Die Schwedin Olga Pedan (24) gipst eine Puppe an eine Säule in der Lichthalle.
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Die Schwedin Olga Pedan (24) gipst eine Puppe an eine Säule in der Lichthalle.

Städelschule Rundgang

Bühne frei für die Kunst

Rundgang durch die Frankfurter Städelschule: Von Sülze über Malerei bis zur Tapete aus Rettungsfolie ist an diesem Wochenende alles dabei.

Von Grete Götze

Rundgang durch die Frankfurter Städelschule: Von Sülze über Malerei bis zur Tapete aus Rettungsfolie ist an diesem Wochenende alles dabei.

Unter der Decke der Küche der Filmklasse thront gerade ein Klavier. In dem Raum können die Besucher des Städelschul-Rundgangs an diesem Wochenende Schweinskopf-Sülze essen, einem Chor lauschen oder zum Pianospiel ihre Köpfe in die Höhe recken. Zubereitet und konserviert haben das Essen Dana Munro und ihre Kommilitonen, die alle bei Douglas Gordon studieren. „Kunst bedeutet Aktivität, etwas gemeinsam auf die Beine zu stellen“, sagt Munro. Der Raum, in dem sie steht, atmet den Geist von Peter Kubelka, der es einst zur Bedingung für sein Engagement an der Kunstakademie machte, dass ein Raum zur Küche umgebaut wird.

„Der Rundgang ist der einzige Moment im Jahr, an dem wir uns komplett öffnen“, erklärt Nikolaus Hirsch, Direktor der Städelschule. An den anderen 362 Tagen sehe man eher Laptops und Kaffeebecher, ergänzt Professorin und Documenta-13-Künstlerin Judith Hopf. In diesem Jahr sind die Arbeiten der Filmklasse erstmals ins Filmmuseum verlagert, sodass die Aula für Performances genutzt werden kann. Und Gastprofessor Carsten Nicolai stellt mit Studenten im Museum für Moderne Kunst aus. Zwölf Professoren unterrichten an der Städelschule, Schüler von zehn Professoren stellen ihre Arbeiten aus. Die meisten von ihnen studieren Kunst, ein kleiner Teil Architektur. Mehr als die Hälfte kommen aus dem Ausland.

In der Architekturklasse ist Sophia Passberger (25) die einzige Deutsche. Sie hat mit ihren 28 Kommilitonen einen Raum komplett mit Wärmeschutzfolie verpackt und ihn „The silver studio – A space oddity“ getauft. An den Wänden sind hügelartige Silber-Landschaften zu sehen, auf denen Modelle aus Styropor stehen. „Das Semesterthema war Innerlichkeit“, erklärt Passberger. Angelehnt an Andy Warhols silberne Fabrik sei die Idee der silbernen Verkleidung entstanden.

Im Erdgeschoss entdeckt der Besucher im Atelier H9 zwei Hüllen von Merle Richter und Lysander Rohringer namens „Diplomatic Pouch“, also diplomatisches Gepäck. Eine ist aus einem Zink-Kupfer-Stoff geschneidert und hat einen Erdungsstecker, der einem Faraday’schen Käfig gleich die elektromagnetischen Frequenzen der modernen Zeit abschirmt. Jessica Sehrt und drei Klassenkameraden haben das Zimmer unter Feng-Shui-Gesichtspunkten kuratiert: Eine Ecke steht für Metall, eine für Wasser, eine für Erde. „Eigentlich geht es Künstlern darum, eigene Interessen und ästhetische Standpunkte durchzusetzen. Da war es befreiend, einer anderen Logik zu folgen“, sagt Sehrt.

Ein Gespräch mit den Künstlern

Die Idee der Gruppe zeigt, dass es für den Besucher lohnenswert ist, sich mit den Künstlern über ihre Werke zu unterhalten, auch wenn manche lieber nichts erklären wollen. Betrachtet man etwa die Kunst von Khaled Barakeh im Atelier 12 des Obergeschosses, sieht man einen umgefallenen Stuhl vor einem Bild mit schwarzem Gekritzel. Fragt man nach, stellt sich heraus, dass das Bild die Umrisse einer Wirbelsäule zeigt. Der Rücken dazu gehört einem syrischen Freund von Barakeh, der unter Assad gefoltert wurde. Und die Holzteile, die vor dem Bild liegen, entstammen einer Kiste, mit der im Krieg Leichen transportiert wurden.

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