oder „Meise statt Gleise“.

Der Architekturprofessor Herbert von Wehrden kritisierte für die Bürgerinitiative, dass ein Naherholungsgebiet zerstört werde, das Ende der Sechzigerjahre geschaffen worden sei. Der scharfzüngige Kolumnist Charly Landzettel hielt auf der bereits gerodeten Fläche eine „Trauerrede“. Er sprach mit Blick auf die Baumstümpfe von einem „traurigen Anblick“.

Zwei Bürger wollten sich den Arbeitern in den Weg stellen und sich auf Bäume setzen. Nach einer eindringlichen Ermahnung durch Polizeibeamte verließen sie den abgesperrten Sicherheitsbereich aber wieder.

Baukosten

Der Bau der etwas mehr als einen Kilometer langen Straßenbahntrasse von der Nieder-Ramstädter Straße entlang des Lichtwiesenwegs zum Campus Lichtwiese der TU Darmstadt hat sich gegenüber der Kostenschätzung von 2015 um rund vier Millionen auf 20,2 Millionen Euro verteuert.

Die Stadt muss 9,5 Millionen Euro zu dem Projekt beisteuern und nicht 5,8 Millionen Euro, wie bisher kalkuliert.

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