Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Stadtbibliothek Bad Homburg hat zwar derzeit wegen Corona geschlossen. Der stellvertretende Leiter Sven Baumgardtstellt aber gerade ein Bestllkörbchen für einen Nutzer zusammen.
+
Die Stadtbibliothek Bad Homburg hat zwar derzeit wegen Corona geschlossen. Der stellvertretende Leiter Sven Baumgardtstellt aber gerade ein Bestllkörbchen für einen Nutzer zusammen.

Bad Homburg

Bücherei öffnet ohne Personal

Bad Homburg Nutzerinnen und Nutzer gelangen mit Code in die Räume.

In der schweizerischen Partnerstadt Chur können Bürger:innen seit gut zwei Jahren auch sonntags Lesestoff ausleihen oder dann, wenn die Mitarbeiter:innen ihrer Stadtbibliothek noch frühstücken. Mit dem Bibliotheksausweis und einem Code gelangen sie in die Bücherei, auch wenn kein Personal da ist, stöbern und entleihen per Automat. Jeder Eintritt wird elektronisch und durch Überwachungskameras festgehalten.

Als erste öffentliche Bücherei in Hessen will die Stadtbibliothek Bad Homburg das Konzept der „Open Library“ ebenfalls anwenden – in Ober-Erlenbach, sobald die Zweigstelle in ihre künftigen Räume im Oberhof umgezogen ist. Dies ist laut Bibliotheksleiter Klaus Strohmenger für die Zeit um den Mai dieses Jahres vorgesehen. Die Öffnungszeiten verdoppeln wie in Chur will man hier nicht, aber zumindest von drei halben auf drei ganze Tage erweitern. „Denn wegen der neuen Baugebiete gehen wir von einer erhöhten Nachfrage aus.“

In „Servicezeiten“ wird die Mitarbeiterin der Zweigstelle auch weiter dort ansprechbar sein. Wo es die „Open Library“ schon gibt, seien die Erfahrungen gut, weiß Strohmenger; man höre nicht von Diebstählen. „Die Leute haben Respekt vor der Einrichtung. Es ist ein Projekt, aus dem wir lernen wollen.“ Eine Ausweitung auf die Hauptfiliale in der Dorotheenstraße sei vorerst nicht angedacht.

Dort kommt man dem Unterhaltungs- und Wissensdurst der Homburger:innen in Pandemiezeiten mit einem Abholservice entgegen. Per E-Mail oder Anruf unter 06172 / 921 360 können Wünsche durchgegeben werden; ebenso erfolgt die Nachricht, dass die Medien abgeholt werden können. Schon im Lockdown im März/April konnte man Bücher bestellen und nun laufe der Service „nach ersten Anlaufschwierigkeiten sehr gut.“

Vom 21. April bis 16. Dezember 2020 war die Bücherei zwar geöffnet, das Café jedoch geschlossen, alle Zeitungen waren abbestellt und coronabedingt durfte man es sich im ganzen Gebäude nicht gemütlich machen. Die Ausleihzahlen von Printmedien, Hörbüchern und DVDs sind im vergangenen Jahr jedoch weniger stark gesunken, als der Bibliotheksleiter es erwartet hätte. In der Hauptstelle gingen sie von 322 547 (2019) auf 272 363 (-16 Prozent) zurück, in der Zweigstelle Ober-Erlenbach allerdings von 16 002 um 41 Prozent auf 9473.

Die Onleihe dagegen – also das Zugreifen auf E-Books und Co. übers Internet – ist gestiegen, um 28 Prozent von 101 716 auf 129 945 Medien. Dadurch wurde der Ausleihrückgang 2020 zumindest auf sechs Prozent verringert. „Durch die Pandemie ist die Nachfrage auf unsere digitalen Angebote weiter gestiegen“, erklärt Strohmenger und bezieht dabei die Nachschlagwerke Munzinger und Brockhaus mit ein.

Wann die Nutzer:innen wieder in die Bibliothek dürfen, kann Strohmenger nicht absehen. Aber er würde nichts lieber tun, als bald wieder zu öffnen, auch das Café. „Denn gerade heute, da so vieles automatisiert ist, brauchen die Menschen einen Treffpunkt wie die Bibliothek, wo sie sich auch mal aufhalten können, ohne gleich etwas zahlen zu müssen wie in einer Gaststätte.“ Ein Segen sei auch, dass der Bibliotheksausweis in Bad Homburg nichts koste. Strohmenger: „Gebühren würden vielleicht gerade die abschrecken, die man in der Bibliothek haben will.“

Hat die Pandemie auch das Leseinteresse beeinflusst? Kaum, sagt ein Blick auf die „Ausleihrenner“ 2020. Außer „1918 – Die Welt im Fieber“, Laura Spinneys Bestseller über die Spanische Grippe von 2018 (25-mal ausgeliehen) lasen 16 Nutzer die Quarantänegebrauchsanweisung von Pater Anselm Grün. Bei den Sachbüchern lag Michelle Obamas Autobiografie „Becoming“ (32) vorn. In der Jahresbestenliste steht Nick Hornbys Komödie „Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst“ (24 Ausleihen) auf Platz 1.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare