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Knochenjob: Erntehelferin Andrea aus Rumänien arbeitet beim Spargelstechen auf dem Acker von Bauer Benz fix und akkurat.
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Knochenjob: Erntehelferin Andrea aus Rumänien arbeitet beim Spargelstechen auf dem Acker von Bauer Benz fix und akkurat. Renate Hoyer (5)

Spargel

Spargel-Ernte in Darmstadt: Buddelei mit Maske und Distanz

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
    schließen

Wegen der Corona-Pandemie gelten bei der Ernte von Spargel in Südhessen strenge Auflagen für Hilfskräfte.

  • In Südhessen hat die zweite Spargelsaison während der Corona-Pandemie begonnen
  • Anbaubetriebe hoffen auf eine bessere Spargel-Ernte als im vergangenen Jahr
  • Landwirte nutzen Hightech bei der Ernte von Spargel ein

Spargelbauer Werner Benz ist in diesem Jahr auf Nummer sicher gegangen. Zu Beginn der Erntezeit benötigt er auf seinem Aussiedlerhof im Darmstädter Stadtteil Arheilgen eigentlich noch keine 20 Erntehelferinnen und -helfer.

Doch nachdem im vergangenen Jahr seine aus Osteuropa stammenden Hilfskräfte zu spät mit dem Flugzeug in Frankfurt gelandet waren und inzwischen ein Einreisestopp wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen galt, wurden die Helferinnen und Helfer wieder zurück in ihre Heimat geflogen.

Hilfskräfte aus Kroatien und Rumänien ernten Spargel in Darmstadt

Um nicht erneut unerwartet in die Bredouille zu kommen, hat Benz in diesem Jahr gleich zu Beginn der Spargelsaison sicherheitshalber „über Bedarf“ Erntehelfer:innen angeheuert. Zehn weitere sollen in den nächsten Wochen noch kommen. Von den Studierenden, die im vorigen Jahr aushilfsweise bei der Ernte halfen, habe sich kürzlich nur einer bei ihm gemeldet, berichtet Benz.

Alle Hilfskräfte aus Kroatien und Rumänien mussten vor der Einreise einen negativen Corona-Test vorlegen. Über eine Apotheke hat sich der Landwirt Schnelltests besorgt, um alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jede Woche auf das Coronavirus zu testen. Bislang waren alle Tests negativ.

Tests, Abstand und Masken auf Spargel-Bauernhof in Darmstadt-Arheilgen

Auch die Wege für Lieferanten sowie für die Besucherinnen und Besucher des hofeigenen Bauernladens hat die Familie Benz in den vergangenen Wochen so strukturiert, dass ausreichend Abstand zueinander gehalten werden kann und es möglichst keine Kontakte zu den Arbeitskräften gibt, die während der Arbeit etwa an der Sortiermaschine und bei Fahrten zu den Feldern medizinische Masken tragen.

Auch die Unterkünfte für die Hilfskräfte auf dem Hof hat Bauer Benz mit seinen beiden Söhnen in den vergangenen Monaten zu Zweier- und Dreierzimmern umgebaut.

Mit der Ernte von Spargel wird kurz nach Sonnenaufgang begonnen

Wegen der frostigen Temperaturen begann der Arbeitstag am Freitag für die Erntehelfer:innen erst um 8 Uhr. Normalerweise machen sich die Hilfskräfte Benz zufolge um kurz nach Sonnenaufgang gegen 7 Uhr auf den Weg, um auf den Feldern in der Nähe des Bauernhofs mit Blick auf die Großbaustelle des Teilchenbeschleunigers Fair bei Darmstadt-Wixhausen das edle Stangengemüse zu stechen und in die Sammelkörbe zu legen.

Ungeübte Hilfskräfte benötigen laut Benz eine gewisse Eingewöhnungsphase, weil die Arbeit auf dem Acker für die Muskulatur sehr anstrengend ist. Zu viert sind die Erntehelfer:innen auf dem Feld und ernten, mit Metallkörben und Stecheisen ausgerüstet, die weißen und grünen Stangen.

Hightech bei der Ernte von Spargel: Temperaturmessung mit Sensoren

Mit Hilfe von Sensoren auf einigen Äckern kann Benz via App auf seinem Mobiltelefon genau nachvollziehen, welche Temperatur in den Erdwällen – auch Balken genannt – herrschen. Auf den Balken hat der Landwirt zwei Folien gespannt, um die Temperatur in den Dämmen zu erhöhen.

Ganz oben heizt sich die Erde auf 40 Grad auf und in einer Tiefe von 20 Zentimetern können die Spargelstangen optimal bei 20 bis 22 Grad prächtig wachsen und gedeihen.

Hilfskräfte ernten etwa zwölf Kilo Spargel in der Stunde

Durchschnittlich, so berichtet Bauer Benz, ernteten Hilfskräfte etwa zwölf Kilo Spargel in der Stunde. Mit ihren Zeige- und Mittelfinger graben Michaela, Elena, Andrea sowie ihre Kolleginnen und Kollegen an der Oberfläche des Erdwalls kleine Löcher in den sandigen Boden, um das obere Ende der Spargelstange freizulegen und zu fixieren.

Weiter unten stechen sie mit dem etwa einen halben Meter langen Spargelstecher zu und schon können sie die Stange in das Körbchen legen und das Loch wieder feinsäuberlich mit Erde verschließen. Ein wenig erinnert der letzte Teil des Erntevorgangs an das Verputzen einer Wand.

Nach einer zweistündigen Mittagspause auf dem Hof wird in der Hochphase der Erntezeit am Nachmittag weitergearbeitet. Doch angesichts der kühlen Witterung in den vergangenen Tagen und Nächten kann derzeit auf den Feldern weniger geerntet werden,

Spargel der ersten Klasse kostet derzeit etwa 17 Euro je Kilo

Rolf Meinhardt, der Vorsitzende des Arbeitskreises Spargel Südhessen, sagte zum Auftakt der Spargelsaison, er rechne „mit einer guten Ernte, wenn das Wetter stimmt“. Der Preis für Premiumspargel werde sich voraussichtlich auf das Niveau der vergangenen Jahre einpendeln.

Derzeit sei er allerdings noch ein wenig teurer. Für die ersten Stangen um Ostern lagen die Preise bei 17 bis 18 Euro pro Kilo. Aber krumme Stangen, die genau so gut schmecken, wie 1A-Ware, werden im Hofladen von Bauer Benz für weniger als zehn Euro das Kilo angeboten.

Spargelanbau in Hessen

In Hessen gibt es nach Angaben des hessischen Bauernverbands 120 Spargelbetriebe mit einer Anbaufläche, die größer als ein halber Hektar ist.

Auf Flächen von 1671 Hektar wurde im vergangenen Jahr Spargel angebaut.

Mit rund 8500 Tonnen verzeichneten die hessischen Spargelbetriebe im vergangenen Jahr die geringste Ernte seit 2014. Die Erntemenge lag nach einer Mitteilung der Marketinggesellschaft „Gutes aus Hessen“ rund 1260 Tonnen niedriger als im Jahr 2019.

Im ersten Corona-Jahr fehlten den Betrieben zum einen viele Erntehelferinnen und -helfer, die zunächst nicht einreisen durften. Zum anderen ist der Rückgang der Erntemenge auch auf den Rückgang der Anbauflächen um mehr als 140 Hektar zurückzuführen.

Die Spargelernte beginnt in der zweiten Aprilhälfte und dauert traditionell bis zum „Johannistag“ am 24. Juni.

Ein Kilogramm Spargel der ersten Güteklasse kostet derzeit an den Ständen rund 17 Euro. jjo

Zweite Ernte von Spargel in der Corona-Pandemie

Die zweite Ernte in der Corona-Pandemie macht den Bauern weniger Kopfzerbrechen. Auch Meinhardt berichtet, „arbeitskräftemäßig gut versorgt“ zu sein. Wegen der mangelnden Saisonkräfte sei im vorigen Jahr 30 Prozent weniger geerntet worden. Da nach wie vor die Gastronomie als Abnehmer ausfalle, hoffe man wieder auf ein gutes Geschäft in der Direktvermarktung.

Und auch bei Bauer Benz in Darmstadt-Arheilgen warten die Kundinnen und Kunden geduldig, um im Hofladen mit einer Maske schon zum Saisonbeginn die besten Stangen zu ergattern. Sicher ist sicher.

Buden an jeder Ecke: Vermarktet wird der erntefrische Spargel in der Region bis Ende Juni in kleinen, hölzernen Hütten oder in Verkaufsständen.

Werner Benz hat sich seine Helfer:innen schon gesichert.

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